Erinnerung an Robert Schumann

Kolumne: Aus der Mottenkiste der Geschichte

24 Juli 2026, 16:30 Kolumne

Vor 170 Jahren …

Robert Schumann kam in Zwickau als Sohn eines Verlegers, Literaten, Buchhändlers und Übersetzers zur Welt, in einem Haus voller Bücher. Schon in frühester Kindheit lernte er Klavierspielen und wurde zum Komponisten etlicher bedeutender Werke. Junge Pianisten kommen mit der Musik der Romantik in Berührung, wenn sie Stücke aus seinem „Album für die Jugend“ op. 68 spielen. Eines der bekanntesten Werke Schumanns ist die „Träumerei“, die im Zyklus der Klavierminiaturen aus op. 15 unter dem Titel „Kinderszenen“ erschien. Die Sammlung umfasst nicht so sehr Kompositionen für Kinder, als vielmehr über Kinder, über ihr Spielen, über ihr Lauschen von Geschichten und über ihre Träume. Ich empfehle Ihnen, sich diese Sammlung musikalischer Miniaturen zusammen mit Ihren Kindern anzuhören und in Träume zu versinken.

Vor fünf Jahren wurden die Deutschen Kulturtage in der Woiwodschaft Oppeln mit einem Konzert in der Oppelner Philharmonie eröffnet, bei dem wir Schumanns „Rheinische“ Sinfonie hörten. Zum festen sängerischen Repertoire gehören jedoch die zwölf Lieder aus op. 39 nach Gedichten von Joseph von Eichendorff. Das Eintauchen in die Poesie des Dichters aus Oberschlesien, gesungen im Takt der Musik des großen Romantikers aus Sachsen, stimmt mich stets verträumt. Wann immer ich das Lied „Waldgespräch“ höre, sehe ich die bezaubernde Verführerin Lorelei auf dem hohen Felsen über dem Rhein in der malerischen Rheinschleife bei Sankt Goarshausen. Ein interessanter schlesischer Aspekt sind die aus Schlesien stammenden Komponisten, die Schumann verehrten und von Schumann in der „Neuen Zeitschrift für Musik“ rezensiert wurden. Werke von Carl Koßmaly oder Karl Heinrich Zöllner konnte man im Oberschlesischen Landesmuseum bei einem Konzert unter dem Titel „Schumann und schlesische Schumannianer“ hören.

Vor fünf Jahren wurden die Deutschen Kulturtage in der Woiwodschaft Oppeln mit einem Konzert in der Oppelner Philharmonie eröffnet, bei dem wir Schumanns „Rheinische“ Sinfonie hörten.
Foto: Oppelner Philharmonie

Nicht jeder weiß, dass Robert Schumann ein anerkannter Kritiker und Herausgeber der meinungsbildenden „Neuen Zeitschrift für Musik“ war. Der Vater des deutschen romantischen Liedes war die erste Person in Westeuropa, die das Talent von Fryderyk Chopin erkannte. Unter dem Datum des 25.07.1831 äußerte er sich begeistert über Chopins Variationen op. 2, zu denen er eine Rezension verfasste. Der aus Żelazowa Wola stammende Komponist widmete Schumann die Ballade op. 38. Der Adressat der Widmung äußerte nach deren Anhörung die berühmten Worte: „Chopins Werke sind in Blumen versteckte Kanonen.“ Die Herren trafen sich noch mehrfach, und Fryderyk Chopin bewunderte bei einem Konzert in Leipzig im Jahr 1835 das Spiel von Clara Wick, der späteren Frau Robert Schumanns, von der er sagte: „Die einzige Frau in Deutschland, die meine Stücke spielen kann.“

Robert Schumann
Quelle: Wikipedia

Wenn man die Musik dieses Komponisten hört, fällt es schwer zu glauben, dass er sie in einer Zeit der Unruhen schuf. Am 27. Juli 1830 bricht erneut eine Revolution in Frankreich aus, die die Regierung König Karls X. stürzt. Es folgen weitere in Belgien, und in Polen brach 1830/1831 der Novemberaufstand aus. Die Unruhen dauerten bis in die Zeit des sog. Völkerfrühlings von 1848 bis 1849. Robert Schumann starb am 29.07.1856 im Alter von 46 Jahren. Seine letzte Ruhestätte fand er neben seiner Ehefrau auf dem Alten Friedhof in Bonn, der Geburtsstadt Ludwig van Beethovens, wohin bis heute Musikliebhaber pilgern, um vor dem schönen Grabmal innezuhalten und nachzusinnen.

Ich hoffe, dass ich in diesem Jahr des 170. Todestages von Robert Schumann im Herbst die Lieder aus op. 39 hören werde, die Oskar Koziołek-Goetz im Rahmen der Deutschen Kulturtage in der Woiwodschaft Oppeln singen wird – das ist so mein Schumann’scher Traum …

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