Trotz Protesten

Sudetendeutscher Tag in Brünn: Ein Zeichen der Versöhnung

28 Mai 2026, 12:20 Nachrichten , Politik

Erstmals fand der Sudetendeutsche Tag in Tschechien statt – begleitet von politischen Spannungen, aber auch von deutlichen Zeichen der Verständigung. Tausende Teilnehmer erinnerten in Brünn an Vertreibungen und die nationalsozialistischen Verbrechen und setzten damit ein Zeichen für Versöhnung und die gemeinsame deutsch-tschechische Zukunft.

Mit einer kontroversen Resolution hatte das tschechische Abgeordnetenhaus vor dem diesjährigen Sudetendeutschen Tag in Brünn für Schlagzeilen gesorgt. Das Treffen der Sudetendeutschen und das Festival „Meeting Brno“ standen dennoch im Zeichen der Versöhnung und der Völkerverständigung.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Bundesinnenminister Alexander Dobrindt nahmen am Sudetendeutschen Tag in Brünn teil. Im Bild: Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen und Außenminister Alexander Dobrindt.
Foto: Landesecho/Yannis Weber

Am Pfingstmontag ging das jährliche Treffen der Sudetendeutschen zu Ende, mit einem Gedenkakt am Kaunitz-Wohnheim, der ehemaligen Gestapo-Zentrale in Brünn. Bereits zur Eröffnung am Brünner Hauptbahnhof wurde der Opfer des Nationalsozialismus gedacht.

Versöhnung im Mittelpunkt

Der Sudetendeutsche Tag fand in diesem Jahr erstmals auf Einladung von „Meeting Brno“ in Tschechien statt. Die Bürgerinitiative organisiert jährlich ein Festival, das auf Dialog und Völkerverständigung ausgerichtet ist. Traditioneller Bestandteil ist der Versöhnungsmarsch von Pohrlitz (Pohořelice) nach Brünn. Er erinnert an den Brünner Todesmarsch, auf dem die deutschsprachige Bevölkerung Brünns 1945 in Richtung Österreich vertrieben wurde. In Pohrlitz befindet sich ein Massengrab von rund 890 Menschen, die den Marsch nicht überlebten.

Hochrangige politische Gäste

An der Gedenkveranstaltung in Pohrlitz nahmen unter anderem Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und die bayerische Sozialministerin Ulrike Scharf teil. Anschließend beteiligten sich laut Landesecho rund 2000 Menschen am Versöhnungsmarsch nach Brünn.

Teilnehmer des Versöhnungsmarsches ziehen von Pohrlitz nach Brünn – rund 2000 Menschen beteiligten sich an dem Gedenkweg.
Foto: Jakub_Šnajdr/Meeting Brno

Ulrike Scharf betonte die Bedeutung des Erinnerns: „Wir gedenken, wir erinnern, wir verschweigen nichts. Denn Erinnerung ist nicht rückwärtsgewandt, sie ist richtungsweisend.“ Zugleich hob sie den verbindenden Charakter des Marsches hervor: Gemeinsames Erinnern und Trauern schaffe Brücken an Orten, „wo früher Gräben waren“.

Der Versöhnungsmarsch wurde von Teilnehmern des Sudetendeutschen Tages bis zum Brünner Messegelände fortgesetzt. Dort fanden thematische Veranstaltungen sowie Kulturprogramme mit Tanz und Musik statt.

„Ein gewaltiger historischer Schritt“

Im Zentrum des Sonntags stand die Hauptkundgebung mit Reden des Sprechers der Sudetendeutschen, Bernd Posselt, und des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder.

Während einer Pressekonferenz gegenüber der bezeichnete Posselt die erstmalige Ausrichtung in Tschechien als „einen gewaltigen historischen Schritt, dass wir den 80. Jahrestag unserer Vertreibung in einer positiven Atmosphäre in unserer Wurzelheimat verbringen dürfen.“ In diesem Zusammenhang erwähnte er, dass der Großteil der Sudetendeutschen erst 1946 gezielt vertrieben wurde.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Bundesinnenminister Alexander Dobrindt nahmen am Sudetendeutschen Tag in Brünn teil. Im Bild: Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen und Ministerpräsident Markus Söder.
Foto: Landesecho/Yannis Weber

Markus Söder reiste nach seinem Besuch in Brünn weiter nach Prag zu einem Treffen mit dem tschechischen Präsidenten Petr Pavel. Auf der Plattform X sprach Söder von einem „wichtigen Tag für die Freundschaft, Völkerverständigung, Bayern und Tschechien“.

