Handball: Deutschland ist Europa-Vizemeister

5 Februar 2026, 13:15 Sport

Meistertitel? Noch nicht jetzt

Nach der letzten Heim-Europameisterschaft, bei der Deutschland Vierter wurde, hofften die Fans auf eine Revanche. Wie sich nun zeigte, konnte die Mannschaft ihr Ergebnis verbessern und erreichte zum ersten Mal seit zehn Jahren das Finale. Alfreð Gíslasons Team traf dort auf die beste Mannschaft der letzten Jahre und Co-Gastgeber Dänemark. Leider erwiesen sich „De Rød-Hvide“ diesmal als zu stark.

Vor dem Halbfinale zwischen Deutschland und Kroatien war ein Blick in die Vergangenheit nahezu ein Muss. Schließlich war der gegnerische Trainer Dagur Sigurðsson, der die deutsche Mannschaft ein Jahrzehnt zuvor betreut hatte. Nun stand der Isländer seinem Landsmann gegenüber, mit der festen Absicht, den Siegeszug der deutschen Mannschaft zu stoppen. Und man muss sagen, dass er seinen Gegner perfekt durchschaut hatte. Sein 7-gegen-6-Konzept (mit zurückgezogenem Torwart) funktionierte in der Anfangsphase des Spiels hervorragend.

Die kroatischen Spieler hatten jedoch eine undankbare Aufgabe in dieser Begegnung. Schließlich stand Andreas „Die Wand“ Wolff im deutschen Tor. Der Torhüter parierte 13 Schüsse, mehr als einmal in aussichtslosen Situationen. Auch die Abwehr, angeführt von Justus Fischer, spielte brillant. Eine seiner Situationen sorgte für Begeisterung auf den Rängen. „Er hat drei Bälle in einem Angriff geblockt. Das ist wirklich außergewöhnlich“, lobte ihn Trainer Alfred Gislason nach dem Spiel. Der Spieler selbst fasste es deutlich bescheidener zusammen: „Ich habe keine Ahnung, wie das funktioniert hat, aber es hat funktioniert. Das freut mich. Ich konnte das Spiel ein bisschen unter Kontrolle bringen. Alles fügte sich perfekt zusammen. Es war eines meiner besten Spiele“, resümierte Justus Fischer seine Leistung.

Das Endergebnis, ein 3-Tore-Sieg, mag nicht das beeindruckendste gewesen sein, aber man sollte fairerweise sagen, dass das Spiel schon viel früher „aus“ war. Acht Minuten vor Schluss traf Lukas Mertens zum 28:23, und die deutschen Fans brachen in Jubel aus. Die Kroaten konnten den Rückstand zwar noch verkürzen, aber man darf mit Fug und Recht behaupten, dass der deutsche Sieg unbestritten war, sehr zur Freude von Trainer Alfreð Gíslason.

Spielen gegen Überzahl

Als die Deutschen (wie erwartet) ihren Finalgegner erfuhren, wussten sie, dass es kein leichtes Spiel werden würde. Sie hatten zwar bereits in der Hauptphase gezeigt, dass sie theoretisch die stärkere Mannschaft sind. Doch wie der Trainer der „Adler“ selbst in den Interviews vor dem Spiel sagte: „Jeder muss mal verlieren.“

Die Dänen demonstrierten ihre Offensivstärke von Beginn an und erzielten nach nur vier Minuten drei Tore, allesamt durch die beiden besten Torschützen des Turniers. Andreas Wolff gab jedoch nicht auf und parierte in den folgenden Angriffen Schüsse von Mathias Gidsel und Johan Hansen. Auf der anderen Seite des Parketts agierten die deutschen Führungsspieler brillant: Julian Köster, Juri Knorr und Johannes Golla teilten sich die ersten sieben Tore. Trotz diverser Widrigkeiten (dazu später mehr) und Simon Pytlicks unglaublicher Leistung (er erzielte insgesamt acht Tore) gingen die Deutschen mit nur zwei Toren Rückstand in die Halbzeitpause.

