Der AKS Königshütte gehört zu den traditionsreichsten Fußballvereinen Oberschlesiens. Seine Geschichte erzählt von sportlichen Erfolgen, politischen Umbrüchen und einem Verein zwischen deutscher und polnischer Fußballgeschichte.
Die Serie, in der wir in unseren Spalten Fußballvereinsgeschichten aus Oberschlesien vorstellen, begannen wir mit der Präsentation des GKS Szombierki Beuthen – dem sensationellen polnischen Meister von 1980. Anschließend stellten wir nacheinander vor: SV 03 Ratibor – den ältesten Fußballverein Oberschlesiens, gegründet von Deutschen, Vorwärts-Rasensport Gleiwitz – den stärksten Klub in Gleiwitz vor dem Zweiten Weltkrieg, sowie die ebenfalls von Deutschen gegründeten Vereine 1. FC Kattowitz, SC Preußen Hindenburg und SuSV 09 Beuthen.
Heute entführen wir unsere Leser nach Königshütte. Diese Stadt wird seit Jahrzehnten vor allem mit dem am 20. April 1920 gegründeten Ruch in Verbindung gebracht – einem der ältesten Vereine auf der heutigen polnischen Fußballkarte. Aber nicht jeder erinnert sich daran, dass das heutige Königshütte einen noch älteren Verein als Ruch vorweisen kann, mit einer sehr reichen Geschichte. Die Rede ist vom am 22. August 1910 gegründeten deutschen Verein für Rasenspiele Königshütte.
Seine ersten Spiele bestritt die Mannschaft des VfR (die „Grünweißen“) auf dem Sportplatz „Na Pniokach“, gelegen zwischen den heutigen Straßen Karola Miarki und Wincentego Janasa, umgeben von Kleingärten. Der erste Vereinsraum und die Umkleidekabine waren der „Krügel“ bei Scharl, an der Ecke der heutigen ul. Piotra und ul. Ogrodowa.
VfR in den deutschen Meisterschaften
In der Saison 1911/12 begann der VfR seine Ligaspiele in der I. Klasse des Unterbezirks Kattowitz, des III. Bezirks (Oberschlesien), und in den Spielzeiten 1919/20 und 1921/22 errang er zwei Mal den ersten Platz in der A-Klasse des Unterbezirks Beuthen im oberschlesischen Bezirk. Den oberschlesischen Meistertitel im Bezirkswettbewerb konnte der Verein jedoch nicht gewinnen.

Logo des VfR Königshütte.
Foto: Wikipedia.
An dieser Stelle ist zu betonen, dass beim Plebiszit in Oberschlesien bis zu 75 % der Einwohner von Königshütte für den Verbleib in Deutschland stimmten, und dennoch wurde diese Stadt Teil der Zweiten Polnischen Republik. Trotzdem nahm der VfR an der deutschen Meisterschaft teil und wurde am 7. August 1922 zusammen mit 142 anderen deutschen Vereinen in Ostoberschlesien Gründungsmitglied des an diesem Tag in Königshütte gegründeten deutschen Wojewodschaftsfußballverbandes. Erst eine spätere Vereinbarung zwischen dem deutschen Wojewodschaftsfußballverband und dem polnischen Oberschlesischen Bezirksfußballverband (GZOPN) sowie dem Polnischen Fußballverband (PZPN) führte zum Beitritt des VfR zu den polnischen Wettbewerben.
Die polnischen Sportbehörden vs. AKS
Im September 1923 wurde der Vereinsname im Zuge der Polonisierung in Amatorski Klub Sportowy (AKS) geändert. Zunächst noch als AKS Królewska Huta kämpfte der Verein in der vierten Auflage der Polnischen Meisterschaft. Der Aufstieg in die Zentralphase gelang dem Verein durch den Gewinn der oberschlesischen Meisterschaft. Auf dieser Ebene besiegte er Wisła Krakau, aber wegen des Einsatzes nicht spielberechtigter Spieler wurde der Sieg nachträglich in eine kampflose Niederlage umgewandelt.
Die polnischen (Sport-)Behörden diskriminierten den Verein aus Königshütte, weil sie ihn als unpolnisch ansahen, was sich auf seine Ergebnisse auswirkte, die oft durch „von oben“ verordnete Entscheidungen des PZPN verzerrt wurden. Ursache dafür war unter anderem die Tatsache, dass der AKS sportlich auf hohem Niveau spielte. Ein Beweis dafür war unter anderem der 4:2-Sieg am 18. August 1924 über den damaligen kontinentalen Meister Sparta Prag. Das Spiel wurde von einer, für damalige Verhältnisse, riesigen Zuschauermenge von 7.000 Fans verfolgt, und alle Tore für den AKS erzielte Mikisz. Dieser Erfolg war dem aus Admira Wien geholten Österreicher Karl Neidlinger zu verdanken, der der erste professionelle Trainer des AKS war.
