Heilsberg – die historische Hauptstadt Ermlands und das erste Heilbad der Region – wurde in diesem Jahr zum Schauplatz eines außergewöhnlichen Ereignisses.
Ein Fest der Kultur und des Dialogs
Das Sommerfest, organisiert vom Verband der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren gemeinsam mit der Landsmannschaft Ostpreußen, bot nicht nur Raum für Gespräche über Politik und Sicherheit, sondern war vor allem ein Fest der Kultur, Tradition und Integration. Die Veranstaltung begann mit einem ökumenischen Gottesdienst, geleitet von Domherrn Andre Schmeier sowie dem Pfarrer der evangelisch-augsburgischen Gemeinde in Passenheim, Pfarrer Witold Twardzik.
Das Fest versammelte zahlreiche Bewohner der Region, Vertreter von Minderheiten sowie Gäste aus dem In- und Ausland. Unter den Ehrengästen befanden sich u. a. die Vizemarschälle der Woiwodschaften Jacek Piorunek (Podlachien) und Robert Turlej (Ermland-Masuren), Mitglieder der Minderheitenkommissionen beider Regionalparlamente, Stefan Grigat, Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen, sowie Vertreter der lokalen Behörden.

Das Sommerfest 2026 in Heilsberg wurde von dem Verband der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren gemeinsam mit der Landsmannschaft Ostpreußen organisiert.
Foto: P. Dukat
Den Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen (VdG) repräsentierten die Vorstandsmitglieder Piotr Dukat (Ermland und Masuren) sowie Dawid Bojarowski (Pommern).
Das Sommerfest bot ein eindrucksvolles kulturelles Programm der deutschen Minderheit in Ermland und Masuren. Auf der Bühne traten u. a. die Tanzgruppe „SAGA“, der Chor des deutschen Minderheitenvereins Neidenburg, das Jugendensemble desselben Vereins, die Stadtkapelle aus Osterode sowie weitere Gesangsgruppen und Chöre aus Vereinen der Region und aus Deutschland auf. Die Atmosphäre war lebendig, die Künstler präsentierten sich auf höchstem Niveau, und das Publikum reagierte begeistert auf jeden Auftritt.
Historische gemeinsame Sitzung zweier Kommissionen
Im Rahmen des Sommerfestes fand die erste gemeinsame Sitzung der Kommissionen für nationale und ethnische Minderheiten der Regionalparlamente der Woiwodschaften Ermland-Masuren und Podlachien statt – ein symbolischer und bedeutender Schritt zur Vertiefung des interkulturellen Dialogs und der zwischenregionalen Zusammenarbeit.
Kultur und Minderheitenarbeit erweisen sich hier nicht als Randthema, sondern als zentrales Element regionaler Identität.
Die Sitzung wurde gemeinsam geleitet von Jarosław Słoma, Vorsitzender der Kommission im Regionalparlament Ermland-Masuren, sowie Igor Łukaszuk, Vorsitzender der Kommission im Regionalparlament Podlachien. Diese beiden Regionalparlamente sind die einzigen in Polen, die spezielle Kommissionen für Minderheitenfragen eingerichtet haben. An der Sitzung nahmen Vertreter der ukrainischen und deutschen Gemeinschaften sowie weiterer Minderheitenorganisationen teil.

Im Rahmen des Sommerfestes fanden kulturelle Auftritte sowie gemeinsame Sitzungen der Minderheitenkommissionen aus Ermland-Masuren und Podlachien statt.
Foto: P. Dukat
35 Jahre deutsch-polnischer Nachbarschaftsvertrag – neue Herausforderungen
In seiner Rede erinnerte Jarosław Słoma daran, dass sich in diesem Jahr die Unterzeichnung des deutsch-polnischen Vertrags über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit zum 35. Mal jährt. Er verwies zudem auf die aktuelle sicherheitspolitische Lage in Europa: „Im vergangenen Monat haben beide Regierungen ein Verteidigungsabkommen unterzeichnet. Angesichts eines aggressiven, imperialen Russlands, das die Ukraine besiegen und eine russische Einflusszone in Osteuropa – einschließlich Polens und Teilen Deutschlands – wiederherstellen will, ist die Zusammenarbeit und das Bündnis zwischen Polen, Deutschland und den Staaten der EU entscheidend für den Frieden in Europa und für die Unterstützung der kämpfenden Ukraine.“

Das Sommerfest 2026 in Heilsberg wurde von dem Verband der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren gemeinsam mit der Landsmannschaft Ostpreußen organisiert.
Foto: P. Dukat
Słoma betonte außerdem, dass jede Form von antieuropäischen, antideutschen oder antiukrainischen Stimmungen die Sicherheit der Region schwächt.
Minderheiten – ein Reichtum der Region und der Republik Polen
In Ermland, Masuren und im Weichselgebiet leben vor allem Angehörige der ukrainischen und deutschen Minderheit, aber auch Roma, Armenier, Tataren, Belarussen, Russen und Litauer. Ebenso wurde an die autochthonen Ermländer und Masuren erinnert. Hervorgehoben wurde, dass nationale und ethnische Minderheiten loyale Bürger der Republik Polen sind, die das Recht haben, ihre Kultur, Sprache, Religion und Tradition zu pflegen. Ihre Präsenz bereichert die Region und knüpft an die multikulturelle Tradition der historischen polnisch-litauischen Adelsrepublik an.
„Wir kümmern uns um die Minderheiten so, wie wir möchten, dass die polnische Minderheit dort behandelt wird, wo sie seit Generationen lebt.“
Bedeutung für die Zukunft
Die historische gemeinsame Sitzung der beiden Kommissionen könnte den Beginn einer regelmäßigen Zusammenarbeit markieren und einen wichtigen Impuls für die Stärkung des interkulturellen Dialogs im Nordosten Polens geben. Angesichts geopolitischer und gesellschaftlicher Herausforderungen gewinnen solche Initiativen zunehmend an Bedeutung.