Starke Stimme

Neues-Wochenblatt.pl-Interview mit Andrea Rischka

23 August 2026, 17:00 Kultur

Mit der Sängerin Andrea Rischka über das Singen auf Deutsch, die Liebe zum Schlager, und die Rückkehr zu den eigenen musikalischen Wurzeln sprach Anna Durecka.

Bei unserem ersten Gespräch warst Du noch Schülerin der Musikschule in Oppeln. Das ist inzwischen mehr als ein Jahrzehnt her. Wie blickst du heute auf jenes Mädchen zurück, das gerade erst seinen musikalischen und persönlichen Weg begann? Hast du das Gefühl, deinen eigenen Erwartungen gerecht geworden zu sein?

Ich bin zufrieden. Natürlich denke ich manchmal, dass manches auch anders hätte laufen können, dass ich meine Karriere vielleicht stärker hätte entwickeln und einen anderen Weg hätte einschlagen können. Aber ich habe mich dafür entschieden, diesen anderen Aspekt des Lebens nicht zu verlieren, nämlich eine eigene Familie aufzubauen.

Klassischer Gesang, Jazz und schließlich die Rückkehr zu den eigenen Wurzeln: Andrea Rischka erzählt von ihrer musikalischen Entwicklung.
Foto: Tomasz Chabior

Du warst eigentlich die erste Sängerin in Schlesien, die begann, auf Deutsch zu singen. Für viele Mädchen, die heute auf Deutsch singen, warst du eine Wegbereiterin. War dir damals bewusst, dass du etwas Neues machst und dass es Mut erfordert?

Nein. Erst später wurde mir das bewusst. Ich hatte einmal einen solchen Vorfall bei einem Konzert in Oppeln. Jemand kam zu mir und warf mir vor, ich hätte vergessen, wie man auf Polnisch singt. Solche unangenehmen Situationen gab es auch früher, sogar vonseiten einiger Lehrer oder Erzieher im Internat, in dem ich wohnte.

„Ich entdeckte die Schönheit der Einfachheit neu. Ich verstand, dass ich mein ganzes Leben lang eigentlich so singen sollte wie meine Oma. Sie hatte eine einfache, klare, gesunde Stimme. Und genau das ist für mich heute die Grundlage, der ich Emotionen hinzufüge und darauf ich ein Lied aufbauen kann.“

Zum Glück gab es auf der anderen Seite sehr viele Menschen aus meinem Umfeld, Freunde und Bekannte, die aus derselben Welt stammten wie ich, aus den Dörfern rund um Oppeln, wo die deutsche Kultur und die Gruppen der deutschen Minderheit bereits präsent waren. Deshalb war es für mich etwas Natürliches.

Bei uns im Nachbardorf gab es einen Chor, der auf Deutsch sang. Also begann ich dort mitzusingen. Ich erinnere mich, dass es für mich damals eine große Ehre war, überhaupt mit ihnen singen zu dürfen.

Wie sahen die Anfänge deiner deutschsprachigen Gesangslaufbahn aus?

Nachdem ich die Grundschule beendet hatte, fragte mich meine Gesangslehrerin, ob ich nicht dem Chor beitreten und in den Ferien zum Singen kommen wolle. Obwohl zu Hause nicht Deutsch gesprochen wurde, war mir die Sprache vertraut, weil im Hintergrund immer diese deutschen Schlager liefen. Mit Deutsch kam ich auch bei Treffen mit Verwandten aus dem Ausland in Kontakt.

Bis heute habe ich manchmal das Gefühl, dass man hört, dass ich keine gebürtige Deutsche bin. Aber wenn ich singe, soll man das angeblich nicht hören. Einmal habe ich das sogar in Deutschland bei einem Interview gehört. Die Leute fragten, wie das möglich sei. Aber ich glaube, es liegt einfach an der Musik. Musiker und Sänger übernehmen oft schneller eine bestimmte Aussprache. Musik ist etwas Besonderes. Sie gibt uns nicht nur die Kraft, etwas auszudrücken, sondern auch Selbstvertrauen.

Wann kam der Moment, in dem du angefangen hast, selbst als Solistin aufzutreten?

Zu meinem ersten Auftritt hat mich die Chorleiterin des Chores indem ich sang ermutigt. Sie sagte: „Komm, wir singen etwas zusammen, bereiten ein Lied vor und gehen gemeinsam auf die Bühne.“ Das war während eines Chorfestivals in Walzen.

Was als Singen im Dorfchor begann, führte Andrea Rischka auf große Bühnen und zu einer fast 20-jährigen Karriere.
Foto: Tomasz Chabior

Ein Jahr später war ich mutiger und schlug selbst vor, etwas zu singen, diesmal solo. Ich sang drei Lieder von Helene Fischer: „Feuer am Horizont“, „Und Morgen früh küss ich dich wach“ und „Mitten im Paradies“. Das war im Jahr 2007.

Was geschah danach? Wie sahen die Anfänge deiner Bühnenkarriere aus?

Nach Walzen kamen viele Menschen aus der ganzen Oppelner Region, aus verschiedenen Gruppen. Es waren oft auch Personen darunter, die Einfluss auf die lokale Kultur in ihren Orten hatten. So entstanden automatisch neue Kontakte.

Mein erster längerer Auftritt, ein etwa 40-minütiges Konzert, fand in der Nähe von Tschenstochau, in Lublinitz statt. Das war mein erster längerer Auftritt, nicht nur ein einzelnes Lied, sondern ein ganzes Programm. Für mich war das ein großes Ereignis.

Welche musikalischen Momente sind dir besonders in Erinnerung geblieben?

