Spielerisch Deutsch lernen, gemeinsam Wurzeln entdecken: In Dombrowka (Dąbrówka Górna) und Chorulla (Chorula) zeigen die Deutschen Kinderclubs, wie früh Sprachförderung und Identität Hand in Hand gehen können. Das Interesse wächst – und immer mehr DFK-Ortsgruppen schließen sich dem Projekt an.
Es beginnt mit drei einfachen Worten: „Hallo, guten Morgen!“ Für Erwachsene ist das eine alltägliche Begrüßung. Für viele Kinder der deutschen Minderheit ist es dagegen der erste bewusste Kontakt mit der deutschen Sprache – und oft der Beginn einer langen sprachlichen Reise.
In den vergangenen Monaten wurde in Dombrowka (Dąbrówka Górna) gelacht, gesungen, gebastelt und gespielt – und ganz nebenbei Deutsch gelernt. Mit dem Abschluss des Deutschen Kinderclubs sowie des Samstagskurses endete zwar die diesjährige Projektrunde, die Idee dahinter reicht jedoch weit über einzelne Unterrichtseinheiten hinaus.
Denn im Mittelpunkt steht nicht Grammatik, sondern Begeisterung.
Deutsch lernen mit Spiel und Freude
Die Treffen richten sich an Kinder zwischen drei und sechs Jahren und folgen einem speziell entwickelten Sprachprogramm. Statt Arbeitsblättern bestimmen Lieder, Bewegungsspiele, Bastelarbeiten und kleine Alltagssituationen den Unterricht. So erleben die Kinder Deutsch nicht als Schulfach, sondern als natürliche Sprache des gemeinsamen Spiels.
„Unsere Kurse stoßen auf großes Interesse und werden mit viel Herzblut von Joanna Drzezga durchgeführt. Es freut uns sehr, dass wir den Kindern schon früh die deutsche Sprache und Kultur näherbringen können. Diese Erfahrungen begleiten sie oft über viele Jahre hinweg“, sagt Magdalena Koppe, Vorsitzende des DFK Dombrowka.
Gerade dieser frühe Kontakt ist das Ziel des Projekts. Die Deutschen Kinderclubs, die vom Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen (VdG) organisiert werden, möchten Kindern möglichst früh einen positiven Zugang zur deutschen Sprache ermöglichen und zugleich Familien unterstützen, die ihre Kinder zweisprachig erziehen möchten.

In den vergangenen Monaten wurde in Dombrowka (Dąbrówka Górna) gelacht, gesungen, gebastelt und gespielt.
Foto: Dominika Bassek
„Die Deutschen Kinderclubs verbinden Sprachförderung mit Spiel, Bewegung und kulturellen Inhalten der deutschen Minderheit. Die Kinder erweitern dabei ihren Wortschatz, entwickeln ein Sprachgefühl und erleben Deutsch als selbstverständlichen Teil ihres Alltags“, erklärt Karolina Kazik, Projektkoordinatorin beim VdG.
Sprache verbindet mit Kultur und Identität
Der sprachliche Aspekt ist jedoch nur eine Seite des Projekts. Ebenso wichtig ist die Begegnung mit der eigenen Kultur und Geschichte.
„Neben der Sprache stärken die Kinderclubs auch die kulturelle Identität der deutschen Minderheit. Sie schaffen positive erste Erfahrungen mit der deutschen Sprache und motivieren die Kinder, später weitere Bildungsangebote wahrzunehmen“, betont Karolina Kazik.

In Chorulla (Chorula) wurde in diesem Jahr erstmals ein Deutscher Kinderclub gegründet. Foto: DFK Chorula
Dass dieses Konzept funktioniert, zeigt nicht nur Dombrowka. Auch andere DFK-Ortsgruppen entdecken das Angebot für sich. In Chorulla (Chorula) wurde in diesem Jahr erstmals ein Deutscher Kinderclub gegründet.
„Wir haben uns ganz spontan für die Teilnahme entschieden, nachdem wir im Ort nachgefragt hatten, ob Interesse besteht. In unserer Umgebung gab es bisher kein vergleichbares Angebot. Die Gruppe war schnell gegründet, und die Kinder kamen mit großer Freude zu den Treffen“, berichtet Natalia Jasik-Schulwitz, Vorsitzende des DFK Chorulla.
Immer mehr Orte entdecken die Kinderclubs
Landesweit ist das Projekt grundsätzlich offen angelegt. In der aktuellen Ausgabe werden die Deutschen Kinderclubs in den Woiwodschaften Oppeln und Schlesien durchgeführt, wo die enge Zusammenarbeit zwischen den DFK-Ortsgruppen, Familien und Bildungseinrichtungen besonders gute Voraussetzungen bietet. Zurzeit bestehen 22 Kinderclub-Gruppen, weitere können jederzeit gegründet werden.
Interessierte DFKs müssen dafür lediglich eine Anmeldung beim VdG einreichen – der Einstieg in das Projekt ist ganzjährig möglich.
So endet zwar in Dombrowka und Chorulla die diesjährige Kursreihe, doch viele kleine „Guten Morgen“ werden dort wohl noch lange nachklingen. Denn wer Sprache schon im Kindergartenalter als etwas Vertrautes erlebt, nimmt oft weit mehr mit als neue Wörter: Gemeinschaft, Selbstbewusstsein und ein Stück eigener Identität.