Zwei Jubiläen, viel Kultur

Außergewöhnliches Konzert in Allenstein

15 September 2026, 11:56 Kultur , Politik

Streichmusik, wichtige Reden, Einigkeit und Gemeinschaft – all das erfüllte am 11. September 2026 die Anna-Wasilewska-Konzert- und Veranstaltungsaula in Allenstein. Dort fand das zweite von mehreren Jubiläumskonzerten anlässlich des 35-jährigen Bestehens des Verbandes der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen (VdG) statt, verbunden mit dem 35-jährigen Jubiläum des deutsch-polnischen Vertrags über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit.

Rafał Bartek, Vorsitzender des Verbandes der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen, betont in seinen Ausführungen ausdrücklich die Bedeutung des Ortes, an dem das zweite Jubiläumskonzert stattfindet.

„Ich denke, für unsere Organisationen und deren Sichtbarkeit war das sehr notwendig, denn es gibt hier wirklich sehr viele von ihnen, und sie befinden sich hier in der Diaspora, sie sind verstreut. Dieses Jubiläum wird dazu beitragen, dass sie im öffentlichen Bewusstsein präsent werden“, sagt Rafał Bartek.

Der Norden kann sichtbar werden

„Dass wir heute hier in Allenstein feiern, ist kein Zufall. Die ersten Feierlichkeiten fanden in Bad Salzbrunn in Niederschlesien statt, die zweiten dagegen im Norden Polens. Die Wahl dieser beiden Orte war bewusst. Wir wollten damit zeigen und zugleich unterstreichen, dass die deutsche Minderheit in Polen nicht ausschließlich an eine Region gebunden ist, nämlich an Oberschlesien.“ – aus der Rede von Rafał Bartek beim Jubiläumskonzert in Allenstein

Das Berliner Frauen-Streichquartett Quartetto Tonale während des Jubiläumskonzerts in Allenstein.
Foto: Michał Florek

„Ich fühle mich vor allem geehrt“, sagt Piotr Dukat, Vorsitzender der Allensteiner Gesellschaft deutscher Minderheit und Vorstandsmitglied des VdG. „Ich freue mich, dass diese Veranstaltung bei uns, hier in Allenstein, stattfinden konnte. Während meiner Amtszeit ist das die erste so große Veranstaltung, und ich hoffe, nicht die letzte“, betont Dukat.

Die Arbeit der Menschen würdigen

In der Anna-Wasilewska-Aula ging es nicht nur um die Bedeutung des Vertrags und die wichtige Rolle des VdG, sondern auch um die Menschen, dank derer die Geschichte der deutschen Minderheit weitere Kapitel schreiben konnte. Das Allensteiner Jubiläum war Anlass für die Verleihung von Auszeichnungen – Anerkennungsurkunden, Ehrenabzeichen und Ehrenmedaillen des VdG. Insgesamt wurden 20 Personen ausgezeichnet.

In der Anna-Wasilewska-Aula ging es nicht nur um die Bedeutung des Vertrags und die wichtige Rolle des VdG, sondern auch um die Menschen, dank derer die Geschichte der deutschen Minderheit weitere Kapitel schreiben konnte.

Einer der mit der Verdienstmedaille Ausgezeichneten ist Horst Ulbrich, Vorsitzender der Deutschen Sozial-Kulturellen Gesellschaft in Glatz. „Das ist für mich ein sehr wichtiger Moment, denn endlich wurde auch unsere Arbeit gebührend gewürdigt. Wir sind stolz darauf“, sagt Ulbrich im Namen der Glatzer deutschen Minderheit.

Unter den Preisträgern befanden sich auch Vertreter der Woiwodschaften Kujawien-Pommern, Pommern und Ermland-Masuren.

Horst und Renate Ulbrich vor dem Eingang zum Konzertsaal in Allenstein. Horst Ulbrich, Vorsitzender der Deutschen Sozial-Kulturellen Gesellschaft in Glatz, wurde mit der Ehrenmedaille des VdG ausgezeichnet.
Foto: Michał Florek

„Das ist eben die Geschichte unserer Region, und ich freue mich, dass solche Menschen aus unserer Region ausgezeichnet werden können“, sagt Piotr Dukat. „Am meisten freue ich mich über die Auszeichnung für Herrn Paul Gollan, der über viele Jahre hinweg eine Ikone war, wenn es um Ermland und Masuren geht. Zwar fehlten Personen aus Allenstein, aber ich denke, das holen wir in nächster Zeit nach“, fügt der Vorsitzende der AGDM hinzu.