„Wir gedenken, wir erinnern, wir verschweigen nichts. Denn Erinnerung ist nicht rückwärtsgewandt, sie ist richtungsweisend.“
Ulrike Scharf, Bayerische Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales

Auch der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Bernd Fabritius nahm am Sudetendeutschen Tag teil und würdigte die Veranstaltung ebenfalls als historisch: „Mein besonderer Dank gilt dem Brünner Verein Meeting Brno, dessen Einladung diese historische Begegnung in der Tschechischen Republik ermöglicht hat.“

Im Rahmen der Hauptkundgebung wurde zudem der Europäische Karlspreis der Sudetendeutschen verliehen. Ausgezeichnet wurde der Schriftsteller und ehemalige Dissident Milan Uhde für seine Verdienste um die Aussöhnung zwischen Tschechen und Sudetendeutschen.

Proteste bleiben begrenzt

Bei mehreren Veranstaltungen kam es zu kleineren Protesten. Laut Landesecho nahm die Polizei in Pohrlitz die Personalien eines Mannes auf, der die Reden störte. Insgesamt blieb die Zahl der Gegendemonstranten mit rund 30 Personen jedoch gering. Im Vorfeld war allerdings das Mahnmal in Pohrlitz mit Hakenkreuzen beschmiert worden.

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Am Sonntag demonstrierten Gegner des Sudetendeutschen Tages auf dem Dominikanerplatz in Brünn. Nach Angaben von Radio Prague International beteiligten sich mehrere Tausend Menschen an den Protesten. Die Schätzungen lagen zwischen 2500 und 4000 Teilnehmern.

Trotz einzelner Proteste stand die Veranstaltung insgesamt im Zeichen von Dialog und deutsch-tschechischer Verständigung.
Foto: Landesecho/Yannis Weber

Bernd Posselt reagierte gelassen auf die Proteste. Gegenüber dem Nachrichtenportal Brněnská Jednička sagte er, Demonstrationen gehörten in einer Demokratie dazu, solange sie im gesetzlichen Rahmen blieben.

Perspektive für weitere Treffen in Tschechien

Weder die Resolution des tschechischen Parlaments noch die Proteste trübten die Stimmung der Veranstaltung nachhaltig. Lennard Halfmann, Redakteur des Landesechos, beschrieb die Atmosphäre als „größtenteils friedlich und aufgeschlossen“. Das Interesse der tschechischen Bevölkerung sei groß gewesen.

Nach Angaben der Veranstalter waren rund 1500 Gäste aus Deutschland angereist – hinzu kamen ebensoviele Besucher aus Tschechien.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Bundesinnenminister Alexander Dobrindt nahmen am Sudetendeutschen Tag in Brünn teil.
Foto: Landesecho/Yannis Weber

Die gemeinsame Veranstaltung von „Meeting Brno“ und dem Sudetendeutschen Tag könnte damit ein weiterer Schritt der deutsch-tschechischen Versöhnung gewesen sein. Auch tschechische Oppositionspolitiker schlossen sich dem letzten Abschnitt des Versöhnungsmarsches an. Dies und die positiven Signale von Präsident Petr Pavel zeigen erneut, dass die ablehnende Haltung des tschechischen Parlaments innerhalb der tschechischen Politik durchaus umstritten ist.

Wie das Landesecho berichtet, schlug Bernd Posselt bei der Abschlussveranstaltung im Kaunitz-Studentenwohnheim vor, den Sudetendeutschen Tag künftig abwechselnd in Bayern und Tschechien auszurichten. Mehrere tschechische Städte hätten bereits Interesse signalisiert. Im kommenden Jahr soll der Sudetendeutsche Tag in Nürnberg stattfinden.

Das Festival „Meeting Brno“ läuft noch bis zum 31. Mai. Auf dem Programm stehen unter anderem Führungen zur Geschichte der Roma in Brünn sowie Diskussionen über die Beneš-Dekrete.

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