Eine Mischung aus Jugend und Erfahrung im Kader. Erfahrung bei Großveranstaltungen und ein Trainer, der keine Angst vor schwierigen Entscheidungen hat. Ist dies das Rezept für eine Goldmedaille bei der Heim-WM?

Die zweite Halbzeit verlief ähnlich, doch die Schlussphase gehörte den Dänen, die ihre Überzahl (u.a. nach der zweiten Roten Karte für die Deutschen) nutzten und mit mehreren Toren spielentscheidend in Führung gingen. Leider drängt sich der Eindruck auf, dass die Dänen (zweifellos die bessere Mannschaft auf dem Platz) nicht ganz faire Unterstützung erhielten. Und dabei geht es natürlich nicht um die mehreren tausend Fans in der Halle, sondern vielmehr um den Einfluss, den sie auf die Schiedsrichter ausübten.

Das Thema Schiedsrichterleistung war während des Turniers immer wieder heiß diskutiert, doch es ist traurig, wie sie mitunter den Ausgang der wichtigsten Spiele beeinflusst. Dies gilt insbesondere für die Situation in der 15. Minute. Tom Kiesler, der die Abwehr so ​​brillant dirigiert hatte, sah nach einem Foul an Mathias Gidsel die Rote Karte: „Meiner Meinung nach war es eine Zwei-Minuten-Strafe und keine Rote Karte. Selbst Mathias Gidsel flüsterte mir zu, dass es keine Rote Karte war. Das hat uns viel gekostet“, sagte Alfreð Gíslason nach dem Spiel. Tom Kiesler erklärte seinerseits: „Ich habe Gidsel am Hals getroffen. Er duckte sich kurz weg, es war ein sehr unglücklicher Zufall. Ich wollte der Mannschaft helfen. Es ist unglaublich frustrierend, dass so etwas passiert ist. Natürlich bin ich sehr enttäuscht.“

Man kann dennoch schwerlich behaupten, dass die Schiedsrichterentscheidungen ausschlaggebend für den Sieg der Dänen waren. Mathias Gidsel erzielte den Siegtreffer und brach dabei den Rekord für die meisten Tore in einem einzigen Turnier. Dank seiner Leistung und der des gesamten Teams kann Dänemark ein außergewöhnliches Triple feiern, denn sie sind aktuell Welt- und Europameister sowie Olympiasieger: „Ich bin stolz auf meine Leistung im gesamten Turnier. Auch heute haben wir nicht aufgegeben. Das Ergebnis ist deutlicher als das Spiel selbst. Verglichen mit dem Olympiafinale können wir erhobenen Hauptes von hier abreisen. Und wir kommen wieder“, fasste der deutsche Kapitän Johannes Golla zusammen.

Es wird besser werden

Die Finalniederlage schmerzt, aber man muss betonen, dass diese Mannschaft einen weiteren Schritt nach vorn gemacht hat. Schließlich hat das Team unter dem isländischen Trainer in den letzten Jahren nur einen Ausrutscher hinnehmen müssen, wobei ein WM-Viertelfinale ja keine Katastrophe ist. Wichtig ist, dass sich diese Mannschaft nicht nur weiterentwickelt, sondern auch immer selbstbewusster gegen die dominierenden Dänen antritt, gegen die sie in letzter Zeit regelmäßig gespielt hat. Darüber hinaus müssen wir uns keine allzu großen Sorgen um die Zukunft dieser Mannschaft machen. Man muss sich nur den Kader der kürzlich beendeten Europameisterschaft ansehen. Zwölf Spieler sind 25 Jahre oder jünger, und die Hälfte von ihnen gewann vor drei Jahren die Goldmedaille bei der U21-Weltmeisterschaft.

