Wort zum Sonntag vom Evangelischem Bischof Wojciech Pracki

1 März 2026 Kirche

Lesungen: Johannesevangelium 3,14–21; Jesajabuch 5,1–7
Predigttext: Römerbrief 5,1–5

Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus. Durch ihn haben wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung auf die Herrlichkeit, die Gott geben wird. (Römerbrief 5,1–2)

Gerechtigkeit, Glaube, Frieden, Gnade, Hoffnung…

…das sind die fünf Schlüsselworte, die wir im komplizierten Paulustext finden. Diese versuche ich Ihnen heute etwas näher zu bringen.

Gerechtigkeit – Fühlen wir uns vor Gott „ok“? Ist in unserem Verhältnis zu Gott alles in bester Ordnung? Herzlich gratulieren kann ich allen Menschen, die sich selbst so empfinden: Alles in bester Ordnung, keine Sünden und keine Schuldgefühle! Sind wir wirklich so? Ich selbst gehöre nicht zu dieser Gruppe. Leider… Manchmal bin ich zu faul, um meinen Verpflichtungen nachzukommen. Manchmal rede ich ein paar Worte zu viel und mache Menschen dadurch traurig. Ich könnte noch viele andere Beispiele nennen, aber ich möchte nicht unbedingt vor Ihnen beichten.

An der eigenen Gerechtigkeit mangelt es bei mir. Aber zum Glück gibt es die Gerechtigkeit Jesu Christi. Sie ist nicht meine, trotzdem umarmt sie mich als einen Sünder und lässt mich spüren: „Es ist dir vergeben!“ Ja, die Gerechtigkeit Jesu Christi übernimmt die Verantwortung für unseren Widerstand und unsere Dummheit.

Glaube – Wie geschieht das? Der Glaube an den vergebenden Jesus ist uns durch die Taufe und christliche Erziehung von Eltern und Paten geschenkt worden. Ein reifer Glaube gibt uns christliches Selbstbewusstsein. Dabei merken wir den Unterschied zwischen zwei Wirklichkeiten:

  1. Die eine ist, wie wir sein wollen vor Jesus Christus. Es ist die ideale Vorstellung eines Menschen, der Gott, den Nächsten und sich selbst liebt – der das Minimum in Form des Befolgens der Zehn Gebote verwirklicht.
  2. Die zweite Wirklichkeit sehen wir im Spiegel. Wir schaffen es nicht, so zu sein, wie wir im Blick auf das Evangelium sein wollen. Dem werden wir aus eigenen Kräften nicht gerecht. Zu viel Begierde und Verlockung herrscht im Herz und Verstand. Der Glaube gibt uns eine reale Einsicht in uns selbst: Ohne Christus und seine Gnade können wir nichts schaffen.

Frieden – Ich liebe es, Frieden im Herzen zu haben. Es gelingt mir jedoch nicht immer. Richtigen Frieden erfahre ich erst, wenn ich mich von der Gnade durch den Glauben umarmt fühle. Christus ist derjenige, der den inneren Frieden nur geben kann. Deshalb beten wir oft um Frieden – nicht nur in der Welt, damit es keine Kriege und Konflikte mehr gibt, sondern vor allem um den Frieden in uns selbst, damit wir von inneren Konflikten und Kriegen nicht zerstört werden.

 

Gnade – Ich habe in diesem Text ein paar Mal das Wort „Umarmen/Umarmung“ erwähnt. Lesen Sie bitte den Text noch einmal und ersetzen Sie diese Worte durch den Begriff „Gnade“. Gnade ist Gottes Umarmung des sündigen Menschen. Gnade ist nichts anderes als Gottes Wohlwollen und Liebe dem Menschen gegenüber.

 

Hoffnung – „Sie stirbt zuletzt“, sagt man in Polen. Mit dem Glauben an Gott sind immer Hoffnung und Liebe verbunden. Hoffen bedeutet nicht nur, sich etwas zu wünschen. Es geht viel tiefer. Hoffnung und Glaube bedeuten Sicherheit, dass Gott seine Versprechen hält. Es ist eine tiefe Zuwendung zu Gott. Es bedeutet, den eigenen Stolz und Hochmut aufzugeben und sich Gott anzuvertrauen.

Mit dieser Erklärung lesen Sie bitte noch einmal den oben zitierten Paulustext. Ich hoffe und glaube, dass Sie ihn jetzt auch intensiver verstehen werden.

Amen.

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