Die ZSP in Goslawitz möchte ihren Schülerinnen und Schülern künftig einen international anerkannten Nachweis deutscher Sprachkenntnisse ermöglichen. Im Rahmen des Bewerbungsverfahrens für das Deutsche Sprachdiplom (DSD ), Stufe I sammelten Melanie Wrede, Fachberaterin für Deutsch der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA), sowie Konsulin Kerstin Nielsen vom Deutschen Generalkonsulat in Breslau vor Ort Eindrücke.
Die Schule (Zespół Szkolno-Przedszkolny w Gosławicach) setzt dabei auf ein immersives, reformpädagogisches Lernkonzept, das Sprache und Alltag eng verbindet. Bereits bei einem Schulrundgang wird dieses Konzept sichtbar. An der offenen Klassenzimmertür hängen bunte Zettel: „Bei uns …“ steht auf dem obersten, darunter: „… ist Spielzeug für alle da.“ Ein weiterer ergänzt: „… sind Erfolge für alle da.“

Die Tanz- und Musikgruppe „Gosłowiki“ begrüßte die Delegation in traditioneller Tracht mit einer Aufführung in der Aula.
Foto: M. Oliveira
In einem anderen Klassenraum knistert und knackt es. Eine Gruppe älterer Schülerinnen und Schüler hat sich um mehrere Experimente versammelt. Auf einer glänzenden Metallkugel blitzt es, ein kurbelbetriebenes Gerät erzeugt Funken zwischen einem hufeisenförmigen Metallbogen. Jeder Funke löst ein kleines Knallen aus. Den Jugendlichen, die daran arbeiten, stehen die Haare leicht zu Berge. „Man muss es spüren“, sagt Marta, „dann merkt man sich die Dinge besser.“
Ein Einblick in den Schulalltag
Zur Delegation gehören Melanie Wrede, Fachberaterin für Deutsch der ZfA, sowie Konsulin Kerstin Nielsen vom Deutschen Generalkonsulat in Breslau. Wrede ist als Fachberaterin für das DSD-Programm in der Region zuständig und unterstützt Schulen, die sich um eine Zertifizierung im DSD-Programm bewerben.

Melanie Wrede von der ZfA und Konsulin Kerstin Nielsen verschafften sich bei ihrem Besuch einen Einblick in das Schulkonzept und den Unterricht an der ZSP in Goslawitz.
Foto: M. Oliveira
Begleitet wird die Gruppe von Schulleiterin Martina Osuchowski, die die Führung durch das Schulgebäude jedoch ihren Schülerinnen überlässt.
Diese Aufgabe übernehmen Marta und Marta, die die Gäste souverän durch das Gebäude führen. Bereits zuvor hatten sie in einer Präsentation die zentralen Elemente des Schulkonzepts vorgestellt. Als Mitglieder der Tanz- und Gesangsgruppe „Gosłowiki“ tragen sie noch ihre Tracht mit Blumenmotiven – die gesamte Gruppe hatte die Delegation in der Aula mit einer Aufführung begrüßt.
„Die erste Hürde ist genommen: Die Schule hat den Kandidatenstatus.“
Melanie Wrede, Fachberaterin für Deutsch der ZfA
Die Schule arbeitet nach dem Montessori-Prinzip und verbindet dieses mit einem ausgeprägten Sprach- und Kulturprofil. Neben frühem Deutschunterricht prägen traditionelle Feste, projektbasiertes Lernen und internationale Austauschprogramme den Schulalltag.
Der Weg zum Deutschen Sprachdiplom
Das Deutsche Sprachdiplom wird von der Kultusministerkonferenz der Länder vergeben und von der ZfA entwickelt und durchgeführt. Schulen müssen dafür bestimmte Voraussetzungen erfüllen, darunter regelmäßigen Deutschunterricht sowie nachgewiesene Lernerfolge der Schülerinnen und Schüler.

Lernen zum Anfassen: An der ZSP in Goslawitz erlebten die Schülerinnen und Schüler mit Experimenten zur Elektrizität naturwissenschaftliche Zusammenhänge unmittelbar.
Foto: M. Oliveira
„Die erste Hürde ist genommen: Die Schule hat den Kandidatenstatus und damit die Berechtigung, einen Antrag zu stellen, um die DSD I-Prüfung durchführen zu dürfen zu stellen“, erklärt Wrede.
Ein DSD I entspricht dem Niveau B1 des Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GeR) und ermöglicht unter anderem den Zugang zu einem Studienkolleg in Deutschland. Das DSD II, das dem Niveau B2/C1 entspricht, gilt als Nachweis der für ein Studium an deutschen Hochschulen erforderlichen Deutschkenntnisse. Da die Schule in Gosławitz nur bis zur achten Klasse führt, steht diese zweite Stufe derzeit nicht im Fokus.
Die Voraussetzungen für die Zertifizierung sind klar definiert: Die Schule muss vier Wochenstunden Deutschunterricht anbieten. Zudem müssen sich jährlich mindestens zwölf Schülerinnen und Schüler zur DSD-Prüfung anmelden. Von diesen sollen 55 bis 65 Prozent die Prüfung bestehen.
Einschätzung der Fachberatung
Gemeinsam mit vier Kollegen betreut Wrede insgesamt 54 DSD-Schulen im Süden Polens – von Przemysl über Krakau bis Zgorzelec.
Für Gosławitz sieht sie gute Voraussetzungen: „Das ist hier überhaupt kein Problem, da bereits im Kindergarten mit der deutschen Sprache begonnen wird und die frühe Sprachbildung sehr stark ausgeprägt ist.“ Auch von den Deutschkenntnissen der Schülerinnen und Schüler hat die Fachberaterin einen positiven Eindruck gewonnen. „Wir haben an der tollen Schulführung teilgenommen. Die zwei Mädchen, Marta und Marta, waren dabei ganz souverän, gesprächsbereit und konnten problemlos Rede und Antwort stehen“, sagt sie.

Melanie Wrede von der ZfA und Konsulin Kerstin Nielsen verschafften sich bei ihrem Besuch einen Einblick in das Schulkonzept und den Unterricht an der ZSP in Goslawitz.
Foto: M. Oliveira
Gleichzeitig betont sie, dass das Programm noch nicht überall bekannt ist: „Viele Schulen wissen noch gar nicht, dass es das DSD-Programm gibt und dass es kostenlos ist.“ Sie lädt interessierte Schulen ein, sie unverbindlich zu kontaktieren (breslau@auslandsschulwesen.de). Die DSD-Schulen werden von der ZfA durch Lehr- und Lernmaterialien sowie – nach Möglichkeit – durch den Einsatz von aus Deutschland vermittelten Lehrkräften unterstützt. Dazu kommen verschiedene Schulungen und Fortbildungsangebote für die Lehrkräfte der Schulen.
Lernen im Alltag
Zum Abschluss des Besuchs führt der Weg in den Schulgarten. Dort spielen die jüngsten Kinder, die gemeinsam mit ihren Vätern zum Vatertag kleine Hütten aus Ästen und Laub gebaut haben. Die Kindergartenkinder rennen zwischen den Hütten hin und her, verstecken sich mal in der einen, mal in der anderen. Die unter einem Dach bereitgestellten Lernmaterialien können ihr Interesse heute nicht wecken.
Eine Erzieherin beobachtet das lebhafte Treiben mit einem Schmunzeln: „Das ist jetzt natürlich toll für sie. Ich befürchte, dass sie die nächsten Tage nichts anderes mehr machen wollen.“