Patrik Valouch – der neue Kulturmanager des ifa in Allenstein

23 April 2026, 05:00 Kultur 20

Er folgte dem Rat von Goethe

„Wer den Dichter will verstehen, muss in Dichters Lande gehen“ – sagte Goethe einmal. Patrik Valouch (31), junger Literaturwissenschaftler von der Universität Salzburg, folgte dem Rat des deutschen Klassikers und wurde neuer Kulturmanager des Instituts für Auslandsbeziehungen in Stuttgart (ifa). Er folgt auf dieser Stelle Chantal Stannik, die bereits ihre Mission bei uns beendet hat.

Chantal Stannik beendete mit Ende 2025 ihre Funktion als Kulturmanagerin des ifa. Sie war bei uns seit Oktober 2023. In ihrer Arbeit konzentrierte sie sich auf die Jugend und bemühte sich, ihre gesellschaftliche Aktivität sowie ihr Interesse an der Region, ihrer Kultur und der deutschen Sprache zu wecken. Wir danken dir, Chantal, für deine Arbeit und die gemeinsame Zeit.

Jetzt übernahm Patrik Valouch die Stelle. Beworben hatten sich dafür sieben Personen. Wie lange wird Patrik bei uns sein?

Auf jeden Fall bis Ende August dieses Jahres. Danach habe ich nach den Prozeduren beim ifa die Möglichkeit, meinen Aufenthalt um ein Jahr zu verlängern oder die Stelle zu räumen. Ich denke, dass es mir bei euch gefallen wird und ich mindestens noch ein Jahr bleiben werde.

Wie kam es dazu, dass du dich entschlossen hast, als Kulturmanager des ifa in Ostpreußen zu arbeiten?

Ich habe keine Verbindungen zu eurer Region. Ich habe hier keine Familie oder Bekannten und bin erst gegen Ende August letzten Jahres hier gewesen. Obwohl ich damals zum ersten Mal hierhergekommen bin, war das für mich kein vollkommen unbekanntes Land. Ich interessiere mich für Literatur und wusste daher schon immer, dass Ostpreußen viele hervorragende deutsche Schriftsteller hervorgebracht hat, wie Siegfried Lenz, Hermann Sudermann, Arno Holz, Hans Hellmut Kirst, Richard Anders, der aus Ortelsburg stammte und einer der wichtigsten Schöpfer des deutschen Surrealismus war, oder Wolfgang Koeppen, der auch in Ortelsburg aufwuchs und lernte, obwohl er aus Greifswald stammte. Dank ihnen und ihren Werken kannte ich die Namen einiger Ortschaften, konnte sie jedoch nicht mit Bildern verbinden. Erst im letzten Jahr während meines Besuchs hier lernte ich Allenstein, Osterode oder Heilsberg ein wenig kennen, und diese Namen hörten auf, mir vollkommen fremd zu sein. Gleichzeitig gefiel mir die hiesige Landschaft sehr, und in meinem Kopf entstand die Idee, dass ich hier arbeiten könnte. Danach erfuhr ich von meiner Vorgängerin Chantal, dass ihre Stelle frei wird, und als die Ausschreibung erschien, beschloss ich, es zu versuchen. Offiziell bin ich seit März im Amt, aber es nahm den ganzen Monat in Anspruch, meine beruflichen Angelegenheiten an meiner vorherigen Arbeitsstelle zu regeln, also bin ich erst seit Anfang April hier auf dem Posten.

Patrik Valouch.
Foto: Lech Kryszałowicz

Welche Aufgaben hat dir das ifa gestellt?

Die deutsche Minderheit zu unterstützen und zu repräsentieren, sie untereinander sowie mit der polnischen Mehrheit und anderen hier lebenden nationalen Minderheiten zu integrieren. Ich soll der Jugend bei ihren Aktivitäten und Projekten helfen, ihr Interesse an der Region, ihrer Kultur und der deutschen Sprache zu steigern, aber auch ihre Medienkompetenz zu verbessern, damit sie im Netz erkennen kann, was falsch und was wahr ist, und weiß, wie sie sich gegen verschiedene ungünstige Erscheinungen im Netz verteidigen kann.

„Ich soll der Jugend in ihren Aktivitäten und Projekten helfen, ihr Interesse an der Region, ihrer Kultur und der deutschen Sprache zu steigern, aber auch ihre Medienkompetenz zu verbessern.”

Das ist im Leben immer nützlich. Neben der Medienkompetenz soll auch ein Bewusstsein für die demokratischen Werte des europäischen Zusammenhalts vermittelt werden, das Jugendliche dazu animiert, aktive Verantwortung für sich selbst und ihre Interessen zu übernehmen und von ihrem Mitsprache- und Mitgestaltungsrecht Gebrauch zu machen. Allgemein gesprochen werde ich die Aufgaben weiterführen, die meine Vorgängerin erfüllt hat.

Wie kann man mit dir Kontakt aufnehmen?

Mein Arbeitsplatz ist im Büro des Verbands der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren in Allenstein, in der ul. Kopernika 13/4. Am einfachsten schreibt man mir an meine E-Mail-Adresse: valouch@ifa.de

Sprechen wir jetzt über dich. Woher kommst du, welche Schule hast du abgeschlossen, was bist du von Beruf?

Ich stamme aus einer tschechischen Familie, die nach Österreich ausgewandert ist. Meine Muttersprache ist Tschechisch. Meine gesamte Ausbildung absolvierte ich in Österreich, wo ich in Salzburg die Universität abgeschlossen habe. Ich bin Absolvent der Slawistik mit Spezialisierung in Literaturwissenschaft. Meine vorherige Tätigkeit war ein Seminar für Studierende der Germanistik an der Universität in Salzburg und in Münster. Dieses habe ich zwei Jahre geleitet. Da ich Literaturwissenschaft studiert habe, wusste ich, wie viele deutsche Schriftsteller aus Ostpreußen stammen. Das war für mich faszinierend: dass diese Provinz am Rande Deutschlands so viele talentierte Menschen hervorgebracht hat.

Welche Sprachen sprichst du?

Natürlich Tschechisch und Deutsch sowie außerdem Englisch, Polnisch und Russisch. Polnisch lerne ich erst seit zwei Jahren, denn obwohl ich zuvor dank des Erasmus-Programms zwei Semester an der Jagiellonen-Universität in Krakau studiert habe, habe ich es damals nicht gelernt. Dafür habe ich Russisch mit einem Stipendium in Moskau an der dortigen Universität gelernt. Sie befindet sich in einem Gebäude, das genauso aussieht wie der Kulturpalast in Warschau.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Literatur lesen, Filme anschauen, spazieren gehen, Fahrrad fahren, schwimmen. Allgemein liebe ich Bewegung. Seit kurzem bin ich auch Mitglied des Chors der Allensteiner Gesellschaft Deutscher Minderheit.

Lech Kryszałowicz

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