Deutsche Minderheiten in Europa

20 April 2026, 12:00 Kultur 21

In unserer Reihe „Deutsche Minderheiten in Europa“ blicken wir über Grenzen hinaus und beleuchten, was die deutschen Minderheiten in ganz Europa bewegt.

Bundesbeauftragter in Argentinien

Das Spektrum der deutschen Minderheiten beschränkt sich nicht nur auf Mittel- und Osteuropa, sondern ist auf der ganzen Welt präsent. Damit muss auch der Bundesbeauftragte Bernd Fabritius über die Grenzen des Kontinents hinaus agieren. Unlängst reiste er sogar bis nach Buenos Aires. Konkretes Ziel der Reise war der Besuch bei der deutschsprachigen Gemeinschaft Argentiniens. Damit stand die argentinische Hauptstadt ganz im Zeichen des Dialogs. Bei seinem Aufenthalt traf der Regierungsbeauftragte unter anderem den Parlamentsabgeordneten Dario Schneider im Kongresspalast, um sich über die Historie der Wolgadeutschen zu informieren. Die Nachfahren dieser Gruppe bilden den größten Baustein der heutigen deutschsprachigen Bevölkerung. Zudem stand eine Visite bei der Deutschen Wohltätigkeitsgesellschaft auf dem Plan, deren ganzheitliches Pflege- und Betreuungskonzept den Gast aus Deutschland nachhaltig beeindruckte. Auch der Austausch mit politischen Stiftungen, Diplomaten wie Botschafter Dieter Lamlé sowie zahlreichen Traditionsverbänden der Banater Schwaben und Wolgadeutschen kam nicht zu kurz. Abgerundet wurde die Reise durch eine kulturelle Darbietung des Musikers German Sack.
Quelle: aussiedlerbeauftragter.de.

Foto: aussiedlerbeauftragter.de

Hoher Besuch in Ungarn und Slowenien

Eine der Gruppen, die sich in der Bundespolitik intensiv mit den deutschen Volksgruppen beschäftigt, ist die Arbeitsgruppe für Vertriebene und Aussiedler der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Unlängst machten sich die Aktivisten ein Bild über die Ungarn- und Sloweniendeutschen. In der slowenischen Hauptstadt Ljubljana erörterte die Delegation mit Vertretern der Konrad-Adenauer-Stiftung die verworrene politische Lage nach den dortigen Wahlen und suchte nach Lösungsansätzen zur Verbesserung des Minderheitenschutzes. Bei Gesprächen mit der christdemokratischen Partei Neues Slowenien (NSI) in der deutschen Botschaft signalisierten die lokalen Politiker Bereitschaft, im Falle einer Regierungsbeteiligung die rechtliche und kulturelle Stellung der Volksgruppe voranzubringen. Auch wissenschaftliche Institutionen wie das Institut für ethnische Studien wurden konsultiert. Die Unionspolitiker zogen ein gemischtes Fazit: Während die Situation in Ungarn durch eine enge bilaterale Kooperation bereits als beispielhaft gilt, müsse man mit Slowenien erst eine ähnlich vertrauensvolle Basis schaffen.
Quelle: stiftung-verbundenheit.de.

Vorsitzender der Arbeitsgruppe Klaus-Peter Willsch.
Foto: Jenny Paul/Wikimedia Commons.

Wandel der Auslandsdeutschen besprochen

Unter dem Titel „Kontinuität, Wandel, Zukunftsperspektiven“ wurde unlängst eine Konferenz in Bayern abgehalten. Kernthema war dabei die Entwicklung der deutschen Minderheiten in Mittel- und Osteuropa. Die Veranstaltung in Prien am Chiemsee brachte Fachleute aus verschiedenen Ländern zusammen. Es ging um die Vergangenheit, das Leben heute und die Zukunft dieser Gruppen. Das Treffen war der fünfte Teil einer Reihe, die 1999 in Ungarn startete. Besonders für Menschen in der Slowakei waren die Gespräche spannend, da die Themen auch für die dortigen Karpatendeutschen wichtig sind. Die Experten zeigten, dass viele Kulturvereine schon im 19. Jahrhundert entstanden, um die Gemeinschaft zu schützen. Auch die Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg prägt die Familien bis heute stark. Ein großes Problem ist das Alter der Mitglieder: Junge Leute fehlen oft in den klassischen Vereinen. Deshalb müssen sich die Gruppen anpassen. Heute geht es weniger um Politik, sondern mehr um Kultur und gemeinsame Treffen. Digitale Netze helfen dabei sehr, da sie Menschen über weite Strecken verbinden. Am Ende wurde klar: Die kleinen Gruppen müssen flexibel bleiben und voneinander lernen.
Quelle: karpatenblatt.sk.

