Mit Georg Smuda, Geschäftsführer der Firma Smuda Consulting, sprach Krzysztof Świerc:
Sie sind Inhaber eines Unternehmens mit starken Verbindungen nach Deutschland, sind oft dort und haben viele Jahre dort gelebt. Bitte geben Sie uns Ihre Einschätzung zur aktuellen wirtschaftlichen Lage in der Bundesrepublik.
Krisen gab es, gibt es und wird es immer geben. In der aktuellen Krise in Deutschland erkennen wir viele strukturelle Probleme, die mit den Energiekosten oder der Automobilindustrie zusammenhängen. Sie sind recht schwerwiegend, aber ich möchte daran erinnern, dass Deutschland bereits einmal mit einem enormen Problem in der Automobilbranche konfrontiert war, und zwar zu Beginn der 1990er Jahre. Ich denke dabei unter anderem an den Audi-Konzern, der sich in einer sehr schwierigen Lage befand. Auch andere Konzerne hatten es schwer, was sich unter anderem daran zeigte, dass die Verkaufsrückgänge damals sogar bis zu 40 % betrugen, nicht zuletzt in den USA! Letztendlich gelang es jedoch, die Krise zu überwinden.
Die aktuelle Krise dauert jedoch schon ziemlich lange. Zudem versinken die optimistischen Einzelprognosen in einem Meer von negativen. Wo liegt das Problem?
Die Reaktion der Behörden, Ämter und der deutschen Gesellschaft war in solchen Situationen stets dieselbe: Man muss die Funktionsweise des Staates an neuralgischen Punkten verbessern, einige Dinge vereinfachen und die Steuern so gestalten, dass sie im Vergleich zu anderen Ländern der Welt wettbewerbsfähig sind, denn wenn Deutschland nicht an erster Stelle steht, dann immer in der Spitzengruppe der exportierenden Nationen. Früher, nach der Einführung dieser Änderungen, ging es mit der deutschen Wirtschaft wieder bergauf. So war es in den vergangenen drei, vier Jahrzehnten stets. Und heute? Es gibt keine Hindernisse, solche Korrekturen einzuführen. Heute gibt es in Deutschland viel mehr Geld als früher, viele Dinge funktionieren besser als in der Vergangenheit, und die Gesellschaft ist auf diese Veränderungen besser vorbereitet.

Georg Smuda vertritt den Grundsatz, dass man, um voranzukommen, nicht aufgeben darf, sondern kämpfen muss.
Foto: J. S.
Das geschieht aber nicht. Warum?
Das Problem sehe ich in der neuen Generation der deutschen Gesellschaft. Noch vor 30, 40 Jahren dachten die Deutschen: Es gibt ein Problem, also muss es gelöst werden. Und heute? Für die neue Generation ist das keine Priorität. Sie lebt zu gut, zu bequem und will die Probleme, mit denen das Land zu kämpfen hat, nicht wahrnehmen. Die Menschen fühlen sich sicher, haben eine hervorragende Ausbildung und garantierte hohe Einkommen. Hinzu kommen oft hohe Erbschaften von ihren Eltern und Großeltern. Die Summe all dessen führt dazu, dass sie keine innere Kraft in sich haben, die ihnen sagt, dass sie endlich reagieren müssen. Man muss eingreifen, etwas verändern, Strukturen, Gesetze und Steuern verbessern usw. Sie arbeiten immer noch vier Tage pro Woche, davon vorzugsweise einen Tag im Homeoffice…
Gewisse Forschungsinstitute melden von Zeit zu Zeit, dass Deutschland aus der Krise herauskommt. Ist das Ihrer Meinung nach der Fall?
Mal geht es ein halbes Prozent nach oben, mal ein halbes Prozent nach unten. Darum geht es nicht. Das hat keine Bedeutung. Die Bedeutung liegt einzig und allein im Willen und der Bereitschaft, konkrete Reformen einzuführen und die gesamte deutsche Wirtschaft an die heute weltweit geltenden Standards anzupassen. Wenn das nicht geschieht, wird es immer schlimmer.
„Heute gibt es in Deutschland viel mehr Geld als früher. Das Problem ist nicht das Geld, sondern der Wille, Reformen umzusetzen.“
Wie wirkt sich die wirtschaftliche Lage in Deutschland auf die Geschäftstätigkeit Ihres Unternehmens aus?
Es gibt ein Problem, aber wir kommen zurecht. Wenn sich die Lage jedoch nicht verbessert, werden die Probleme zunehmen – und das nicht nur in meiner Firma. Man muss bedenken: Je schwächer die deutsche Wirtschaft, desto schlechter wird es der polnischen Wirtschaft gehen! Das ist so, trotz der Meinung vieler polnischer Experten, die Wirtschaft an der Weichsel sei nicht mehr von Deutschland abhängig. Aber wie kann sie unabhängig sein, wenn offiziell über 30 % des gesamten polnischen Exports nach Deutschland gehen? Und wo sind die kleineren polnischen Unternehmen, wo sind die Menschen, die in Deutschland arbeiten und immer noch Geld nach Polen bringen? Ich könnte noch viel mehr dazu sagen. Zusammenfassend: Wenn sich das wirtschaftliche Klima in Deutschland drastisch verschlechtert, dann wird es in Polen eine Katastrophe geben!