Karolina Trela widmet ihr neues Lied „Oma Anna“ den schlesischen Großmüttern – und singt dabei erstmals ein eigenes Lied auf Deutsch. Zwischen Kluski, Rolada und alten Radios verbindet sie persönliche Erinnerungen mit schlesischer und deutscher Kultur.
„Sie hat das Rezept im Kopf, mit Mehl, Butter, etwas Knoblauch noch.“ So klingt Oma Anna in Karolina Trelas neuem Lied. Am 15. August stellte die Sängerin den Song bei Radio Doxa erstmals vor. Darin geht es um eine schlesische Großmutter, die am Samstag Kluski und Rolada für das Sonntagsessen vorbereitet, das Radio aufdreht und dabei durch die Küche tanzt. In der Figur der Oma Anna finden sich auch persönliche Erinnerungen an Trelas eigene Großmütter wieder. Eine von ihnen hieß ebenfalls Anna.
„Das ist auch ein sehr wichtiges Lied für mich, denn meine Oma väterlicherseits heißt ebenfalls Anna“, erzählt Trela. Für die Figur der Oma im Lied standen allerdings beide Großmütter Pate. Auch ihre zweite Großmutter Krista lieferte eine Vorlage für die Figur. Beim Kochen lief bei ihr ebenfalls Musik: „Meine andere Oma mütterlicherseits hat beim Kochen auch immer Musik gehört. Und deswegen habe ich das irgendwie mit in den Text eingebracht.“
So ist „Oma Anna“ mehr als ein Lied über eine typische schlesische Großmutter. Es ist eine persönliche Erinnerung an die eigene Familie – und zugleich eine Hommage an die schlesische Kultur.
Zwischen Schlesisch und Deutsch
Eine besondere Bedeutung bekommt der Song dadurch, dass Trela ihn auf Deutsch singt. Sie ist zweisprachig aufgewachsen: Mit ihren Großeltern sprach sie Deutsch, mit ihren Eltern Schlesisch. Die Entscheidung für die deutsche Sprache ist deshalb eng mit ihrer eigenen Familiengeschichte verbunden. Denn Deutsch ist für Trela auch die Sprache der Großmütter: „Die Omas von früher, die haben auch meistens Deutsch gesprochen, nicht nur Schlesisch. Und dann sollte es eben eine Verbindung sein – mit dem Deutschen, mit der Oma, mit dem Schlesischen, mit unserer Kultur und mit unserer Identität.“

Cover der Single.
© Karolina Trela
Dass es um eine Verbindung der Kulturen geht, zeigt Trela auch damit, dass sie schlesische Begriffe wie Kluski und Rolada in den deutschen Text eingebaut hat. „Mit dem Lied wollte ich auch zeigen, dass die schlesische Kultur sehr viel mit der deutschen zu tun hat, dass sich beides verbindet und dass diese Verbindung nicht in Vergessenheit gerät.“
So verbindet „Oma Anna“ nicht nur die Erinnerung an ihre Großmütter. Auch sprachlich treffen in dem Lied beide Seiten ihrer Familiengeschichte aufeinander: Deutsch und Schlesisch. Dass sie mit dem Lied erstmals ein eigenes Werk auf Deutsch veröffentlicht, hat für sie zudem eine persönliche Bedeutung. „Es war immer mein Traum, ein Lied von mir auf Deutsch zu haben. Wenigstens ein Lied“, sagt sie.
Ein Lied für Omas – und ihre Enkel
Trela möchte mit dem Lied allerdings nicht nur die ältere Generation erreichen. „Oma Anna“ soll auch Kinder und Jugendliche ansprechen. Sie hofft, dass sich ältere Hörer in der Figur der Oma wiedererkennen – und dass gleichzeitig Enkelkinder an ihre eigenen Großmütter denken.
„Es war immer mein Traum, ein Lied von mir auf Deutsch zu haben. Wenigstens ein Lied.“
Karolina Trela
Musikalisch versucht sie deshalb, traditionelle Schlager-Elemente mit einem moderneren Sound zu verbinden. Trompete und Akkordeon sind zu hören, zugleich prägen Gitarre und ein kräftiger Bass den Song. Trela selbst bezeichnet den Stil als Pop-Schlager. „Ich versuche, den Schlager mit einem modernen Beat zu verbinden. Damit es ein bisschen anders klingt, aber doch noch Schlager ist.“ Die Musik stammt von Jan Swoboda. Für die Aufnahme wurden die Instrumente von Musikern eingespielt.
