„Nicht gegeneinander, sondern miteinander“

Ein starkes Zeichen für die deutsch-polnische Zukunft im Sejm

29 Juli 2026, 17:00 Politik

Warschau, 29. Juli 2026 – Es ist ein historischer Ort für ein historisches Jubiläum. Am heutigen Mittwoch wurde im Hauptfoyer des polnischen Sejm die Ausstellung „Nicht gegeneinander, sondern miteinander“ feierlich eröffnet. Anlässlich des 35. Jahrestages des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrages blickt die Schau nicht nur zurück auf die Meilensteine der Versöhnung, sondern stellt die Weichen für die kommenden Jahrzehnte.

Die Eröffnung lockte hochrangige Vertreter aus Politik, Diplomatie und der Zivilgesellschaft in das Parlamentsgebäude. Dass die Ausstellung ausgerechnet hier gezeigt wird, ist ein wichtiges Signal. Marek Krząkała, Vorsitzender der deutsch-polnischen Parlamentariergruppe im Sejm, betonte die Bedeutung der zwischenmenschlichen Ebene: „In diesen 35 Jahren haben wir auf vielen Ebenen die Zusammenarbeit entwickelt. Viel wichtiger als die Politik oder die Wirtschaft sind die menschlichen Beziehungen und die Möglichkeiten, die sowohl Jugendliche als auch NGOs genutzt haben“, so Krząkała.

Die Ausstellung „Nicht gegeneinander, sondern gemeinsam“ wurde anlässlich des 35. Jahrestags des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrags feierlich im Hauptfoyer des Sejm in Warschau eröffnet.
Foto: Michał Florek

Ein Rahmen für die Zukunft

Die inhaltliche Gestaltung der 14 Schautafeln lag in den Händen des Historikers Prof. Krzysztof Ruchniewicz. Für ihn ist der Vertrag von 1991 weit mehr als nur ein verstaubtes Dokument. „Einerseits hat sich der Vertrag bewährt, andererseits schuf er einen Rahmen, den wir auch heute noch problemlos nutzen können, wenn wir es nur wollen“, erklärte Ruchniewicz in seinem ersten Statement zur Konzeption. Er hob hervor, dass dies die erste umfassende Ausstellung sei, die sich vollumfänglich dem Vertrag widmet. In einem weiteren Aspekt betonte er die sicherheitspolitische Relevanz: „Es liegt in unserem gemeinsamen Interesse, über die Sicherheit in ganz Europa zu diskutieren. Der Vertrag schafft diese Möglichkeit, weil Polen und Deutschland dadurch Vertrauen zueinander gefasst haben.“

„Viel wichtiger als die Politik oder die Wirtschaft sind die menschlichen Beziehungen und die Möglichkeiten, die sowohl Jugendliche als auch NGOs genutzt haben.“
Marek Krząkała, Vorsitzender der deutsch-polnischen Parlamentariergruppe

Auch Lucjan Dzumla, Geschäftsführer des Hauses der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit (HDPZ), das die Initiative für die Ausstellung ergriffen hat, erinnerte an die Anfänge: „1991 war eine völlig andere Zeit als heute, kurz nach der Wende und der Wiedervereinigung. Es ist gut, diesen Kontext zu zeigen – was uns damals verbunden und was uns getrennt hat.“ Dzumla kündigte zudem an, dass die Ausstellung nach ihrer Zeit im Sejm (bis Anfang August) auf Wanderschaft gehen wird, unter anderem nach Breslau und Gleiwitz.

Identität und gelebte Gemeinschaft

Besondere Bedeutung maß Rafał Bartek, Vorsitzender des VdG, der Würdigung der deutschen Minderheit in der Ausstellung bei. „Der Vertrag war tatsächlich eines der Fundamente unserer Identität und des Wiederaufbaus unserer Gemeinschaft. Er war das erste Dokument, das besagte: Ihr dürft eure Kultur pflegen und zu euren ursprünglichen Namen und deren Schreibweise zurückkehren“, so Bartek sichtlich bewegt. Er mahnte jedoch auch, dass die Freundschaft kein Selbstläufer sei und man die kommenden Generationen stets neu vom Kern der Versöhnung überzeugen müsse.

