Nach zwei Siegen gegen Curaçao (7:1) und die Elfenbeinküste (2:1) sowie einer unerwarteten Niederlage gegen Ecuador (1:2) qualifizierte sich die deutsche Fußballnationalmannschaft als Gruppensieger der Gruppe E für das Sechzehntelfinale der laufenden Weltmeisterschaft in den United States, Canada und Mexico, wo sie auf Paraguay traf. Das Team aus Südamerika hatte auf dem Weg in diese Turnierphase gegen die USA mit 1:4 verloren, die Türkei mit 1:0 besiegt und torlos gegen Australien remisiert. Die Adler galten als klarer Favorit dieser Begegnung.
Für das Duell mit Paraguay entschied sich Bundestrainer Julian Nagelsmann, in der Startelf im Vergleich zu den drei vorangegangenen Spielen nur eine Änderung vorzunehmen – anstelle von Musiala setzte er auf Undav. Damit ignorierte er die Stimmen solcher Experten wie Weltmeister von 1974 Uli Hoeneß, den 150-maligen Nationalspieler und Weltmeister von 1990 Lothar Matthäus, die Weltmeister von 2014 Philipp Lahm, Mats Hummels und Toni Kroos sowie den renommierten Trainer Jürgen Klopp.
Sturheit, Boshaftigkeit, Dummheit
Diese Gruppe hatte ihm geraten, ja teilweise sogar gefordert, neben Musiala auch Neuer, Pavlovic und Sané aus der Startelf zu nehmen. Kimmich sollte von der rechten Abwehrseite ins Mittelfeld rücken – also auf jene Position, auf der er sich am wohlsten fühlt und die er auch beim FC Bayern Munich spielt. Seinen Platz auf der rechten Abwehrseite sollte nach Meinung der Experten Brown übernehmen, während auf der linken Seite Raum anstelle von Brown spielen sollte. Doch dazu kam es nicht. Der Bundestrainer hörte erneut nicht auf seine älteren, erfahreneren und erfolgreicheren Kollegen. Hinzu kommt, dass Nagelsmann auch Torhüter Baumann nicht in der Startelf sah. Sturheit, Dummheit oder Boshaftigkeit?
Nach den Fehlschüssen von Havertz, Woltemade und Tah verlor Deutschland gegen Paraguay und schied aus der Weltmeisterschaft aus!
Zur Pause 0:1
Egal. Wichtig ist, dass sich die Deutschen katastrophal präsentierten. Sie kamen überhaupt nicht ins Spiel, agierten langsam, ungenau, berechenbar und ohne Überraschungsmomente im Angriff. Die Paraguayer warteten auf ihre Chance – und bekamen sie. Genau in der 42. Minute, als Enciso nach einer Hereingabe von Galarza per Kopf das südamerikanische Team in Führung brachte. Nach dem Gegentor erhöhten die Deutschen zwar das Tempo, doch es fehlte weiterhin an Kreativität. So gingen sie mit einem 0:1-Rückstand in die Pause. Erwähnenswert ist, dass die Adler in dieser Spielphase fast 80 Prozent Ballbesitz hatten, aber nur fünf Schüsse auf das gegnerische Tor abgaben – keinen einzigen davon aufs Tor! Diese schwache Vorstellung in der ersten Halbzeit war vor allem der katastrophalen Leistung des Mittelfeldduos Nmecha und Pavlovic sowie der Flügelspieler Sané und Wirtz geschuldet.
Havertz gleicht aus
Die Konsequenz? Zur zweiten Halbzeit kam Goretzka für Nmecha. Doch bereits in der 49. Minute hätte Paraguay auf 2:0 erhöhen können: Nach einem Fehler von Kimmich lief Enciso allein auf Manuel Neuer zu, scheiterte jedoch am deutschen Keeper. Diese vergebene Chance rächte sich in der 54. Minute, als Kai Havertz nach einer Flanke von Wirtz per Kopf zum 1:1 ausglich. Kurz darauf hätte Goretzka „Die Mannschaft“ sogar in Führung bringen können. In der 77. Minute vergaben die Deutschen ihre zweite hundertprozentige Torchance – diesmal setzte Havertz den Ball aus wenigen Metern nicht ins paraguayische Netz. In der 88. Minute brachte Nagelsmann schließlich Woltemade, der damit sein WM-Debüt feierte, doch in der regulären Spielzeit gelang ihm kein Treffer.
Deutschland obenauf? Diesmal nicht
Damit ging das Spiel in die erste Verlängerung dieser laufenden Weltmeisterschaft. Dort hatten die Deutschen klar die Oberhand, drängten permanent nach vorne und in der 102. Minute köpfte Tah nach einer Flanke von Brown den Ball ins Netz Paraguays. Der Treffer wurde jedoch nicht anerkannt – der Schiedsrichter hatte ein Foul von Anton am paraguayischen Keeper Gill gesehen. Kurz darauf parierte Gill glänzend gegen Havertz. Auch in der Folge hielt der paraguayische Schlussmann stark, sodass es beim 1:1 blieb und das Elfmeterschießen über den Einzug ins Achtelfinale entscheiden musste. Dort scheiterten Havertz, Woltemade und Tah – und Deutschland verlor gegen Paraguay und schied aus der Weltmeisterschaft aus!
Dieses Ergebnis geht auf das Konto von Julian Nagelsmann, der als Spieler nur Durchschnitt war – seine größten Erfolge waren Einsätze in den Reserveteams von FC Augsburg und TSV 1860 Munich – und nun bei dieser WM bewies, dass er auch als Trainer nur Mittelmaß ist und zudem taub für die Stimmen seines Umfelds.
Spielbericht:
Deutschland – Paraguay 3:4 n.E. (1:1, 0:1)
Havertz (54.) – Enciso (42.)
Deutschland: Neuer – Kimmich, Tah, Rüdiger (110. Thiaw), Brown – Nmecha (46. Goretzka), Pavlovic (79. Anton) – Sané (88. Woltemade), Undav (63. Musiala), Wirtz (110. Amiri) – Havertz.
Paraguay: Gill – Cáceres (99. Ojeda), G. Gómez, Canale, Alonso – Bobadilla (100. Sanabria), Galarza, Cubas, Almirón (91. Velázquez) – Enciso (57. Mauricio), Ávalos (55. Caballero).
Zuschauer: 63.945
Gelbe Karten: Cubas, Alfaro (Trainer), Galarza (Paraguay) – Havertz, Nagelsmann (Trainer), Musiala (Deutschland)
Schiedsrichter: Jalal Jayed (Marokko)