Echte Schlesische Happen

Mai in Rübezahls Reich

9 Mai 2026, 05:00 Geschichte

Schlesien bleibt seit Jahrhunderten ein beliebtes Reiseziel, und einen besonderen Reiz übten seit jeher Ausflüge in die Berge aus – attraktiv zu jeder Jahreszeit, doch gerade im Frühling begann die eigentliche Hochsaison. Zahlreiche Wanderwege und die sorgfältig gestaltete Markierung der Routen durch touristische Vereine förderten das wachsende Interesse an aktiver Erholung. Zur Infrastruktur gehörten auch die nach und nach entstehenden Bauden und Gasthöfe, in denen Wanderer einkehren, essen und übernachten konnten.

Die Bauden im Riesengebirge sind bis heute einzigartig. Ursprünglich dienten sie Holzfällern und Hirten als einfache Unterkünfte, errichtet aus Holz und vor Ort verfügbaren Steinen – als Schutz vor Unwetter und der Nacht im Gebirge. Auch Bauern nutzten diese Häuser, bevor sie sich im Laufe der Zeit zu Herbergen für Wanderer wandelten. Die Einnahmen aus Verpflegung und Unterkunft wurden zu einer wichtigen Einkommensquelle für die Besitzer. Aufgrund der abgelegenen Lage und fehlender Konkurrenz waren die Preise entsprechend kalkuliert – im Gegensatz zu den Tälern, wo Reisende eine größere Auswahl hatten.

Neue Schlesische Baude von der Nordseite. Im Vordergrund sieht man eine Gruppe von Wanderern. 1930er–1940er Jahre.
Foto: Rübezahl-Verlag, Krummhübel/ Digitales Museum MNWR

Wege, die ins Riesengebirge führen

Zu den ältesten Hochgebirgsbauden zählte die hölzerne Anlage auf der Grenzwiese (heute Hala Szrenicka), die 1937 ihr 150-jähriges Bestehen feierte, wie die „Kattowitzer Zeitung“ berichtete. Die Neue Schlesische Baude wurde 1787 von den Geschwistern Hallmann gegründet. Die jüngste Tochter Johanna Juliane Karoline, geb. Hallmann, und ihr Ehemann Johann Paul Adolph legten den Grundstein für einen Familienbetrieb, der bis 1945 über mehrere Generationen weitergeführt wurde. Die Familie Adolph war zudem eng mit dem Wintersport verbunden – insbesondere mit Skilanglauf, Skispringen und alpinem Skisport – und trug zur Verbreitung des schlesischen Skisports über die Grenzen hinaus bei. Bereits im Winter 1889/90 begannen die Brüder Adolph, spätere Eigentümer von Bauden an der Grenzwiese und am Zackelfall, mit dem Skilauf und weckten damit das Interesse anderer Baudenwirte. Skier erleichterten zudem die Kommunikation im winterlichen Gelände erheblich.

Seit Jahrhunderten zieht es Reisende im Frühling ins Riesengebirge – in das sagenumwobene Reich Rübezahls.

Die Neue Schlesische Baude wurde mehrfach umgebaut und erweitert. Zunächst entstand neben der ursprünglichen Hütte ein Sommerhaus für Gäste, 1895 erfolgte ein umfassender Umbau nach dem Vorbild der Petersbaude (heute Petrova bouda auf tschechischer Seite). Das Gebäude bot zunächst 22 komfortable Zimmer, später – laut einer Anzeige von 1908 – bereits 35. Eine große Gaststube mit Garten für rund 100 Personen sowie eine ausgezeichnete Küche standen den Gästen zur Verfügung.

Anzeige des Restaurants an der Zackelfallbaude, „Schlesische Heimatblätter“, 1908.
Quelle: Schlesische Digitale Bibliothek

Wo der Wanderweg endet, beginnt die Küche

Kulinarisch dominierten in den Riesengebirgsbauden einst einfache, kräftige und kalorienreiche Gerichte der Hausmannskost. Ziel war es, Wanderer, Holzfäller und Reisende nachhaltig zu stärken. Serviert wurden Eintöpfe, Gulasch, Fleischgerichte und Klöße. Dazu trank man Kräutertee, Kaffee, Milch oder regionales Bier. Die Speisen sollten sättigen und Energie liefern – angepasst an das raue Klima des Riesengebirges.

In Anlehnung an diese Tradition empfehle ich eine gehaltvolle Suppe mit Fleischeinlage und grünen Dinkelkörnern. Das folgende Rezept ist inspiriert von einem praktischen Kochbuch der Autorin Eugenia Tafel, erschienen 1899 im Verlag von Brieger in Schweidnitz.

Das Gemälde von Bormann aus dem Jahr 1840 war früher im Schlossmuseum in Breslau zu sehen. Der Maler zeigt das lebhafte, von regem Treiben erfüllte Innere der Neuen Schlesi-schen Baude, die von zahlreichen Wanderern besucht wurde. Die hölzerne Stube mit ihrer niedrigen Decke ist voller Gäste, Bedienung und Musikanten. Außerdem sind Bergführer in Uniformen zu erkennen.
Quelle: Hirschberger Digitale Bibliothek

Grünkornsuppe

Zutaten

100 g Grünkorn
1 Liter Brühe
1 Zwiebel
1 Karotte
1 Kartoffel
1 EL Butter oder Öl
gebratenes Putenfleisch
Salz, Pfeffer
(optional) Petersilie

Zubereitung

Das Grünkorn am Vorabend einweichen und am nächsten Tag mit wenig Wasser und Butter ganz weich kochen, mindestens 1 ½ Stunden.

Das Grünkorn mixen, die Brühe allmählich zugießen und das geschnittene Gemüse hinzufügen, weitere 15 Min. kochen. Anschließend mit Salz und Pfeffer abschmecken. Gebratenes Fleisch dazugeben und kurz aufkochen.

Tipps:
Zu dick? → Mehr Brühe dazugeben.
Lust auf Cremesuppe? → Mixen.
Einfach und lecker!

Ruhige Rast auf dem Wanderweg und eine einfache warme Mahlzeit: Suppe mit grünem Dinkel. Inmitten der Natur des Riesengebirges schmeckt alles hervorragend.
Foto: Małgorzata Janik

Sowohl die Neue Schlesische Baude (Szrenica) als auch die Zackelfallbaude (Kamieńczyk) wurden nach 1945 durch Brände zerstört, doch an ihrer Stelle entstanden neue Gebäude. Man kann dort übernachten und das gastronomische Angebot nutzen. Als Spezialität der heutigen Szrenica-Baude gelten Pfannkuchen mit Quark, Heidelbeeren und Sahne. Auch die cremige Linsensuppe klingt ausgesprochen verlockend. Die Kamieńczyk-Baude wiederum lockt in der Sommersaison mit Piroggen, gefüllt mit Heidelbeeren – und sie schmecken tatsächlich hervorragend.

Neben der Kamieńczyk-Baude befindet sich außerdem die urige Grillhütte „Szałas Sielanka“ mit Feuerstelle und Bar. Am offenen Feuer kann man Würstchen, Blutwurst oder Schaschlik selbst grillen; alles ist direkt in der Hütte erhältlich.

Małgorzata Janik


Hopfen und Malz, Gott erhalt’s!

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