23. Sonntag im Jahreskreis

Wort zum Sonntag von Bischof Wojciech Pracki

6 September 2026, 05:00 Kirche

Die Begegnung Jesu mit Zachäus zeigt, dass Jesus jedem Menschen entgegenkommt und ihn dazu einlädt, sein Leben neu auf Gott auszurichten.

Lesungen: 1. Mosebuch 28,10-19; Römerbrief 8,14-17

Predigttext: Lukasevangelium 19,1-10

„Und als Jesus an die Stelle kam, sah er auf und sprach zu ihm: Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren.“
Lukas 19,5

Jesus möchte bei/in dir wohnen

Ich liebe diese Geschichte aus dem Lukasevangelium, wie Jesus Zachäus begegnet. In Jericho, der ältesten Stadt der Welt, lebte Zachäus ein gewöhnliches Zöllnerleben. Er war Jude, aber von den Juden verhasst. Er arbeitete mit Römern zusammen, war aber von den Römern verachtet. Wie kommt das? Als Zöllner/Finanzbeamter/Steuereintreiber war er Mitarbeiter der römischen Eroberer. Das machte ihn bei den Juden sehr unbeliebt, denn wer mit Heiden in Kontakt ist, macht sich kultisch unrein. Hier spricht man von intensiveren Geschäftskontakten und nicht von einer zufälligen Begegnung. Außerdem haben Zöllner sehr gerne ein eigenes Geschäft gemacht und kassierten bedeutend mehr, als die Römer erwarteten. Der hohe Überschuss landete in der eigenen Tasche. Das macht doppelt unbeliebt und gehasst.

Zachäus war hier keine große Ausnahme. Jeder kannte ihn. Er stand sogar an der Spitze des lokalen Korruptionsgeschäftes. Alles ändert sich, als er auf den Maulbeerfeigenbaum klettert, um Jesus zu sehen. Um zu sehen, aber nicht unbedingt, um gesehen zu werden, denn die Blätter dieses Baumes sind ziemlich dicht und man kann sich gut verstecken, aber zugleich ungestört beobachten.

„Sind wir uns unserer Entfernung von Gott bewusst und dessen Versuche, sie in der Person Jesu Christi zu überschreiten?“

Jesus kennt die Menschen und ihre Herzen. Auch Zachäus. Er sieht, dass der kleine Mann mit sich selbst kämpft und sich seiner Sünde bewusst ist. Ihm fehlt es aber an einem verantwortlichen Schritt weiter, um mit dem wehtuenden Selbstbewusstsein umzugehen. Deshalb kommt Jesus dem Zöllner entgegen – „Ich muss heute in deinem Haus einkehren.“

Diese Aussage Jesu sollte auch uns berühren und sich auf uns beziehen. Jesus kennt uns. Wir sind Ihm in unserer Taufe anvertraut worden. Aber seit dieser Zeit ist vieles geschehen, wodurch wir uns von Ihm entfernt haben. Andere Dinge als Gottes Gerechtigkeit wurden uns wichtiger. Jesus will uns aber entgegenkommen und bei uns wohnen. Damit wir uns erinnern, wie wichtig Er für uns sein sollte. Damit alles wieder an die richtige Stelle zurückkommt.

Sind wir aber bereit, dabei „auf einen Maulbeerfeigenbaum zu klettern“? Der Baum ist hier ein Symbol des Veränderungsimpulses. Sind wir uns unserer Entfernung von Gott bewusst und dessen Versuche, sie in der Person Jesu Christi zu überschreiten? Ich denke, dass es Fragen sind, die wir uns jeden Morgen stellen sollten. Einmal reicht nicht aus. Aber das soll jede/r für sich jeden Tag individuell entscheiden. Amen.

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