Leidenschaft, Identität und sportliche Anstrengung

BJDM beim Oppelner Triathlon

5 Juni 2026, 05:00 Nachrichten , Sport

Es gibt solche Momente, in denen Sport aufhört, reiner Wettkampf zu sein. Er wird zu einer Prüfung des Charakters, der Ausdauer, aber auch zu einem Weg, sich selbst zu zeigen – nicht nur als Sportler, sondern auch als Mensch mit eigener Geschichte und Identität. Am Samstag, dem 30. Mai, traten beim Oppelner Triathlon unter den hunderten Teilnehmern auch Paulina Buhl und Michael Materlik vom Bund der Jugend der Deutschen Minderheit in Polen (BJDM) an.

Für sie war dieser Start eine Verbindung aus sportlicher Herausforderung mit etwas viel Persönlicherem. Beide starteten über die 1/8-Ironman-Distanz: 475 Meter Schwimmen, 22,5 Kilometer Radfahren und 5,25 Kilometer Laufen. Für Außenstehende ist das immer noch eine der anspruchsvollsten Formen des Ausdauersports – ohne lange Pausen, mit ständigen Wechseln zwischen den drei Disziplinen.

Paulina Buhl sicherte sich den 1. Platz in ihrer Altersklasse beim Oppelner Triathlon.
Foto: privat

Erste Erfolge und sportlicher Alltag

Für Paulina Buhl war es ein besonders gelungener Start. In ihrer Altersklasse belegte sie den 1. Platz. In der Frauenwertung wurde sie Sechste, in der Gesamtwertung platzierte sie sich auf dem 58. Rang von 142 Startern. Hinter diesem Ergebnis steht eine relativ kurze, aber intensive Vorbereitungszeit. Sie trainiert Triathlon seit März 2025 und arbeitet seit Anfang des Jahres unter der Betreuung von Trainer Igor Siódmiak. „Büroarbeit bedeutet viele Stunden vor dem Computer. Ich brauche Bewegung, um das auszugleichen“, sagt sie. Wie sie hinzufügt, ist Sport für sie zu einem natürlichen Bestandteil des Alltags geworden, auch wenn er eine gute Tagesorganisation erfordert. Sie macht auch keinen Hehl daraus, dass sie nicht zu den Menschen gehört, die gerne sehr früh trainieren. „Ich trainiere definitiv lieber abends als um sechs Uhr morgens“, gibt sie lächelnd zu.

„Die Teilnahme am Triathlon ist eine gute Möglichkeit zu zeigen, dass der BJDM nicht nur aus Projekten und einem Büro besteht, sondern auch aus dem alltäglichen Leben und Leidenschaften.“
Paulina Buhl

Debüt in einer neuen Disziplin

Für Michael war es der erste Start im Triathlon. Zuvor war er hauptsächlich bei Straßenläufen angetreten, daher bedeutete der Einstieg in eine neue Disziplin das Lernen von Grund auf. Seit Februar bereitete er sich auf den Start vor, lernte die Technik des Kraulschwimmens, investierte in die Ausrüstung und verband nach und nach die drei verschiedenen Trainingsformen. „Am Anfang hätte ich nicht gedacht, dass Triathlon aus so vielen Elementen besteht: Ausrüstung, Planung, Logistik“, sagt er. Bei seinem Debüt belegte er den 11. Platz in seiner Altersklasse und den 55. Platz in der Herrenwertung. Seine Zeit betrug 1:33:06 Stunden.

Michael Materlik absolvierte seinen ersten Triathlon erfolgreich und belegte Platz 55 in der Herrenwertung.
Foto: privat

Identität auch außerhalb des Büros

So wichtig die sportlichen Ergebnisse waren, fiel noch ein weiteres Detail auf. Paulina stand mit einer Kappe mit dem BJDM-Logo auf dem Podest, und Michael zog nach dem Wettkampf ebenfalls das T-Shirt und die Kappe der Organisation an. Für sie war das keine inszenierte Geste für die Öffentlichkeit, sondern ein natürlicher Teil dessen, wer sie sind und mit welcher Organisation sie sich identifizieren. „Das ist eine gute Möglichkeit zu zeigen, dass der BJDM nicht nur aus Projekten und einem Büro besteht, sondern auch aus dem alltäglichen Leben und Leidenschaften“, sagt Paulina. Wie sie betont, sei das für sie ein normaler Teil des Alltags – dort, wo niemand damit rechne, gebe es auch Menschen vom BJDM, die ihre eigenen Interessen hätten und einfach ihr Leben leben. Michael sieht das ähnlich. „Es ist ein bisschen wie ein Teamtrikot. Es zeigt die Zugehörigkeit“, erklärt er. Entscheidend ist, dass sie während des Wettkampfs auf keinerlei negative Reaktionen gestoßen sind. Das BJDM-Logo war einfach eines von vielen Elementen der Sportveranstaltung.

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Triathlon hinterlässt, unabhängig vom Ergebnis, mehr als nur die Zeit im Ziel. Er lehrt Disziplin, Belastbarkeit und Konsequenz – Eigenschaften, die weit über den Sport hinausgehen. Für Paulina und Michael war es auch eine gemeinsame Gelegenheit, neue Erfahrungen zu sammeln, auch wenn jeder auf der Strecke individuell kämpfte. „Das war definitiv nicht mein letzter Triathlon“, sagt Michael lächelnd. Manchmal zeigen gerade solche kleinen Gesten am einfachsten, dass Identität nicht dort endet, wo der Alltag beginnt.

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