Neben dem Oppelner Hauptbahnhof steht der Sitz der ehemaligen Oberpostdirektion. Schon seit 1853 sorgen hier Postbeamte dafür, dass postalische Geburtstagswünsche, Pakete und Urlaubsgrüße ihre Adressaten erreichen.
Eine lange Tradition
Oppeln war als Fürstensitz schon im Mittelalter Ziel und Ausgangspunkt von Briefen aller Art. Eine permanente Poststation ist erstmals in einem Stadtplan von 1734 dokumentiert. Diese befand sich in der nordwestlichen Ecke des Altstadtrings (heute Rynek 11). Wann dieser Vorgänger des Postamtes seine reguläre Arbeit aufnahm, ist nicht überliefert. Gesichert ist hingegen, dass das Postwesen im 18. Jahrhundert mit berittenen Boten und Postkutschen arbeitete.
Ein wichtiger Impuls für die Stadtentwicklung Oppelns war die Verlegung des Sitzes des Regierungsbezirkes im Jahr 1816. Dadurch wuchs nicht nur die amtliche Korrespondenz, sondern auch die Bevölkerung von ca. 4.000 Einwohnern im Jahr 1818 auf 11.300 (im Jahr 1867) und fast 34.000 Einwohner im Jahr 1910. Mit der Anbindung an die Oberschlesische Eisenbahn von Breslau nach Myslowitz 1847 wuchs auch die wirtschaftliche Bedeutung Oppelns.
Eine neue Post
Die neue Post sollte nicht nur der Stadt dienen, sondern als Oberpostdirektion eine regionale Funktion erfüllen. Entsprechend entschied man sich für einen Bauplatz am damaligen Stadtrand neben der Bahntrasse. Dieser zu damaliger Zeit kaum bebaute Standort bot den Vorteil, die Eisenbahn auch für das Postwesen zu nutzen. Denn die Eisenbahn wurde zunehmend auch von der Post als schnelle und günstige Alternative zu den Postkutschen entdeckt. Schon 1847 wurde in Preußen deshalb eine ermäßigte Gebühr für per Bahn transportierte Pakete eingeführt.
Ein wichtiger Blickfang vor dem neuen Postgebäude war das Denkmal für die im 1. Weltkrieg gefallenen Postbeamten.
Den Entwurf für den Postneubau lieferte der Architekt und Baudirektor Albrecht, der auch für die spätere Umgestaltung des Oppelner Rathausturms bekannt ist. Das neue Postgebäude repräsentiert den Stil des Klassizismus und wirkt durch seine symmetrische Fassade, klare Linien, horizontale Gesimse und Pilaster.
Die neue Oberpostdirektion sollte sich jedoch bald als zu klein erweisen. Dies lag nicht nur an der wachsenden Wirtschaft und Bevölkerung, sondern auch an technologischen Entwicklungen. Die wachsende Bedeutung der Telegrafie und das Aufkommen des Telefons erweiterten die Aufgaben der Oberpostdirektion. 1891 erweiterten Breslauer Architekten sie mit Seitenflügeln, einem prunkvollen Portal und einem runden Treppenhaus mit Kuppel für Telefonleitungen.
Eine weitere bauliche Ergänzung fand 1911 gegenüber des Haupteingangs statt, als ein Bismarckdenkmal eingeweiht wurde.
In den 1920er Jahren arbeiteten in der Oberpostdirektion Oppeln 239 Postbeamte. Ihnen unterstanden 82 Postämter, 6 Zweigpostämter, 216 Postagenturen, 329 Post- und 58 Telegrafenhilfsstellen, 2 Telegrafenämter und 1 Telegrafenbauamt, was von der nicht geringen Bedeutung der Behörde zeugt.
Weiterer Ausbau
Der wachsende Bedarf an neuen Büroflächen führte zum letzten Ausbau, der 1930 fertiggestellt wurde. Durch den separaten Neubau hinter dem alten Postgebäude entstand ein Innenhof. Charakteristisch für den zeitgemäßen Zweckbau war der Torbogen, der das alte mit dem neuen Postgebäude verband und den die Einheimischen „Rialtobrücke“ nannten. Im Rahmen der Baumaßnahmen wurde auch die Schalterhalle modernisiert.

Weltkriegsdenkmal an der Oberpostdirektion.
Foto: Martin Wycisk
Ein wichtiger Blickfang vor dem neuen Postgebäude war das Denkmal für die im 1. Weltkrieg gefallenen Postbeamten. So berichtete „Oberschlesien im Bild“ 1930 (Nr. 44) über die Einweihung: „Das Denkmal aus Sandstein trägt auf hohem Sockel einen fackelschwingenden Reiter auf bäumendem Roß und auf der Stirnseite eine Namenstafel aus Erz, gegossen in der Staatlichen Hütte Gleiwitz.“ Einziger Kritikpunkt des Magazins war, dass für das Denkmal der Berliner Bildhauer Klupsch verantwortlich war und nicht ein oberschlesischer Künstler.
Von der Post zur Poczta
Die Oberpostdirektion hat das Jahr 1945 relativ unbeschadet überstanden und dient bis heute als Oppelner Hauptpost. Was sich dagegen über die Jahre stets verändert hat, war der davorliegende Platz. 1945 wurde das Bismarckdenkmal entfernt, wobei die Denkmalbalustrade erhalten blieb. Lange ungenutzt informiert seit einigen Jahren eine Informationstafel über die aktuelle Namenspatronin des Platzes (die Rocksängerin Kora). Die verschollene Bismarcksäule fand sich 2021 bei Bauarbeiten in der Nähe des Ostbahnhofs wieder. Unbeschadet überstand dagegen das Weltkriegsdenkmal bis heute. Der berittene Fackelträger mag dabei davon profitiert haben, dass ihm eindeutig militaristische Symbole wie Stahlhelm, Waffen oder Eiserne Kreuze fehlten.
Und die alte Poststation am Ring? Diese diente in der Kaiserzeit noch als Hotel, bis es 1898 abgerissen und durch einen eklektizistischen Neubau ersetzt wurde. Dieser wurde wiederum bei der Belagerung 1945 zerstört. Nach dem Zweiten Weltkrieg entschieden die neuen Behörden den Wiederaufbau des alten Posthauses im Zustand von vor dem Abriss.
Martin Wycisk