 „Die Freundschaft ist kein Selbstläufer, und man muss die kommenden Generationen stets aufs Neue vom Kern der Versöhnung überzeugen.“
Rafał Bartek, Vorsitzender des VdG

Eine wichtige Stimme brachte auch Jerzy Woźniak ein, stellvertretender Leiter der Kanzlei des Sejm der Republik Polen, der erläuterte, warum diese Institution die Organisation der Ausstellung mit voller Überzeugung unterstützt hat. Seiner Ansicht nach ist der Sejm ein Ort, der stets die Idee des gemeinsamen Handelns fördern sollte: „Der Sejm ist eine Institution, die an die Gesellschaft denken sollte. Wir wollen zeigen, dass es auch anders geht – dass man weder kämpfen noch sich streiten muss. Selbst wenn wir uns unterscheiden, können wir für das Gemeinwohl wirken. Auf unserem Staatsgebiet leben verschiedene Nationalitäten, und gemeinsames Handeln zum Wohle aller Einwohner ist immer die beste Lösung“, betonte Minister Woźniak.

Vom Konzept zur Realisierung: Lucjan Dzumla, Geschäftsführer des Hauses der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit, und Prof. Krzysztof Ruchniewicz, Autor der Ausstellung, im Gespräch während der feierlichen Vernissage im polnischen Sejm.
Foto: Michał Florek

Während der Eröffnung teilte er auch eine persönliche Reflexion und schlug den Bogen zu seinem Leben in der Woiwodschaft Oppeln, wohin er 1991 gezogen war – also genau im Jahr der Unterzeichnung des Nachbarschaftsvertrags. In Erinnerung an seine Erfahrungen in der Gemeinde Cisek hob er hervor, dass gegenseitiger Respekt dort zum Alltag gehört: „In meiner Gemeinde gehörte ich zur polnischen Minderheit und nicht zur deutschen Mehrheit, doch das war niemals in negativer Weise spürbar. Zusammen haben wir die Gesellschaft des Dorfes gebildet. Heute haben wir in unserem kleinen Dorf mit nur 200 Einwohnern einen gemeinsamen Dorfplatz, den wir gemeinschaftlich in Eigenleistung gebaut haben; es gibt einen Landfrauenverein und keine Spaltungen.“

Von Warschau nach Berlin

Der deutsche Botschafter Miguel Berger, der direkt von Vorbereitungen zu den anstehenden Regierungskonsultationen zur Eröffnung kam, zeigte sich beeindruckt von der Geste, die Ausstellung im polnischen Parlament zu zeigen. Er blickt bereits über die Grenzen hinaus: „Es wäre sehr schön, wenn wir die Möglichkeit hätten, diese Ausstellung dann auch im Deutschen Bundestag zu zeigen. Das ist etwas, das wir mit dem dortigen Vorsitzenden der Deutsch-Polnischen Parlamentariergruppe Paul Ziemiak aufnehmen wollen.“ Zudem plant Berger, die Schau in der Deutschen Botschaft in Warschau zu präsentieren, um die „gefestigte bilaterale Zusammenarbeit“ weiter zu unterstreichen.

Nach der Premiere im Sejm (bis 05.08.) kann die Ausstellung kostenlos beim HDPZ ausgeliehen werden.
Foto: Michał Florek

Die Ausstellung „Nicht gegeneinander, sondern miteinander“ ist bis zum 5. August im Sejm zu sehen und wird anschließend als Wanderausstellung kostenlos für interessierte Institutionen zur Verfügung stehen. Einzelheiten dazu beim Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit.

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