Tag der Nationalen Minderheiten in Allenstein

Was wird in der Schmiede geschmiedet?

23 Juni 2026, 14:00 Kultur

Was schmiedet die Allensteiner Gesellschaft der Deutschen Minderheit in der „Sozialen Schmiede“ (Kuźnia Społeczna)? Sicherlich Widerstandskraft gegen schlechtes Wetter, aber auch Widerstandskraft gegen Chauvinismus. Und das mit Hilfe der Folklore – statt mit dem Hammer.

Folklore statt Hammer

Den Tag der Nationalen Minderheiten organisiert die Allensteiner Gesellschaft der Deutschen Minderheit seit 1992, immer im Juni und stets in Form eines Picknicks. Dieses Mal jedoch (14.06.) war alles anders. Wegen des Regens musste die Veranstaltung unter das Dach der „Sozialen Schmiede“ ausweichen.

Die Kuźnia Społeczna ist der Sitz der Lebensmittelbank Allenstein und befindet sich in ehemaligen Kasernengebäuden. Dort organisiert die Einrichtung unter anderem Schulungen und Workshops zur Förderung der Zivilgesellschaft.

Vier Minderheiten, eine Bühne

Während des Tages traten Ensembles auf, die vier Minderheiten repräsentierten. Die deutsche Minderheit wurde vom Jugendgesangsensemble sowie von der Kindertanzgruppe des Neidenburger Gesellschaft der Deutschen Minderheit vertreten. Außerdem trat der Chor „Ermlandklang“ der Allensteiner Gesellschaft der Deutschen Minderheit mit einem anspruchsvollen Repertoire auf – darunter Werke von Bach und Lehár.

Die zweite Minderheit, die sich in der Schmiede präsentierte, waren die Ukrainer. Aufgetreten ist die Tanzgruppe „Vesna“, bestehend aus Frauen, die aus Angst vor dem Krieg nach Polen geflohen sind und heute in Allenstein leben. Neben Volkstänzen zeigten sie ein bewegendes Ballett, das auf den andauernden Krieg in der Ukraine Bezug nahm.

Botschafter der Roma-Minderheit war die Gruppe „Hitano“. Sie tritt seit Beginn des Tages der Minderheiten auf, und heute singen und tanzen auf der Bühne bereits junge Künstlerinnen, die einst als kleine Mädchen ihre Mütter begleitet hatten. Heute begleiten sie wiederum ihre eigenen Kinder.

Die vierte Minderheit repräsentierten die Kaschuben mit dem Lied- und Tanzensemble Sierakowitz. Sierakowitz liegt in der Woiwodschaft Pommern, im Kreis Karthaus. Die große Gruppe junger Künstler präsentierte lebendige und farbenfrohe Folklore.

Alle Auftritte fanden großen Anklang beim Publikum, das nicht mit Applaus sparte.

Mehr als nur ein Picknick

Doch der Tag der Nationalen Minderheiten besteht nicht nur aus künstlerischen Auftritten. Traditionell gehören auch zahlreiche Begleitveranstaltungen dazu. In diesem Jahr waren dies unter anderem ein Informationstreffen des Programms „Bilingua“ für zweisprachige Familien, Stände mit Handarbeiten des Vereins sowie ukrainischem Kunsthandwerk.

Hinzu kamen Informationsstände des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa), der Stiftung für die Familie, der Woiwodschaftsbibliothek Allenstein, der Gesellschaft der Freunde von Wilna und des Wilnaer Landes sowie der Ostpreußischen Gemeinschaft.

Für Kinder hatten die Organisatoren verschiedene Spiele und Aktivitäten vorbereitet.

In der Sozialen Schmiede gibt es viel Platz, sodass auch Raum und Zeit für Gespräche mit Bekannten blieb. Anwesend waren ebenfalls Landsleute aus Deutschland, die gerade ihren Urlaub in der alten Heimat verbringen.

Doch der Tag der Nationalen Minderheiten beschränkt sich nicht nur auf Auftritte, Gespräche und das Besichtigen der Stände. Er bringt stets auch Vertreter der lokalen Behörden und Politiker zusammen.

In diesem Jahr waren darunter unter anderem Ewa Kaliszuk, Senatorin der Republik Polen, Prof. Teresa Astramowicz-Leyk, Politologin an der Ermländisch-Masurischen Universität Allenstein, Jarosław Słoma, Abgeordneter des Woiwodschaftstags von Ermland-Masuren und Vorsitzender des Ausschusses für Minderheitenfragen, sowie Waldemar Malewski, Vorstandsmitglied der Gemeinschaft ehemaliger Bewohner Allensteins in Deutschland.

In ihren Reden betonten alle die Bedeutung von gegenseitigem Verständnis, Kennenlernen und Widerstandskraft gegenüber politischen Versuchen, die Gesellschaft zu spalten. Besonders wichtig waren die Worte von Prof. Astramowicz-Leyk, die als Hochschullehrerin und Regionalpolitikerin gesellschaftliche Entwicklungen aufmerksam beobachtet.

Sie stellte unter Studenten einen besorgniserregenden Anstieg der Sympathien für extrem nationalistische polnische Parteien fest und appellierte an die Anwesenden, solchen Ansichten nicht nachzugeben und stattdessen offene und tolerante Menschen zu unterstützen.

So zeigt sich: In der Sozialen Schmiede kann man am Tag der Nationalen Minderheiten nicht nur feiern, sondern sich auch mit wirklich wichtigen Themen auseinandersetzen.

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