Vom 10. bis 12. Juli 2026 fand in Turawa eine Schulung für den Vorstand, die Büromitarbeiterinnen und -mitarbeiter sowie Mitglieder des Bundes der Jugend der Deutschen Minderheit in Polen (BJDM) statt. Drei Tage lang arbeiteten die Teilnehmer an Themen rund um die Zukunft der Organisation, Kommunikation, Handlungsstrategien und Teamarbeit. Das Treffen war nicht nur eine Gelegenheit, neue Kompetenzen zu erwerben, sondern auch, gemeinsam über die Herausforderungen nachzudenken, denen sich die Jugend der deutschen Minderheit heute gegenübersieht.
Integration für einen guten Start
Das Wochenende begann am Freitag mit der Integration der Teilnehmer. Es war eine Zeit für Gespräche, Erfahrungsaustausch und das Kennenlernen in einem größeren Kreis von Vorstandsmitgliedern, Büroangestellten und aktiven Mitgliedern der Organisation. Die ungezwungene Atmosphäre ermöglichte es, sich besser kennenzulernen, und schuf eine gute Grundlage für die weitere Arbeit an den folgenden Schulungstagen.
Zukunft der Organisation und Herausforderungen der jungen Generation
Den Samstagsteil der Schulung leitete Lucjan Dzumla. Der Workshop konzentrierte sich auf die Zukunft des BJDM, Krisenmanagement, Kommunikation, Arbeitsstile und Organisationsstrategie. Das meiste Augenmerk wurde jedoch auf die Veränderungen in der jungen Generation und deren Auswirkungen auf die Tätigkeit der Organisation gelegt. Die Diskussionen drehten sich vor allem darum, wie man die Jugend der deutschen Minderheit effektiv erreichen und ihr Engagement für die Organisationsarbeit fördern kann. Die Teilnehmer überlegten, wie man junge Menschen ermutigen kann, ihre Wurzeln zu entdecken, die deutsche Sprache zu lernen und aktiv am Leben der deutschen Minderheit teilzunehmen.

Foto: Amadeusz Hoffman
Viel gesprochen wurde über Fragen der Identität. Junge Menschen bewegen sich heute in vielen Umfeldern gleichzeitig, haben vielfältige Interessen und definieren ihr Zugehörigkeitsgefühl anders als ältere Generationen. Für die Jugend der deutschen Minderheit bedeutet das oft, nach Antworten auf die Frage zu suchen, welchen Stellenwert deutsches Kulturerbe, Sprache und Familiengeschichte in ihrem Leben einnehmen. Wie Florian Kostka, stellvertretender Vorsitzender des BJDM-Vorstandes, betont, muss die Organisation geschickt auf diese Veränderungen reagieren.
„Junge Menschen nehmen ihre Identität zunehmend anders wahr als frühere Generationen. Das ist für uns ein Signal, dass wir noch besser auf ihre Bedürfnisse hören und neue Wege des Handelns suchen müssen“, sagt er.
Die Gespräche betrafen auch die Attraktivität des Angebots des BJDM. Die Teilnehmer überlegten, wie man Projekte gestalten kann, die den Bedürfnissen junger Menschen entsprechen und ihnen gleichzeitig ermöglichen, ihre Bindung an die deutsche Minderheit zu entwickeln. Gefragt wurde nicht nur nach neuen Initiativen, sondern auch nach der Art ihrer Kommunikation und danach, wie man der Jugend zeigen kann, dass Engagement in der Organisation ein Raum für Entwicklung, Erfahrungssammlung und Beziehungsaufbau sein kann.

Foto: Amadeusz Hoffman
„Die größte Herausforderung wird die Fähigkeit sein, sich an eine sich schnell verändernde Welt anzupassen, ohne die Werte zu verlieren, auf denen wir unsere Organisation von Anfang an aufgebaut haben“, fügt Florian hinzu.
Die Erkenntnisse aus dem Samstagsworkshop zeigten, dass die Zukunft des BJDM nicht nur von neuen Initiativen abhängen wird, sondern auch von der Fähigkeit der Organisation, die Bedürfnisse der jungen Generation zu verstehen und Räume zu schaffen, in denen junge Menschen ihre Identität entwickeln und aktiv am Leben der deutschen Minderheit teilnehmen können.
Verantwortung, Rollen und Motivation
Den Sonntagsworkshop leitete Jakub Turański. Diesmal konzentrierten sich die Teilnehmer auf das interne Funktionieren der Organisation. Die Hauptthemen waren Aufgaben- und Verantwortungsverteilung, effektive Zusammenarbeit und Teammotivation. Während der Sitzungen wurde analysiert, wie man die Kompetenzen der Organisationsmitglieder besser nutzen, den Informationsfluss verbessern und Verantwortung für die umgesetzten Aufgaben übernehmen kann. Es gab auch Gespräche über Führung und Wege, Menschen für gesellschaftliches Engagement zu gewinnen.

Foto: Amadeusz Hoffman
„Wir konzentrieren uns oft auf Projekte und Veranstaltungen und vergessen, dass dahinter konkrete Menschen stehen. Deshalb ist es so wichtig, Verantwortlichkeiten klar zu definieren und gut im Team zusammenzuarbeiten. Ohne das sind selbst die besten Ideen schwieriger umzusetzen“, betont Florian Kostka.
Junge Menschen nehmen ihre Identität zunehmend anders wahr als frühere Generationen. Das ist für uns ein Signal, dass wir noch besser auf ihre Bedürfnisse hören und neue Wege des Handelns suchen müssen. – Florian Kostka
Der Workshop ermöglichte es den Teilnehmern, die Organisation aus der Perspektive der täglichen Zusammenarbeit zu betrachten und darüber nachzudenken, wie sie gemeinsame Ziele noch effektiver erreichen können. Viel Raum wurde auch der Motivation der Organisationsmitglieder und dem Aufbau von Engagement gewidmet, das in der gesellschaftlichen Arbeit oft genauso wichtig ist wie Kompetenz oder Erfahrung.
Gemeinsame Arbeit an den nächsten Schritten
Die Schulung in Turawa hat gezeigt, dass der BJDM heute vor konkreten Herausforderungen steht: das sich verändernde Verhältnis der Jugend zur Identität, die Notwendigkeit, ein attraktives Angebot zu schaffen, und die Anpassung der Aktivitäten an eine sich schnell verändernde Realität. Die dreitägigen Workshops ermöglichten es nicht nur, diese Probleme zu diagnostizieren, sondern auch gemeinsam nach Wegen zu suchen, wie man ihnen in Zukunft wirksam begegnen kann. Jetzt gilt es, die Erkenntnisse aus Turawa in konkrete Maßnahmen umzusetzen, die die Entwicklung junger Menschen unterstützen und die Gemeinschaft der deutschen Minderheit stärken.