Ausstellung in Troppau ein Riesenerfolg

Vom Februar bis Mitte April präsentierte die deutsche Minderheit in Troppau die Ausstellung „Keine Glocken läuten“. Diese bedeutende Sammlung von Artefakten zeigt die Geschichte der Vertreibung der Sudetendeutschen. Das Projekt im dortigen Haus der Künste erinnert daran, dass vor genau 80 Jahren rund drei Millionen Deutsche ihre Heimat in der damaligen Tschechoslowakei verlassen mussten. Geschaffen hat die Schau der bekannte tschechische Künstler Mark Ther. Er wollte damit zeigen, wie zwei Kulturen früher zusammengelebt und sich gegenseitig bereichert haben. Der Ausstellungsraum wurde dafür in einen schicken Kultursalon aus der Zeit um 1900 verwandelt. Zu sehen waren Werke von Malern aus der Region sowie vergessene Landschaftsbilder. Die meisten Stücke waren Leihgaben aus Museen in Freudenthal und Jägerndorf. Neben alten Gegenständen gab es moderne Videos und Kurzfilme. Auch der Ton spielte eine Rolle: Man hörte alte Dialekte und ein bekanntes Volkslied. Ein reges Interesse an der Ausstellung zeigte, dass dieses wichtige Thema immer noch weitgehend nicht im breiten Bewusstsein vorhanden ist und weiterer Aufarbeitung bedarf.
Quelle: landesecho.cz.

„Tolles Diktat“ mit tausenden Teilnehmern

Wie gewohnt war das russlanddeutsche Projekt „Tolles Diktat“ ein Magnet für Teilnehmer. An der diesjährigen Auflage nahmen über 36.000 Fans der deutschen Grammatik teil. Genauer gesagt machten 36.051 Menschen aus 30 Staaten und 80 Gebieten bei dem Schreibwettbewerb mit. Das zeigt, wie beliebt Deutsch und die Kultur der Russlanddeutschen sind. Die Aktion lief vom 16. bis 28. Februar 2026 und wurde von Vereinen der deutschen Gemeinschaft vor Jahren gestartet. Am 21. Februar feierte man passend dazu den Tag der Muttersprache. Das Projekt will die Freude am richtigen deutschen Schreiben wecken und die Geschichte der Deutschen in Russland bekannter machen. Wie genau lief es ab? An 928 Orten wurde mitgeschrieben, dort griffen 31.623 Personen zum Stift. Weitere 4.428 machten bequem im Internet mit. Am 16. Februar ging es in Moskau für Anfänger (A2) los. Am 20. Februar folgte das Internet-Diktat mit den Stufen A2, B1 und C1. Die Diktate handelten von bekannten Personen wie Nelly Wacker, Wladimir Dahl, Otto Schmidt, Gerold Belger und Matwei Maniser. Zum zweiten Mal gab es auch eine Kinder-Version (A1) mit einem Märchen.
Quelle: rusdeutsch.eu.

Ehrung für Dr. Paul Jürgen Porr

Der bedeutende Aktivist der Deutschen in Rumänien, Dr. Paul Jürgen Porr, kann seine Sammlung von Auszeichnungen jetzt noch erweitern. Ihm wurde der Titel Europäer des Jahres 2026 überreicht. Zwei Vereine aus der Region Banat vergeben diesen Preis seit kurzem einmal im Jahr an Menschen, die sich stark für ein friedliches und faires Miteinander in Europa einsetzen. Dr. Porr bekam das Lob pünktlich zu seinem 75. Geburtstag im Februar 2026. Auf der Urkunde wird er dafür gefeiert, dass er sich unermüdlich für Alt und Jung einsetzt und Brücken zwischen den Menschen baut. Der bekannte Mediziner wurde 1951 in Siebenbürgen geboren und leitete früher unter anderem eine Uniklinik. Neben seinem Beruf als Arzt schrieb er viele Fachbücher. Seit 1990 engagiert er sich im Demokratischen Forum der Deutschen in Rumänien und ist dort seit über zehn Jahren der Vorsitzende. Er sitzt zudem im Stadtrat von Hermannstadt und bekam schon wichtige Orden aus Deutschland und Rumänien. Auch den Menschen im Banater Bergland half er oft durch Vorträge und machte ihre lange Geschichte überall bekannt. Für ihn steht der europäische Gedanke mit Respekt und Vielfalt immer an erster Stelle.
Quelle: DFDR.

Dr. Paul Jürgen Porr erhält seine neueste Auszeichnung.
Foto: DFDR.

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