Im Urban Lab Oppeln
Im Urban Lab in Oppeln trafen sich Vertreterinnen und Vertreter der internationalen Jugendarbeit zum Start des Erasmus+-Projekts „Minority Networkshop“. Im Mittelpunkt standen der Austausch über bewährte Ansätze, Herausforderungen und neue Formen grenzüberschreitender Zusammenarbeit. Das Projekt soll in den kommenden Monaten in mehreren europäischen Ländern fortgesetzt werden.
Über dem Busbahnhof in Oppeln befindet sich ein Ort, der manchem Reisenden die Wartezeit verkürzen kann: das Urban Lab. Die von der Stadt initiierte Plattform für Begegnung und Innovation richtet sich vor allem an junge Menschen. Während im Erdgeschoss Busse ankommen und Fahrgäste ein- und aussteigen oder auf ihre Abfahrt warten, bietet der erste Stock Raum zum Verweilen und Austausch. Am vergangenen Montag wurde dieses urbane Labor zur Drehscheibe für Diskussionen über Jugendarbeit auf europäischer Ebene.

Teilnehmende aus sieben europäischen Ländern brachten beim Youth Lab im Urban Lab Oppeln vielfältige Perspektiven ein.
Foto: Michał Grocholski
Vertreterinnen und Vertreter von Organisationen der internationalen Jugendarbeit kamen auf Einladung des Hauses der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit (HDPZ) zusammen, um Erfahrungen auszutauschen und neue Impulse zu setzen. Anlass war das „Youth Lab“, die erste öffentliche Veranstaltung des Erasmus+-Projekts „Minority Networkshop“.
„Wir wollten mit Expertinnen und Experten, Engagierten aus der Jugendarbeit sowie jungen Menschen in den Dialog treten und uns darüber austauschen, was in der Arbeit mit jungen Menschen über Grenzen hinweg gut funktioniert und wo es Herausforderungen gibt.“
Johannes Schmidt, ifa-Kulturmanager beim HDPZ
Ziel der Veranstaltung sei es gewesen, „mit Expertinnen und Experten, Engagierten aus der Jugendarbeit sowie jungen Menschen in den Dialog zu treten“, um Best Practices und Herausforderungen zu diskutieren, erklärt Johannes Schmidt. Der ifa-Kulturmanager organisierte das Treffen federführend auf Seiten des HDPZ.
Start des Erasmus+-Projekts „Minority Networkshop“
Wie viele europäische Projekte wird auch der „Minority Networkshop“ von Partnerorganisationen aus mehreren Ländern getragen. Neben dem HDPZ beteiligen sich der Deutsche Humanitäre Verein St. Gerhard aus Sombor (Serbien) sowie die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Jugendorganisationen in Rumänien (ADJ). Zudem war eine Delegation der deutschen Jugend Transkarpatien aus der Ukraine eingeladen. „Wir glauben, dass es interessant ist zu sehen, wie Jugendarbeit trotz der Ausnahmesituation im Land organisiert wird“, so Schmidt. Resilienz habe dabei eine wichtige Rolle gespielt – etwa die Frage, wie Jugendarbeit Menschen Stabilität und Sicherheit vermitteln könne, nicht nur in der Ukraine, sondern auch in Ländern wie Serbien mit angespannter gesellschaftlicher Lage.

