Welche Bedeutung hatte der Bergbau im Mittelalter? Metalle wurden für den Krieg gebraucht, aber es gab damals keine totalen Kriege, sondern eher ernsthafte „Spiele“ des Fürsten und seiner Gefolgsleute und Diener. Für die Herstellung von Waffen reichte in der Regel Raseneisenerz und Meteoritenmaterial aus.
Das begann sich etwa zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges zu ändern, als die Gelder aus Dänemark, Frankreich und Schweden, die die protestantische Seite gegen den katholischen Kaiser in Wien unterstützten, nicht mehr ausreichten.
Es mussten neue Mineralien und neue Abbaumethoden gesucht werden. Wenn wir uns die Karte Europas und die damaligen Bergwerke ansehen, sehen wir nur wenige. Zwei davon lagen in Schlesien: in Reichenstein und Tarnowitz.
Vom Gold ist heute keine Spur mehr vorhanden, obwohl doch etwas geblieben ist. Gefundene Goldklumpen mit einer Masse von 1,38 kg und 1,78 kg, die Kaiser Rudolf II. von Habsburg geschenkt wurden, werden heute im Naturhistorischen Museum in Wien ausgestellt.

Der historische Bergbau prägte die Entwicklung Schlesiens und legte den Grundstein für wirtschaftlichen Fortschritt.
Foto: Gabriela Wilk/Wikipedia
Gold, Silber, Zink und Blei – wofür wurden sie verwendet? Für Geld, Rohre, Dächer, Orgelpfeifen, Kupferlegierungen zur Herstellung von Werkzeugen, Glocken und Kanonen.
Die Präzision der Bergwerksarbeiten ist bewundernswert. Ein Loch kann jeder graben, aber ein großes Loch in der Erde ist schon schwieriger, denn es kann zu Erdrutschen kommen und die ganze Arbeit wäre zunichte.
Einen Schacht zu graben, ihn zu sichern, also mit Holz auszukleiden, Leitern und Geräte zum Abtransport des Gesteins und des geförderten Materials einzubauen, ist eine anspruchsvolle Kunst – nicht nur eine Zimmermannsarbeit, sondern auch das „Lesen“ der Natur, der Mineralien, der Mechanik großer Erdmasse und der Geologie.

Mit großem technischem Geschick erschlossen Bergleute über Jahrhunderte wertvolle Erzvorkommen und entwässerten die Gruben.
Foto: Stowarzyszenie Miłośników Ziemi Tarnogórskiej/Wikimedia Commons
Danach ging es seitlich weiter – horizontal oder schräg, je nachdem, wie die Erzader verlief. Ebenso wichtig waren die Sicherung der Stollen, die Belüftung, die Beleuchtung und der Umgang mit der größten Gefahr im Bergbau: dem Wasser. Dafür dienten horizontale Stollen mit minimalem Gefälle.
Der „Jakobsstollen“ aus dem Jahr 1564 ist der wichtigste und längste Stollen des 16. Jahrhunderts und misst 4,7 km. Seine Errichtung wurde von Jakob Rapp initiiert. Er entwässerte das Zentrum von Tarnowitz, und sein Auslauf befand sich in Sowitz, von wo das Wasser in den Fluss Stollenwasser gelangte.
Der heute für Besucher zugängliche „Stollen des Schwarzen Forelle“ ist ein kurzer Abschnitt eines 15 km langen Bergwerksbauwerks aus dem 19. Jahrhundert, das das in die Grube „Friedrich“ eindringende Wasser ableitete.
Heute sprechen wir über Mobilität: die eine Hälfte Europas reist zur Arbeit, die andere zur Freizeit. Ähnlich war es im Mittelalter – wenn eine Lagerstätte erschöpft war, wurden die Fachleute nicht zu Bauern, sondern zogen weiter. So kamen nach Tarnowitz Bergleute aus dem Erzgebirge (heute Sachsen). Mit der Zeit lernten auch die Einheimischen das Handwerk.
Grundlage der Entwicklung eines Landes waren immer: fähige Menschen, Zugang zu günstiger Energie und Rohstoffen. Metalle waren wichtig für die Geldproduktion und die Wirtschaft, und Energie – in Form von Wasserrädern, Holzkohle und später Steinkohle – führte zum Aufschwung unseres Landes.
Kohle wird immer teurer und gesellschaftlich weniger akzeptiert, Erze gibt es in Schlesien nicht mehr, aber es gibt weiterhin findige, fleißige und konsequente Menschen. Schlesien erfindet sich neu: IT- und Medizinbranchen wachsen, ebenso Automobil- und Luftverkehrssektor. Wir befinden uns im Auge des Zyklons.
Eine faszinierende Zeit!