Unsere Leute unter sich – von Oberschlesien nach Deutschland

Deutscher Meister, Weltmeister, Torschützenkönig!

6 Juni 2026, 11:00 Sport

Seit einigen Wochen präsentieren wir in unseren Spalten eine Serie über die bekanntesten oberschlesischen Fußballer, die in der Bundesliga große Karriere gemacht haben – und von denen einige sogar für die deutsche Nationalmannschaft spielten. Die bekanntesten sind natürlich die Weltmeister Miroslav Klose und Lukas Podolski, die mit der deutschen Auswahl 2014 die WM gewannen, sowie der in Kattowitz geborene Richard Herrmann, der mit den „Adlern“ 1954 Weltmeister wurde.

Doch im Glanz dieser drei genannten Namen verbergen sich viele andere Oberschlesier, die im deutschen Fußball eine bedeutende Rolle gespielt haben und deren Geschichte es wert ist, erzählt zu werden. In früheren Folgen stellten wir bereits vor: den in Tarnowitz geborenen Martin Max, den aus Beuthen stammenden Dariusz Wosz, den in Krappitz geborenen und aus Walzen stammenden Sebastian Schindzielorz sowie den Gleiwitzer Sebastian Boenisch. Der Held der heutigen Folge ist der am 18. Oktober 1968 in Tichau geborene Marcel Witeczek. Dieser Spieler emigrierte in sehr jungen Jahren nach Deutschland, wo er seine Fußballkarriere beim Amateurklub SV Post Oberhausen begann und anschließend in der Jugendmannschaft von Bayer 05 Uerdingen (Uerdingen ist ein Stadtteil von Krefeld) trainierte.

Mit Bierhoff und Kunz

Der Profifußball begann für Marcel Witeczek 1986 im Trikot von Bayer 05 Uerdingen. Mit 18 Jahren schaffte er nicht nur den Sprung in den Bundesligakader dieser Mannschaft, sondern gab am 8. August auch sein Debüt in der Bundesliga beim 2:0-Auswärtssieg seiner Mannschaft gegen den FC Homburg. Wie sich später herausstellte, war dies erst der Beginn einer großartigen Karriere des oberschlesischen Spielers. Das ist kaum verwunderlich, denn in Uerdingen konnte er fußballerische Kunst von den späteren Europameistern Oliver Bierhoff und Stefan Kuntz sowie dem berühmten Dänen Brian Laudrup lernen!

In 4 Spielzeiten beim FC Bayern München gewann Marcel Witeczek zwei deutsche Meisterschaften und den UEFA-Pokal.

Insgesamt verbrachte Marcel Witeczek sechs Spielzeiten bei Bayer 05 Uerdingen, bestritt 142 Spiele und erzielte 22 Tore. Obwohl er sich bei Bayer 05 sehr wohl fühlte, war ihm klar, dass er zu einem stärkeren Verein wechseln musste, wenn er im Fußball mehr erreichen und Titel gewinnen wollte. Also handelte er. Im Sommer 1991 wechselte er zum weitaus erfolgreicheren 1. FC Kaiserslautern, für den er am 3. August erstmals im Spiel gegen Dynamo Dresden auflief. In Kaiserslautern beschloss das Trainerteam jedoch, Marcel Witeczek vom Stürmer zum Spielmacher umzufunktionieren. Doch obwohl er ins Mittelfeld zurückgezogen wurde, verlernte er das Toreschießen nicht. Im Gegenteil: In der Saison 1992/1993 erzielte er für die „Lauterer“ zehn Tore und war damit der erfolgreichste Torschütze dieser Mannschaft.

Deutscher Meister und UEFA-Pokal-Sieger

Diese Leistung blieb auch dem FC Bayern München nicht verborgen. Die Münchner holten ihn im Sommer 1993 in die bayerische Landeshauptstadt, und bereits am 7. August debütierte Marcel Witeczek im Trikot der Bayern beim 3:1-Sieg gegen den SC Freiburg. Ähnlich wie in Uerdingen und Kaiserslautern fand sich der Tichauer auch in München schnell zurecht und gewann dazu noch in seiner ersten Saison beim FC Bayern die deutsche Meisterschaft. Ein weiterer großer Erfolg mit dem Münchner Giganten war 1996 die Vizemeisterschaft und der Einzug ins UEFA-Pokal-Finale, in dem die Bayern auf das französische Girondins Bordeaux trafen. Beide Finalspiele gewannen die Münchner mit 2:0 und 3:1, Marcel Witeczek stand in beiden Partien auf dem Platz. Anzumerken ist, dass „Kaiser“ Franz Beckenbauer damals Trainer der Münchner war.

Dies war jedoch noch nicht das Ende seiner Erfolge beim FC Bayern, denn 1997 holte er mit diesem Verein zum zweiten Mal die deutsche Meisterschaft. Insgesamt bestritt der Oberschlesier während seiner vier Spielzeiten in München 97 Spiele, erzielte 9 Tore und wechselte im Sommer 1997 zu Borussia Mönchengladbach, für die er am 3. August beim 2:2 gegen den Hamburger SV sein Debüt gab.

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Das Ende seiner Karriere war nicht mehr so erfolgreich wie die Zeit in München. 1999 stieg er mit Borussia Mönchengladbach aus der Bundesliga in die 2. Bundesliga ab. In den Jahren 2001 bis 2003 spielte er jedoch erneut in der Bundesliga, bevor er zum Regionalligisten SG Wattenscheid 09 wechselte. Mit diesem Verein stieg er ein Jahr später in die Oberliga ab. Die Saison 2006/2007 beendete er beim Amateurklub FC Albstadt. Marcel Witeczek beendete seine Fußballkarriere im Alter von 39 Jahren.

Torschützenkönig und Weltmeister

Bemerkenswert ist auch, dass Marcel Witeczek 1985 mit der deutschen Nationalmannschaft an der U16-Weltmeisterschaft teilnahm und die Silbermedaille gewann. Mit 8 erzielten Toren wurde er zudem Torschützenkönig dieses Turniers! 1987 gewann er mit der deutschen Auswahl die U20-Weltmeisterschaft, erzielte 7 Tore und wurde erneut erfolgreichster Torschütze des Turniers. Trotz dieser spektakulären Erfolge im Jugendfußball kam Marcel Witeczek nie in der deutschen A-Nationalmannschaft zum Einsatz.

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