Interessanterweise fehlten in diesem Team unter anderem Juri Knorr, der heute eine Stütze der Nationalmannschaft ist, und Miro Schluroff – Deutschlands größte Entdeckung des Turniers. Natürlich könnten Kritiker die Auswahl einer Schlüsselposition – des Torwarts – bemängeln. David Späth (ebenfalls Jugendmeister der bereits erwähnten U23-Weltmeisterschaft) hat sich jedoch schon mehrfach als Spezialist erwiesen. Und Andreas Wolff? Wir können Sie gleich beruhigen: Er hat kürzlich dezidiert erklärt, dass er nicht an ein vorzeitiges Karriereende denkt, und seine aktuelle Form wird durch seine Nominierung für das Team des Turniers und seine anhaltenden Leistungen im deutschen Tor bestätigt.

Und dann ist da noch der Kapitän, der in der ersten Turnierphase so viel Kritik einstecken musste. Am Ende scheint er mit seiner Kaderwahl aber wieder einmal richtig gelegen zu haben. Wichtig ist, dass die Spieler voll und ganz hinter seiner Entscheidung stehen: „Er hat damals einen kompletten Umbruch eingeleitet, Verantwortung übernommen und gesagt: ‚Wir werden die Mannschaft komplett neu aufbauen.‘ Das hat sich absolut ausgezahlt. Alfreð hat fantastische Arbeit geleistet, sonst wären wir nicht hier.“ Alfreð ist der Trainer; „Er gibt den Takt vor“, sagte Julian Köster nach dem Finale.

Auch an der Position des erfahrenen Trainers zweifeln wir nicht, denn es kursieren bereits Gerüchte über Verhandlungen bezüglich einer Vertragsverlängerung. Ob an den Gerüchten etwas dran ist, bleibt jedoch unklar, denn für die Weltmeisterschaft, die nächstes Jahr in Deutschland stattfindet, ist die Sache klar: „Der Trainer hat einen Vertrag bis zur WM 2027. Und ich denke auch nicht, dass wir jetzt darüber diskutieren müssten. Zumal unsere Mannschaft bei der Europameisterschaft wirklich gut abgeschnitten hat“, fasste DHB-Präsident Andreas Michelmann die Gerüchte zusammen. Eine Mischung aus Jugend und Erfahrung im Kader. Erfahrung bei Großveranstaltungen und ein Trainer, der keine Angst vor schwierigen Entscheidungen hat. Ist dies das Rezept für eine Goldmedaille bei der Heim-WM? Wir werden es nächstes Jahr erfahren.

Deutschland bei der EM 2026:

Vorrunde

  1. Januar, Donnerstag

Deutschland – Österreich 30:27 (12:08)

  1. Januar, Samstag

Serbien – Deutschland 30:27 (13:17)

  1. Januar, Montag

Deutschland – Spanien 34:32 (17:15)

Hauptrunde

  1. Januar, Donnerstag

Deutschland – Portugal 32:30 (11:11)

  1. Januar, Samstag

Deutschland – Norwegen 30:28 (15:17)

  1. Januar, Montag

Dänemark – Deutschland 31:26 (13:12)

  1. Januar, Mittwoch

Deutschland – Frankreich 38:34 (19:15)

Halbfinale

  1. Januar, Freitag

Kroatien – Deutschland 28:31 (15:17)

Finale

  1. Februar, Sonntag

Dänemark – Deutschland 34:27 (18:16)

 

Auszeichnungen:

MVP: Mathias Gidsel (Dänemark)

Bester Verteidiger: Salvador Salvador (Portugal)

Bester Nachwuchsspieler: Francisco Costa (Portugal)

All-Star-Team:

Torwart: Andreas Wolff (Deutschland)

Rechtsaußen: Mario Šoštarić (Kroatien)

Rückraumrechts: Francisco Costa (Portugal)

Rückraummitte: Gísli Þorgeir Kristjánsson (Island)

Rückraumlinks: Simon Pytlick (Dänemark)

Linksaußen: August Pedersen (Norwegen)

Kreisläufer: Johannes Golla (Deutschland)

Teilen:
Unsere Selbstverwaltung: Kreis Kandrzin-Cosel
vorheriger Artikel

Unsere Selbstverwaltung: Kreis Kandrzin-Cosel

Schlesien Aktuell Kompakt 04.02.2026
nächster Artikel

Schlesien Aktuell Kompakt 04.02.2026

Werbung

Ansichtssache