Echte Schlesische Happen: Süßes Erbe aus Warmbrunn – Die Geschichte regionaler Spezialitäten

21 März 2026 Geschichte

Eine Reise zu den schlesischen Thermalquellen sollte stets ein gesellschaftlich-kulturelles Ereignis sein. Schließlich sind die Warmbrunner Quellen seit dem 12. Jahrhundert in Betrieb, und ihre heilende Wirkung wird seit Jahrhunderten unvermindert geschätzt. Jedes Jahr verbringen wir hier einige Tage und entdecken dabei immer wieder Orte, die an die reiche Geschichte dieses Kurortes erinnern. Ein großer Vorteil ist die gute Verkehrsanbindung – Bad Warmbrunn ist bequem mit dem Zug erreichbar.

Zu unseren festen Ritualen gehört die Trinkkur im historischen Kurhaus am Plac Piastowski (ehemals Kurhotel Quellenhof). Ebenso lohnt sich ein Besuch im stimmungsvollen Café Bohema, wo ausgezeichneter Kaffee und köstliche Eisdesserts serviert werden. Es gibt dort auch leckere Kuchen – kein Wunder, denn das Konditorhandwerk hat in Warmbrunn eine lange Tradition.

Warmbrunner Backwerk – Aufstieg einer Marke

Seit 1868 florierte die Warmbrunner Backwerk- und Bisquitfabrik des Bäckermeisters Eduard Arnold. Sein weit über Schlesiens Grenzen hinaus bekanntes Warmbrunner Backwerk wurde in der Konditorei in der Hermsdorfstraße 15 (heute Cieplicka 17) verkauft. Es handelte sich um feines Teegebäck und kleine Backwaren.

Besonders beliebt waren die Warmbrunner Badeoblaten – hauchdünne, knusprige Waffeln mit süßer Füllung. Sie zeichneten sich durch ihre runde Form und ein geprägtes Motiv mit Bezug zum Kurort aus und wurden sowohl lose als auch in dekorativen Verpackungen als Souvenir angeboten. In historischen Anzeigen finden sich zudem Wiener Waffeln und Wiener Dessertgebäck in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Die Fabrik stellte außerdem Eiswaffeln und Hohlhippen her.

Die Süßwarenfabrik von Eduard Arnold verfügte über rund 30 Verkaufsstellen in Deutschland sowie über eigene Produktausstellungen. Zu den Vertriebspartnern gehörten unter anderem die Geschäfte C.A.B. Schmidt Nachfolger in Dresden (Altmarkt 5 und Bismarckplatz 4). Eine andere Dresdner Firma, die Biscuit-Fabrik Schneider & Co., legte ihren Produkten kleine Werbemarken bei – diese sind heute noch auf Online-Auktionen zu finden. Die Marke Nr. 27 stellt Warmbrunner Backwerk dar, auf das vier farbenfrohe Figuren hinweisen – goldene Backwaren in Kringel-, Schnecken- und Brezelform.

Quelle: Polonia.pl

Konditoreien, Tradition und Erinnerung

Was das Warmbrunner Backwerk betrifft, so war vermutlich August Hubrich sein ältester Hersteller, der seine Tätigkeit bereits 1850 aufnahm. Seine Konditorei und sein Café befanden sich an der Zackenbrücke (heute Zjednoczenia Narodowego 1). Die berühmten Süßigkeiten konnten auch auf der überdachten Terrasse des modernen Kurpavillons genossen werden.

In der Voigtsdorferstraße 1 sowie auf der Promenade unter den Nummern 8/9 betrieb der Pfefferküchler Ewald Leuschner eine Konditorei und ein Café – ebenfalls im Besitz von August Hubrich. Hier wurde echtes Warmbrunner Gebäck in dekorativen Verpackungen zu 250 g und 500 g verkauft. Vor Ort konnte man zudem Honigkuchen, den „Kurortkuchen“, die Liegnitzer Bombe sowie eine weitere Spezialität probieren: Pfefferminzgebäck. Auch Torten auf Bestellung gehörten zum Angebot. Ein weiteres regionales Produkt war der Kräuterlikör Echt Stonsdorfer Bitter, der bis heute unter diesem Namen bekannt ist.

Die Zeiten ändern sich – und wir uns mit ihnen. Der süße Geschmack ist ein besonderer Träger von Erinnerungen, und so ist es kaum verwunderlich, dass lokale Spezialitäten im Gedächtnis bleiben.

Am Plac Zdrojowy 1 (ehemals Neumarkt 1) steht schließlich ein Gebäude, in dem zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Konditorei und das Café der Familie Liebig untergebracht waren. Auch hier konnte man echtes Warmbrunner Backwerk kosten. Historische Postkarten zeigen das Gebäude mit blumengeschmückten Fenstern, einer charmanten Terrasse im ersten Stock und einem Café im Erdgeschoss mit weit geöffneten Fenstern. Heute dient das Gebäude anderen Zwecken und hat sein Erscheinungsbild vollständig verändert.

Die Zeiten ändern sich – und wir uns mit ihnen. Der süße Geschmack ist ein besonderer Träger von Erinnerungen, und so ist es kaum verwunderlich, dass lokale Spezialitäten im Gedächtnis bleiben und mitunter selbst zur Marke werden – wie etwa der Krakauer Obwarzanek, die Posener Martinshörnchen oder die Thorn’schen Pfefferkuchen. Doch wer erinnert sich heute noch an Warmbrunner Gebäck? Vielleicht ist es an der Zeit, sich selbst zu überzeugen – und das Backwerk nach historischem Rezept nachzubacken, vielleicht sogar mit einer eigenen kreativen Note.

Foto: M. Janik

Und das Rezept ist denkbar einfach:
„200 g ausgewaschene Butter werden schaumig gerührt, worauf man 2 ganze Eier, 200 g Zucker und so viel Weizenmehl hinzufügt, dass man einen festen Teig kneten kann, aus dem man Kringel, Plätzchen und allerlei beliebige Figuren formt, die man mit Eigelb bestreicht und auf einem Blech sehr langsam goldgelb bäckt.“

Dieses Rezept wurde dem „Universal-Lexikon der Kochkunst“ (Band 2, L–Z, 1896) entnommen.

Małgorzata Janik

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