Ein sehr wichtiger Moment in meinem Leben war mein Auftritt in Breslau beim dritten Kulturfestival der Deutschen Minderheit in Polen. Ich erinnere mich, dass die Halle mit etwa 8.000 Menschen gefüllt war. Das war ein enormes Erlebnis für mich.

Es war auch das erste Mal, dass ich mit solchen Stars wie den Geschwistern Hoffmann auf der Bühne stand, die ich seit meiner Kindheit kannte. Neben solchen Menschen auftreten und sie kennenlernen zu dürfen, war etwas ganz Besonderes.

Du stehst schon fast 20 Jahre auf der Bühne. Hast du das Gefühl, dass du dich in dieser Zeit musikalisch verändert hast?

Auf jeden Fall habe ich mich verändert. Am Anfang begleiteten mich vor allem Schlager. In der Musikschule kam ich auch mit klassischer Musik in Berührung. Später beschäftigte ich mich mit klassischem Gesang, denn ich habe an der Musikschule in Oppeln klassischen Gesang studiert.

„Schlager ist, was in meiner Seele klingt. Ich liebe deutsche Schlager. Es fällt mir leichter, einen Text auf Deutsch als auf Polnisch zu schreiben. Der Schlager liegt mir einfach im Herzen.“

Und davor? Nun, wenn ein Mädchen auf dem Dorf singen konnte, sang es eben etwas in der Kirche. Dort sang ich meine ersten „Ave Maria“. Es spielte keine Rolle, mit welcher Stimme – wichtig war, dass ich singen konnte.

Wenn ich heute aus der Perspektive einer Gesangslehrerin und Vocal-Coachin darüber nachdenke, hat es wahrscheinlich manchmal ganz anders geklungen. Aber es muss wohl gut gewesen sein, wenn die Menschen wollten, dass ich ihre Feiern musikalisch begleite.

Wann hast Du gemerkt, dass Talent allein nicht reicht und du an deiner Technik arbeiten musst?

In dem Moment, als ich begann, viel aufzutreten und merkte, dass meine Stimme nachließ und schnell ermüdete. Ich hatte nicht die Technik und nicht die Werkzeuge für die Stimmarbeit, die ich brauchte. Deshalb begann ich nach einer Möglichkeit zu suchen, meine Stimme technisch besser auszubilden, damit ich diese vielen Konzerte bewältigen konnte.

Und dann hast du Dich für eine weitere musikalische Ausbildung entschieden?

Ja. Ich wollte Gesang studieren, aber nicht klassisch. In Polen gab es damals eigentlich zwei Möglichkeiten: entweder Klassik oder Jazz. Es gab auch Musical in Danzig, aber ich wollte nicht so weit wegziehen. So kam ich nach Neisse, zu der besten Gesangslehrerin der Welt – Frau Danuta Sendecka. Ich hatte großes Glück.

Waren diese Studien eine Herausforderung für Dich?

Auf jeden Fall. Ich musste Improvisation lernen und Lieder singen, die ich vorher nie gesungen hatte. Zum Glück hatte ich eine sehr gute musikalische Vorbereitung durch die Musikschule. Ich musste mich besonders anstrengen, weil ich im Hintergrund immer wieder Kommentare hörte, dass ich Schlager singe, dass das so etwas wie „Disco Polo“ sei und Jazz wird doch oft als anspruchsvolle Musik bezeichnet. Das machte mich unsicher. Aber gerade diese Erfahrungen haben dazu geführt, dass ich heute musikalisch ein anderer Mensch bin.

Die deutsche Sprache und die Kultur ihrer Heimat begleiten Andrea Rischka seit ihrer Kindheit – und prägen bis heute ihren musikalischen Weg.
Foto: Tomasz Chabior

Hat das Überschreiten der Grenzen des Schlagers und das Kennenlernen neuer Musikrichtungen deine Sicht auf deine Wurzeln und dein musikalisches Erbe verändert?

Was den Gesang betrifft, habe ich lange nach etwas gesucht, das meine Stimme stärkt. Ich suchte nach einer Schule, nach Techniken. Die Lösung war schließlich die Rückkehr zu meinen Wurzeln, also zu der Art, wie meine Oma in der Kirche gesungen hat. Ich erinnere mich daran, dass meine Freundinnen scherzten: „Deine Oma hört man am meisten.“ Wenn meine Oma in der Kirche war, wusste man es sofort, denn sie hatte eine sehr starke Stimme.

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Ich suchte lange nach anderen Vorbildern. Ich hörte mir die Stimme meiner Lehrerin an, die Stimmen verschiedener Sängerinnen, die mir damals gefielen. Durch den klassischen Gesang, später den Jazz und das Erlernen verschiedener Techniken kehrte ich schließlich wieder zu meinen Wurzeln zurück – zu dem, wie meine Oma gesungen hatte.

Zu dieser starken, gesunden, wunderschönen Stimme. Ich entdeckte die Schönheit der Einfachheit neu. Ich verstand, dass ich mein ganzes Leben lang eigentlich so singen sollte wie meine Oma. Sie hatte eine einfache, klare, gesunde Stimme. Und genau das ist für mich heute die Grundlage, der ich Emotionen hinzufüge und darauf ich ein Lied aufbauen kann.

Und was die Musik betrifft: Magst Du Schlager immer noch? Oder hast Du sie zugunsten anderer Musikrichtungen aufgegeben?

Nein. Selbst wenn ich manchmal den Wunsch habe, etwas Neues zu erschaffen, Musik zu komponieren, zieht es mich automatisch wieder zum Schlager. Manchmal denke ich: „Oh, das ist zu sehr Schlager.“ Aber andererseits ist genau das schön. Das ist das, was in meiner Seele klingt. Ich singe lieber deutsche Schlager. Es fällt mir leichter, einen Text auf Deutsch als auf Polnisch zu schreiben. Der Schlager liegt mir einfach im Herzen.

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