Nach drei Jahren Rückgang – endlich ein Anstieg
Nach drei Jahren Rückgang gibt es endlich wieder einen Anstieg der Zahl der Schüler, die Deutsch als Minderheitensprache an Schulen lernen. Das ist ein Grund zur Freude, aber…
In den Jahren 2022–2024 sank die Zahl der Schüler, die in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Deutsch als Minderheitensprache, also als unsere Muttersprache, lernten. Im Schuljahr 2025/26 wird Deutsch als Minderheitensprache wieder drei Mal pro Woche unterrichtet. In diesem Schuljahr lernen 2.126 Schüler an 41 Grundschulen Deutsch – 112 mehr als im Vorjahr. Der Anstieg beträgt 5,5 Prozent gegenüber dem vorangegangenen Schuljahr.
Nach einem Jahr verschwand Deutsch aus dem privaten Kindergarten in Guttstadt, kehrte aber nach einer kurzen Pause in die Schulen in Frankenau (Frąknowo), Freudenberg (Gemeinde Seeburg, muss überprüft werden) sowie in die Schule in Fischerberg (Gemeinde Sorquitten) zurück. Insgesamt steigt zwar die Zahl der Schüler, dies geschieht jedoch hauptsächlich in Schulen, in denen Deutsch bereits unterrichtet wurde oder wird.
Defizite in Kindergärten und weiterführenden Schulen
Besorgniserregend ist, dass Deutsch als Minderheitensprache in keinem Kindergarten und keiner weiterführenden Schule vertreten ist.
In den Grundschulen in Deutschendorf und Schlobitten (Kreis Braunsberg) lernen die Jugendlichen parallel zwei Minderheitensprachen – neben Deutsch auch Ukrainisch.

Nach drei Jahren Rückgang gibt es endlich wieder einen Anstieg der Zahl der Schüler, die Deutsch als Minderheitensprache an Schulen lernen.
Foto: Markus Spiske/Unsplash
Insgesamt besuchen 12.868 Kinder alle 41 Einrichtungen. Das bedeutet, dass über 16,5 Prozent der Schüler Deutsch als Minderheitensprache lernen. Das ist ein sehr gutes Ergebnis, wenn man bedenkt, dass die deutsche Minderheit in keiner Stadt, Region oder Umgebung einen Anteil von 16,5 Prozent ausmacht.
Die meisten Schüler und weiße Flecken auf der Landkarte
Von den insgesamt 41 Einrichtungen sind 24 öffentliche Schulen, die von Gemeinden oder der kreisfreien Stadt Allenstein betrieben werden, 12 werden von Vereinen und 5 von Privatpersonen geführt. Deutsch als Minderheitensprache wird in 16 ländlichen oder städtisch-ländlichen Gemeinden und in 7 Landkreisen unterrichtet, darunter zwei kreisfreie Städte (Allenstein und Elbing).
Die meisten Kinder lernen Deutsch im Landkreis Allenstein, was verständlich ist, da es nach der Stadt Allenstein der bevölkerungsreichste Landkreis ist. Es sind vor allem die Einwohner des Landkreises Allenstein, die zu dieser hohen Zahl beitragen. In der Gemeinde Wartenburg wird Deutsch in 4 von 8 Schulen unterrichtet.
Große Anerkennung gebührt den Eltern und Schulleitern in Bredinken, Wieps, Chosczewen, Groß Lemkendorf, Guttstadt und Kronau. Dort lernen fast alle Kinder Deutsch als Minderheitensprache. Der positive Einfluss des Umfelds fördert das Lernen sehr.
Die überwiegende Mehrheit der Schulen befindet sich nach wie vor in kleinen Dörfern. Leider gibt es auf der Landkarte des Deutschunterrichts noch viele weiße Flecken, z. B. in Osterode, Treuburg, Hohenstein, Lötzen, Goldap, Johannisburg, Mohrungen, Lyck, Bartenstein, Heilsberg, Ortelsburg und Eylau. Dort lernen unsere Kinder weiterhin kein Deutsch als Muttersprache.

Nach drei Jahren Rückgang gibt es endlich wieder einen Anstieg der Zahl der Schüler, die Deutsch als Minderheitensprache an Schulen lernen.
Foto: Nathan Cima/Unsplash
Wir können uns zwar über den Anstieg der Schülerzahlen freuen, aber beunruhigend ist das Verschwinden des Deutschunterrichts in den Kindergärten. Aus diesem Grund ist der Sprachanfang unserer Kinder stark verzögert. Es gibt keine weiterführende Schule mehr, die diese Unterrichtsform anbietet, was bedeutet, dass die Kinder keine Möglichkeit haben, ihre Sprachkenntnisse weiterzuentwickeln.
Das Erlernen der Minderheitensprache in der Schule ist ein Recht aller Minderheiten in Polen, das gesetzlich garantiert ist, und das Unterrichten dieser Sprache durch die Eltern ist ihre Pflicht – genauso wichtig wie Ernährung oder Kleidung, denn Deutsch wird den Kindern sicherlich helfen, im Erwachsenenleben besser zurechtzukommen.
Lech Kryszałowicz
Historischer Hintergrund
Der Unterricht in Deutsch als Muttersprache begann in unserer Region im Jahr 2005 in drei Schulen: in Alle (Olsztynek), Skottau (muss überprüft werden) und Neidenburg (Nidzica). Damals lernten etwas mehr als 100 Kinder diese Sprache. Initiator war der inzwischen verstorbene Albert Wylengowski, der damalige Vorsitzende des Vereins der deutschen Minderheit in Neidenburg.
Schulen mit dem höchsten Anteil an Schülern, die Deutsch als Minderheitensprache lernen
| Schule | Anteil (%) |
| Grundschule in Bredinken | 100 |
| Grundschule in Chosczewen | 97,5 |
| Grundschule in Groß Lemkendorf / Grundschule in Guttstadt | 97,1 |
| Grundschule in Kronau | 93,7 |
| Nichtöffentliche Grundschule Augustyna Wiewiorra in Wieps | 93,5 |