Verhaftung wegen Verwendung der deutschen Sprache
Und als es schien, dass der AKS immer stärker werden würde, brachten die Behörden der Sanacja-Regierung in den 1930er Jahren die deutschen Vereine durch Verschuldung in Bedrängnis, um Zwangsverwalter einsetzen zu können. Ein solches Schicksal ereilte auch den AKS. Im Jahr 1937 wurden die Königshütter als Aufsteiger in die I. Liga polnischer Vizemeister, und zum Meistertitel fehlten ihnen nur zwei Punkte. Nahe am Gewinn der Polnischen Meisterschaft waren die Spieler der grünen Kleeblätter auch 1939, obwohl ihre Ligakonkurrenten alles taten, um dies zu verhindern. So wurde unter anderem im Spiel gegen Pogoń Lwów der AKS-Spitzenspieler Wostal wegen der Verwendung der deutschen Sprache verhaftet! Dem Torwart Mrugała wiederum wurden mehrere Zähne ausgeschlagen, um ihn von der Teilnahme abzuhalten.
Im Spiel gegen Pogoń Lwów wurde der AKS-Spieler Wostal wegen Verwendung der deutschen Sprache verhaftet.
Wegen des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs wurde der Wettbewerb nicht zu Ende geführt, und in Oberschlesien wurden die polnischen Sportorganisationen verboten. Die Folge: Der AKS kehrte zu seinem ursprünglichen Namen VfR zurück und änderte ihn dann in F. V. Germania Königshütte, unter dem er am 29. Oktober 1940 in der Gauliga Schlesien debütierte.
Meister von Schlesien und dreifacher Meister Oberschlesiens
In der ersten Saison in der höchsten Spielklasse wurde er Schlesischer Meister (1941), und in den Jahren 1942 –1944, nach der Änderung des territorialen Zuschnitts und der Umbenennung der Liga (ab der Saison 1941/42 Gauliga Oberschlesien), errang er drei Mal die oberschlesische Meisterschaft, wodurch er an den Wettbewerben um den Pokal und die Meisterschaft Deutschlands teilnahm. In der Saison 1941/42 schied er im Achtelfinale der Deutschen Meisterschaft aus, indem er in Wien mit 0:1 gegen den späteren Finalisten First Vienna FC 1894 verlor. In dieser Zeit gewann der Verein gegen die besten oberschlesischen Mannschaften wie Vorwärts-Rasensport Gleiwitz, 1. FC Kattowitz, SC Preußen Hindenburg, Beuthener SuSV 09, TuS Schwientochlowitz, TuS Lipine (Schwientochlowitz-Lipine) sowie den Lokalrivalen Bismarckhütter SV 99, besser bekannt unter dem Namen Ruch Chorzów.
Nach dem Krieg hielt sich der Verein mehrere Jahre lang in der Spitzengruppe der polnischen Fußballmannschaften. Die „Grünen Kleeblätter“ nahmen zweimal an den Polnischen Meisterschaften außerhalb der Liga teil (1946 und 1947). Später spielten sie sieben Spielzeiten in der nach dem Krieg wiederbelebten 1. Liga (1946-1954).
Nachkriegszeit – Betrug und Überfälle
Trotz seiner deutschen Wurzeln gehörte die Mannschaft in den ersten Nachkriegsjahren zu den besten in Polen, konnte jedoch nicht polnischer Meister werden. Dies wurde von Schiedsrichtern und Funktionären verhindert, die die Gegner bevorzugten, wohl wissend, dass bei Spielen gegen den AKS Objektivität und Neutralität nicht im Vordergrund standen.
1946 siegten die „Grünen Kleeblätter“ in den ersten Nachkriegswettbewerben der A-Klasse und errangen den Titel des oberschlesischen Meisters. Damit traten sie in die Zentralphase des Wettbewerbs um den ersten polnischen Nachkriegsmeistertitel ein. Gleichzeitig begannen die Probleme mit Schiedsrichtern, Funktionären, Fans und sogar Spielern anderer Mannschaften. Im ersten Spiel – gegen RKU Sosnowiec – drangen die Gäste beim Stand von 3:0 für die Gastgeber auf den Rasen des AKS-Stadions. Das Spiel wurde abgebrochen und vom Stand von 1:0 wiederholt. Ende Oktober spielte der AKS in der Finalgruppe gegen Warta in Posen. Sieben Spieler des Klubs aus Königshütte wurden während des Spiels von Gegnern und unbekannten Tätern angegriffen; Leonard Piontek erbrach sich, Henryk Spodzieja verlor Zähne und Franciszek Pytel musste im Posener Krankenhaus bleiben, da er aufgrund seiner Verletzungen nicht nach Hause zurückkehren konnte. Während des Spiels wurden auch Marian Przewięda, Wilhelm Steifert, Erwin Michalski und Antoni Andrzejewski verletzt.
