Schüleraustausch

Brücken bauen in Wreschen: Wenn aus Geschichte gelebte Freundschaft wird

2 Juli 2026, 11:30 Bildung

35 Jahre nach der Unterzeichnung des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrages besuchten Schüler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums Garbsen ihre Partnerschule in Polen. Zwischen Alpakas, selbstgemachten Piroggen und dem Erbe von Helmut Kohl und Jan Krzysztof Bielecki wurde deutlich: Europa wächst vor allem durch persönliche Begegnungen.

Der Dialog im Alltag: Ein Vertrag wird lebendig

Im Juni 1991 legten Helmut Kohl und Jan Krzysztof Bielecki mit dem deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrag den Grundstein für eine neue Ära der Zusammenarbeit. Heute, 35 Jahre später, zeigt sich, dass dieser Vertrag mehr ist als nur Tinte auf Papier. Für die Schüler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Garbsen (Niedersachsen) wurde dieser Dialog erneut Realität.

Start mit Hindernissen – Ankunft mit Herz

Die Reise begann mit einer typischen Herausforderung der Moderne: „Die Deutsche Bahn hatte mal wieder gezaubert“, schmunzeln die Teilnehmer. Aufgrund von Problemen auf der Strecke Hannover–Berlin ging es sehr früh los, inklusive Schienenersatzverkehr. Doch die Verspätung war vergessen, als die Gruppe am Nachmittag in Wreschen, Woiwodschaft Großpolen ankam.

Sprachbarrieren? Kein Problem: Mit Deutsch, Englisch, Polnisch und manchmal einfach mit Händen und Füßen gelang die Verständigung – und neue Freundschaften entstanden ganz selbstverständlich.
Foto: privat

Es war ein freudiges Wiedersehen mit alten Bekannten aus dem Vorjahr, aber auch neue Gesichter wurden herzlich aufgenommen.

Programm: Von Filmgeschichte bis zu „schlecht gelaunten Alpakas“

Die Woche war vollgepackt mit Erlebnissen:

  • Handwerk & Kreativität: Gemeinsam bauten die Jugendlichen Krökeltische aus Holz und designten individuelle Austausch-T-Shirts.
  • Kultur in Lodsch: Ein Ausflug führte in die polnische Filmmetropole. Nach einer Zeitreise im Filmmuseum erkundete die Gruppe die beeindruckende Architektur der Stadt.
  • Natur & Kulinarik: Ein Highlight war der Besuch eines Alpaka-Hofs – inklusive der Erkenntnis, was passiert, wenn die flauschigen Tiere mal einen schlechten Tag haben. Am Freitag wurde es in der Schulküche traditionell: In einem Workshop wurden süße Piroggen geknetet, gefüllt und gemeinsam verspeist.

Leonie: Eine Brückenbauerin zwischen den Kulturen

Besonders für Leonie Jaworski (11. Klasse) war dieser Austausch eine Herzensangelegenheit. Sie bringt eine besondere Perspektive mit: Ihre Familie hat Wurzeln in Schlesien (Oppeln), und sie spricht fließend Polnisch.

„Ich habe mich für den Austausch entschieden, weil ich selbst Polnisch spreche und durch meine Eltern eine enge Verbindung zum Land habe. Ich wollte einfach neue Städte wie Lodsch oder Posen kennenlernen“, erzählt Leonie, die in Deutschland in ihrer Freizeit auch einen Polnischkurs belegt hat.

Schülerinnen und Schüler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums Garbsen besuchten im Rahmen des deutsch-polnischen Schüleraustauschs ihre Partnerschule in Wreschen.
Foto: privat

Trotz ihrer Sprachkenntnisse war die Reise für sie eine Herausforderung, an der sie gewachsen ist: „Ich bin eigentlich eher eine schüchterne Person. Wenn man Polnisch reden muss, hat man oft Angst, etwas falsch auszusprechen.“

In der Gruppe wurde Leonie schnell zur inoffiziellen Dolmetscherin: „Wenn die Lehrer mal nicht da waren, habe ich übersetzt. Aber generell galt während unserer Reise das Prinzip, dass man alles mit Händen und Füßen und viel Lächeln sagen kann.“

Besonders beeindruckt hat sie die Mühe der polnischen Schüler: „Sie lernen Deutsch in der Schule und haben sich richtig angestrengt, auch wenn ihnen die Grammatik schwerfällt.“

Sprachbarrieren? Nicht bei dieser Gruppe!

Obwohl nicht alle Polnisch sprachen, war die Verständigung kein Problem. „Englisch ging sehr gut“, so das Fazit der Gruppe.

Leonie betont den starken Zusammenhalt: „Wir waren eine sehr gute Gruppe. Es wurde niemand ausgegrenzt. Ich habe neue Freunde im 10. Jahrgang meiner eigenen Schule gefunden und stehe immer noch in Kontakt mit den polnischen Gastgebern.“

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Beim gemeinsamen Kneten und Formen des Teiges für die Piroggen waren alle mächtig am Staunen: „Meine Oma hat das mit mir schon mal gekocht, ich kannte das schon, meine Freundin auch. Aber für unsere Mitschüler war das etwas ganz Neues, das ist richtig viel Arbeit, die man da reinstecken muss. Geschmeckt hat es allen sehr!“, lächelt Leonie.

Fazit: Mehr als nur ein Projekt

Nach der ereignisreichen Woche hieß es Abschied nehmen. Was bleibt, sind nicht nur Souvenirs, sondern ein tieferes Verständnis für die polnische Mentalität und das Wissen, dass die deutsch-polnische Freundschaft von der jungen Generation getragen wird.

Ob Ausflug nach Lodsch, Besuch auf dem Alpaka-Hof oder gemeinsames Zubereiten traditioneller Pierogi – das abwechslungsreiche Programm bot den Jugendlichen viele Gelegenheiten, die polnische Kultur und ihre Gastgeber besser kennenzulernen.
Foto: privat

Für Leonie hat die Reise das Bild der Heimat ihrer Vorfahren ergänzt: „Ich habe wieder etwas Neues gesehen und wertvolle Erfahrungen gesammelt.“ Ihre ältere Schwester war letztes Jahr ebenfalls beim Austausch dabei.

35 Jahre nach dem Nachbarschaftsvertrag ist klar: In Wreschen und in Garbsen wird dieser Vertrag nicht nur verwaltet, sondern gelebt – mit Piroggen-Mehl an den Händen und neuen Freunden im Herzen.

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