Auf Saiten (und Tafeln) für die Seele

Eine besondere musikalische Bereicherung des Abends war der Auftritt des Berliner Frauen-Streichquartetts Quartetto Tonale. Die Mitglieder des Quartetts führten das Allensteiner Publikum auf eine besondere Reise durch Werke von Bach, Mozart und Pachelbel. Der Auftritt des Quartetts endete mit Standing Ovations – ein Beweis dafür, dass Musik die Sitten mildert und zu weiterer, positiver Arbeit stimmt. Die Gäste der Veranstaltung konnten zudem ihr historisches Wissen über den deutsch-polnischen Vertrag über Freundschaft und gute Nachbarschaft vertiefen, indem sie sich mit der Ausstellung des Hauses der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit „Nicht gegeneinander, sondern gemeinsam“ vertraut machten, die am Veranstaltungsort präsentiert wurde.

Das Publikum während des Jubiläumskonzerts in der Anna-Wasilewska-Aula in Allenstein.
Foto: Michał Florek

Stets nach vorne blicken

Wir haben unsere Gesprächspartner gefragt, was sie dem Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen für die nächsten 35 Jahre wünschen.

Horst Ulbrich: „Dass der VdG weiterhin einen so guten Kontakt zu den kleineren DFKs pflegt. Bei den großen Organisationen, die angestellte Mitarbeiter haben, funktioniert alles sehr gut, aber bei uns geschieht alles ehrenamtlich.“

Rafał Bartek: „Vor allem können wir uns so aktive Menschen wünschen wie jene, die wir heute ausgezeichnet haben. Alles beruht auf dem Engagement der Menschen – manchmal einzelner Personen, die in ihrer kleinen Gemeinschaft gesagt haben: ‚Ja, wir gründen eine Organisation, wir setzen uns für die deutsche Kultur und Sprache ein.‘ Wir können uns wünschen, dass diese Menschen ihre Nachfolger finden.“

Piotr Dukat: „Das ist ein sehr langer Zeitraum, wenn es um einen Verein oder irgendeine Organisation geht. Wir freuen uns, dass der VdG sowohl schwierigere als auch bessere Zeiten überstanden hat, und wir blicken weiterhin nach vorne, was unsere Organisationen betrifft.“

Das Jubiläumsjahr des 35-jährigen Bestehens des VdG sowie des 35-jährigen Bestehens des deutsch-polnischen Vertrags über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit dauert noch an. Das Konzert in Allenstein setzte einen Akzent dafür, dass in Ermland und Masuren besondere Menschen und die Kultur der deutschen Minderheit stets gewürdigt werden.


Die Veranstaltung wurde gefördert aus Mitteln des Ministeriums für Inneres und Verwaltung, der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit sowie des Sächsischen Staatsministeriums des Innern.

Liste der Ausgezeichneten:

  • Ehrenmedaillen
  • Edwin Kemnitz — Schneidemühl
  • Detlef Rach — Stolp / Pommern
  • Krystyna Jakubanes — Dirschau
  • Horst Ulbrich — Glatz
  • Józef Januszewski — Konitz
  • Sylwia Koźluk — Rastenburg
  • Zofia Lachowska — Rastenburg
  • Ehrenabzeichen
  • Sabina Reguła — Neidenburg
  • Helga Kuczkowska — Schneidemühl
  • Kazimierz Skowiera — Schneidemühl
  • Irena Solenski-Stankiewicz — Johannisburg
  • Paul Gollan — Bischofsburg / Ermland und Masuren
  • Anerkennungsurkunden
  • Halina Sobczak — Stargard
  • Artur Lipiak — Dirschau
  • Barbara Szweda — Dirschau
  • Gizela Szafran — Dirschau
  • Halina Lupa — Dirschau
  • Karola Warsińska — Dirschau
  • Beata Jakubowska — Dirschau
  • Krzysztof Bieńkowski — Dirschau
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