21. Sonntag im Jahreskreis – A
1. Lesung: Jes 22, 19–23
2. Lesung: Röm 11, 33–36
Evangelium: Mt 16, 13–20
Jesus mit seinen Jüngern in Cäsarea Philippi – ein mobilisierendes Ereignis
1. Eine Frage, die man nicht anderen überlassen kann
Jesus befindet sich mit seinen Jüngern in der Gegend von Cäsarea Philippi. Dieser Ort lag außerhalb des eigentlichen jüdischen Kernlandes und war von verschiedenen Religionen und Kulten geprägt. Gerade dort fragt Jesus: „Für wen halten die Menschen den Menschensohn?“ Die Antworten sind unterschiedlich: Johannes der Täufer, Elija, Jeremia oder einer der Propheten. Die Menschen sehen in Jesus einen großen Menschen, erkennen aber noch nicht, wer er wirklich ist.
Dann verändert sich die Frage: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ Jetzt geht es nicht mehr um die Meinung der anderen. Jesus führt die Jünger von dem, was andere sagen, zu einem persönlichen Bekenntnis. Der Glaube kann nicht nur Wissen über Jesus bleiben. Irgendwann muss jeder Mensch selbst darauf antworten, wer Christus für ihn ist. Diese Frage bleibt auch heute offen. Man kann das Evangelium, die Tradition und die Lehre der Kirche kennen und dennoch immer noch auf dem Weg sein, Christus persönlich zu erkennen.
2. „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes“
Petrus antwortet im Namen der Jünger: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“ Das ist eines der wichtigsten Glaubensbekenntnisse im Matthäusevangelium. Jesus ist nicht nur ein Prophet oder Lehrer. Er ist der Messias – der von Gott Gesandte – und der Sohn des lebendigen Gottes.
Der Glaube kann nicht nur Wissen über Jesus bleiben. Irgendwann muss jeder Mensch selbst darauf antworten, wer Christus für ihn ist.
Jesus weist jedoch noch auf etwas anderes hin: Petrus ist nicht allein durch seine eigene Einsicht zu dieser Wahrheit gekommen. „Nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel.“ Der Glaube ist also eine Antwort des Menschen, aber zuvor ist er ein Geschenk. Gott lässt den Menschen in Jesus mehr erkennen, als man nur mit menschlichen Augen sehen kann.
Petrus erkennt Christus, obwohl er noch nicht alles versteht. Schon wenige Verse später wird er sich gegen die Ankündigung des Kreuzes stellen. Sein Glaube ist echt, muss aber noch reifen. Auch ein Glaubensbekenntnis bedeutet nicht, dass alle Fragen gelöst sind. Es ist vielmehr der Anfang eines immer tieferen Erkennens Christi.
3. Der Fels, auf dem Christus die Kirche baut
Jesus antwortet: „Du bist Petrus – der Fels – und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen.“ Matthäus stellt bewusst den Namen Petrus – Petros – neben das Wort für Fels – petra. Simon erhält einen neuen Namen und eine neue Aufgabe. Am wichtigsten bleibt jedoch der Satz: „Ich werde meine Kirche bauen.“ Die Kirche gehört Christus. Er ist es, der sie baut. Petrus erhält eine besondere Verantwortung in der Gemeinschaft der Jünger. Die katholische Tradition sieht in diesen Worten einen der grundlegenden Texte über den Dienst des Petrus und seiner Nachfolger.
Bemerkenswert ist, dass Christus einem schwachen Menschen eine so große Verantwortung anvertraut. Petrus wird Angst haben. Er wird sich irren. Er wird Jesus verleugnen. Zum Felsen wird er nicht deshalb, weil er ein fehlerloser Mensch wäre. Sein Halt bleiben Christus und die Gnade Gottes. So trägt die Kirche von Anfang an die geheimnisvolle Verbindung von menschlicher Zerbrechlichkeit und göttlicher Treue in sich.
4. Schlüssel, die zum Öffnen und Schließen dienen
Das Bild von den „Schlüsseln des Himmelreichs“ erinnert an das biblische Zeichen einer Vollmacht, die dem Verwalter eines Hauses anvertraut wird. Petrus erhält Verantwortung für die Gemeinschaft Christi. Die Ausdrücke „binden“ und „lösen“ gehörten zur jüdisch-rabbinischen Sprache. Sie konnten verschiedene Formen religiöser Autorität bezeichnen, besonders:
- verbindlich entscheiden, was erlaubt und was verboten ist;
- die Lehre auslegen und konkrete Entscheidungen treffen;
- jemanden aus der Gemeinschaft ausschließen oder wieder in sie aufnehmen.
Deshalb versteht die katholische Tradition diese Worte als Übertragung einer wirklichen kirchlichen Lehr- und Leitungsautorität. Die Entscheidungen des Petrus werden nicht als rein private Entscheidungen verstanden; die Formulierung „auf Erden – im Himmel“ gibt ihnen einen besonderen Bezug zur Autorität Gottes.
Der Dienst des Petrus besteht für das Evangelium, für die Einheit der Kirche, für den Schutz ihrer Lehre und Tradition sowie für die Offenheit gegenüber anderen, wenn sie sich Christus in der Gemeinschaft der Getauften anschließen möchten.
Vielleicht lohnt es sich, auf der Grundlage des Textes aus dem Matthäusevangelium die eigene Beziehung zu Jesus und zu seiner Kirche neu zu bedenken.