Organisationen aus der Region Oppeln sowie aus Schlesien, Niederschlesien und verschiedenen Ländern Europas stellten ihre Arbeit vor und diskutierten anschließend in Panelrunden über Erfahrungen, Herausforderungen und Perspektiven der internationalen Jugendarbeit.
Foto: Michał Grocholski
Im Zentrum des Projekts steht die internationale Zusammenarbeit. Es geht nicht nur darum, die Arbeit der einzelnen Organisationen im internationalen Kontext zu professionalisieren, sondern auch darum, langfristige Kooperationen aufzubauen und gemeinsame Projekte zu entwickeln.
Zusätzliche Impulse erhielt das Youth Lab durch die parallel stattfindende ifa-Regionalwoche. Dadurch konnte der Teilnehmerkreis erweitert werden: Kulturmanagerinnen und Kulturmanager aus Tschechien und der Slowakei sowie Karoline Gil, Bereichsleiterin Integration und Medien beim ifa, und Margarete Walo, Koordinatorin des ifa-Entsendeprogramms, brachten ihre Expertise ein. Insgesamt waren Perspektiven aus sieben Ländern vertreten. „Beide Formate konnten voneinander profitieren“, betont Schmidt. „Denn internationale Jugendarbeit, gerade in Minderheitenkontexten, ist auch für das ifa von großer Bedeutung.““
Austausch über die Jugendarbeit der deutschen Minderheiten in Europa
Inhaltlich gliederte sich die Veranstaltung in mehrere Teile. Zunächst stellten sich Organisationen aus der Region vor, die im Bereich der internationalen Jugendarbeit tätig sind, gefolgt von einer Diskussion. Eingeladen waren unter anderem die Oppelner Organisation Europa Juvenis sowie Vertreter des Internationalen Jugendbegegnungszentrums Kreisau und des Clusters für Soziale Innovationen in Gleiwitz. So wurde ein breiter Überblick über Jugendinitiativen in Schlesien gegeben.
„Ich glaube, dass durch diese Veranstaltung beide Formate – das Erasmus+-Projekt und die ifa-Regionalwoche – voneinander profitieren konnten. Wir haben Synergien geschaffen, denn internationale Jugendarbeit, gerade in Minderheitenkontexten, ist auch für das ifa von großer Bedeutung.“
Johannes Schmidt, ifa-Kulturmanager beim HDPZ
Ein zweites Panel widmete sich der Jugendarbeit der deutschen Minderheiten in Polen, Rumänien, Serbien und der Ukraine. Hier stand insbesondere die internationale Perspektive der Jugendvertreter im Fokus. Ergänzt wurden die Diskussionsrunden durch ein Workshop-Format, in dem alle Anwesenden gemeinsam Ideen für die Zukunft der internationalen Jugendarbeit entwickelten.
Internationale Perspektiven und mögliche neue Kooperationen
Das Feedback der Teilnehmenden fiel durchweg positiv aus. Besonders geschätzt wurde die Möglichkeit, konkrete europäische Projekte aus Oppeln sowie aus Nieder- und Oberschlesien näher kennenzulernen. Diese hätten als Inspiration gedient und zahlreiche vertiefende Gespräche angestoßen. Wie Johannes Schmidt zusammenfasst, sei es „sehr gut angekommen, Projekte aus der Region genauer anzuschauen“. Zugleich habe er selbst neue Einblicke gewonnen: Einerseits in die Situation von Minderheiten in anderen europäischen Ländern, andererseits aber auch in die Vielfalt der Jugendarbeit in Schlesien, die nicht direkt im Minderheitenkontext stattfinde. Daraus seien „tolle Kontakte entstanden“, die künftig Kooperationen ermöglichen könnten – und die Perspektive eröffnen, Minderheitenjugendarbeit stärker mit breiter angelegter europäischer Jugendarbeit zu verbinden.

Auch Vertreterinnen und Vertreter des ifa beteiligten sich am Youth Lab im Urban Lab Oppeln und bereicherten die Diskussionen mit ihrer Expertise zur internationalen Jugendarbeit.
Foto: Michał Grocholski
Der im Youth Lab begonnene Austausch soll fortgesetzt werden. Die nächsten Projektschritte sind bereits geplant: Im Spätsommer ist eine Begegnung in Serbien vorgesehen, im kommenden Jahr folgen weitere Treffen in Rumänien und Polen. Dabei gehe es, so Johannes Schmidt, darum, „Kompetenzen für zivilgesellschaftliches Engagement sowie für internationale Zusammenarbeit zu stärken“ – mit einem besonderen Fokus auf inklusive und nachhaltige Ansätze.
Für einen Tag wurde das Urban Lab über dem Busbahnhof in Oppeln zu einem Labor für europäisch gedachte Jugendarbeit. Nun setzt das Projekt seine Reise in Serbien und Rumänien fort. Gleichzeitig bleibt das Urban Lab ein Ort lebendigen Austauschs: Im Rahmen der Europäischen Jugendwoche finden dort in dieser Woche zahlreiche Veranstaltungen statt – darunter Vorträge, Filmvorführungen sowie ein kostenloser psychologischer Beratungsdienst. Weitere Informationen sind auf Facebook verfügbar.
Mauro Oliveira