Anzeichen von Diskriminierung
Ein anderes Mal, vor dem Spiel gegen Polonia Bytom, entführten Agenten des Sicherheitsdienstes den Torwart des AKS, Mrugała, um ihn später dutzende Kilometer entfernt freizulassen, sodass er das Spiel nicht mehr erreichen konnte. Das zweimalige Abbrennen der hölzernen Tribüne des AKS-Stadions auf dem Redenberg scheint ebenfalls kein Zufall gewesen zu sein, zumal die Brandursache nie geklärt wurde.
Ein weiteres bezeichnendes Beispiel für Diskriminierung war die sogenannte Italien-Affäre. Sie betraf zwei junge Spieler, die als talentiert galten – Henryk Janecki und Wincenty Franiel („Fox“) –, die während ihres Militärdienstes in der deutschen Wehrmacht in Italien in alliierte Kriegsgefangenschaft gerieten und dort als Amateure im Profiklub AC Legnano spielten, wobei sie Startgeld und Aufwandsentschädigungen für die Spiele erhielten. Nach ihrer Rückkehr nach Oberschlesien im Jahr 1947 und ihrem Wunsch, für den AKS zu spielen, wurden sie vom PZPN wegen angeblichem „Professionalismus“ gesperrt.
Die kurioseste „Affäre“ ereignete sich jedoch 1948, als sich die kommunistische Regierung bereits so weit gefestigt hatte, dass sie einen offenen Krieg gegen die Kirche begann. Der Klub AKS Chorzów wurde daher mit einer „Geldstrafe wegen des Spielens an Werktagen“ belegt. Die Spiele wurden nämlich offiziell sonntags angesetzt, in der Hoffnung, dass sich die Stadien füllen und die Kirchen leer bleiben würden.
Fortgesetzte Unterdrückung des Vereins
In diesen Jahren fanden auch die Derbys von Königshütte zwischen Ruch und der Mannschaft der „Grünen Kleeblätter“ statt, die für die AKS-Fans umso wichtiger waren, da die „Blauen“ (Ruch) vor dem Krieg nicht für Königshütte spielten, sondern für die Gemeinde Hajduki Wielkie, und bei diesen Spielen wurde gesungen: „Stać będzie kraj nasz cały, stać będzie Piastów gród, zwycięży nasz AKS, bo to chorzowski klub”.
Die weitere Diskriminierung des AKS durch die kommunistischen Behörden der Volksrepublik Polen erfolgte aufgrund seiner fußballerischen Erfolge während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg. Infolgedessen erkannten die Behörden Volkspolens nicht einmal das Gründungsdatum des Vereins an, was zum Abstieg in die zweite Liga im Jahr 1954 und später in die dritte Liga im Jahr 1958 führte. Bei den Trainingslagern des Klubs in den 1950er Jahren fehlte es sogar an Mineralwasser.
Die Unterdrückung des Klubs ging so weit, dass die AKS-Mannschaft zuletzt in den frühen 1990er Jahren in der dritten Liga spielte. In späteren Jahren wurde der Verein mit Stal und Konstal fusioniert, und ab 1992, nach einer weiteren Fusion mit Chorzowianka, spielte er mehrere Jahre in der Bezirksliga. All diese Fusionen konnten dem Verein jedoch nicht helfen, seinen Platz in den Wettbewerben auf zentraler Ebene zurückzugewinnen.
Verlust des historischen Stadions
Abschließend sei angemerkt, dass der AKS zu Beginn des 21. Jahrhunderts sein historisches Stadion verlor (an der Stelle seiner Anlage wurde das Einkaufszentrum AKS errichtet). Derzeit existiert der Verein unter dem Namen AKS Wyzwolenie Chorzów, und sein Stadion befindet sich in der ul. Lompy 10. Die Mannschaft der „Grünen Kleeblätter“ kämpft in der Bezirksliga.

Ehemalige AKS-Stadion in Königshütte. Foto: Fotopolska.eu/Śląska Biblioteka Cyfrowa
Im Übrigen ist das ehemalige AKS-Stadion in der ul. Katowicka auch ein großes Sportzentrum gewesen. Es verfügte über Tennisplätze, ein separates Handballfeld und einen Schwimmbadkomplex. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden auf dem AKS-Platz auch Leichtathletikwettbewerbe und Motorradshows veranstaltet. Nach einer dieser Veranstaltungen in den 1950er Jahren brannte die zweite hölzerne Tribüne ab, und kurz darauf wurde auch die erste hölzerne Tribüne mit Dach ein Raub der Flammen…