Dass das Lied tatsächlich auch jüngere Zuhörer erreichen kann, hat Trela bereits bei einem ihrer ersten Auftritte erlebt, bei dem sie die neue Single sang.
„Sie konnte den Text schon“
Bei einer der ersten Live-Darbietungen des Songs sang Trela eine Stelle anders, als sie auf der Aufnahme zu hören ist. In der ersten Reihe entdeckte sie dabei ein kleines Mädchen, das den ursprünglichen Text mitsang.
„Erst dann habe ich gemerkt, dass ich den Text ganz zum Schluss anders gesungen habe, weil sie ihn schon richtig konnte – obwohl es einen Tag nach der Premiere war.“
Für Trela war das ein Zeichen dafür, dass das Lied auch bei der jüngeren Generation ankommen kann. „Ich finde es super zu sehen, dass ein Kind das Lied singt und sich den Text schon gemerkt hat.“
Wie „Oma Anna“ ins Musikvideo kam
Die Idee zu dem Lied entstand bereits vor rund einem Jahr bei einem Gespräch mit ihrem Bekannten Patryk Wróbel, wie Trela erzählt. Dessen Schwiegermutter heißt ebenfalls Anna und an den Samstagen steht sie am Herd, wie die Oma im Lied. Wróbel sagte damals zu, im späteren Musikvideo mitzuspielen. Als die Aufnahmen anstanden, erinnerte Trela ihn an sein Versprechen. So kam es, dass Wróbel schließlich selbst in die Rolle der Oma schlüpfte. Am 15. August wurde das Lied gemeinsam mit dem Musikvideo veröffentlicht – mit ihm als Oma Anna und einem humorvollen Ende.

„Oma Anna“ verbindet traditionelle schlesische Elemente mit modernen Klängen und soll auch jüngere Hörer erreichen.
Foto: M. Oliveira
Auch bei der Wahl des Drehorts legte Trela Wert auf Authentizität. Gedreht wurde in einer Küche, in der noch traditionell gekocht wird. Dort stehen ein alter Ofen und ein funktionierendes Radio – genau die Art von Umgebung, die sie für „Oma Anna“ suchte. „Da ist so ein Ofen, so ein altes Radio, das noch richtig spielt. Deswegen habe ich mir gedacht: Einen besseren Ort kann ich nicht finden“, sagt sie. Selbst das Kleid passte am Ende zufällig zu den traditionellen Blumenmustern in der Küche.
Ein Traum – und weitere Lieder auf Deutsch
Mit „Oma Anna“ soll es für Trela nicht bei einem einzigen deutschen Lied bleiben. Weitere Songs auf Deutsch sind bereits geplant, einer davon ist sogar schon aufgenommen. Die Lieder sollen auf einer CD erscheinen, die im kommenden Jahr veröffentlicht wird.
Wie das zweite deutsche Lied heißen wird, möchte Trela noch nicht verraten. Die Termine für die Präsentation der CD stehen dagegen bereits fest: Am 6. Februar 2027 soll sie in Gogolin vorgestellt werden, am 7. Februar 2027 folgt eine Präsentation in Knauersdorf (Knurów).
Auch „Oma Anna“ wird bis dahin bereits live zu hören sein. Einige der Lieder, die später auf der CD erscheinen sollen, singt Trela schon jetzt bei ihren Auftritten.
Live-Termine
Wer „Oma Anna“ live erleben möchte, hat dazu in den kommenden Tagen Gelegenheit. Trela tritt unter anderem am 29. August beim Oktoberfest in Alt Budkowitz (Stare Budkowice) und am selben Tag in Dollna (Dolna) beim Erntedankfest der Gemeinde Leschnitz auf. Am 30. August folgt ein Auftritt in Grabine (Grabina).
Besonders gespannt ist Trela auf das Konzert in Dollna. Dort befindet sich einer der Kindergärten, die sie leitet. Viele der Kinder und Eltern haben ihren Besuch bereits angekündigt. „Und da freuen sich meine Kinder aus dem Kindergarten schon sehr“, sagt sie und ergänzt: „Da werde ich wahrscheinlich doppelt, dreifach oder fünffach so aufgeregt sein wie vor einem anderen Auftritt. Einfach, weil ich möchte, dass alles klappt.“
Weitere Auftritte und Termine finden sich auf der Internetseite der Künstlerin.