Vergessenes Erbe

Sakrales Erbe der Region in Hennersdorf: Die kleine Kirche inmitten der Felder

5 Juli 2026, 17:00 Geschichte

Die Feldkirche bei Hennersdorf (Landkreis Neisse) gehört zu den malerischsten Gotteshäusern in der Woiwodschaft Oppeln. Zu der zwischen Feldern und Getreide versteckten Kirche führt eine schöne Allee alter Kastanienbäume. Das Bauwerk steht allein in der offenen Landschaft, und die Stille wird hier nur vom Zwitschern der Vögel und dem Rauschen des Windes unterbrochen. Je nach Jahreszeit fügt sie sich in den Rhythmus der Natur ein – im Sommer versinkt sie fast in goldenen Getreidefeldern, im Herbst und Winter dominiert sie die karge, weite Landschaft.

Legende vom Kreuz und die Entstehung des Kultortes

Die heutige Kirche der Auffindung des Heiligen Kreuzes und der Mutter Gottes von Tschenstochau stammt aus dem Jahr 1873. Sie wurde an der Stelle einer älteren Kapelle aus dem Jahr 1680 errichtet und setzt damit eine jahrhundertealte Tradition der Verehrung an diesem Ort fort. Die neugotische, gemauerte Kirche entstand als Antwort auf die wachsende Zahl von Pilgern, die bis heute zu den örtlichen Wallfahrten am 3. Mai und am 14. September kommen.

Die Anfänge dieses Ortes sind mit einer mündlich überlieferten Legende über die Auffindung eines Kreuzes auf den umliegenden Feldern verbunden.

Die Anfänge dieses Ortes sind mit einer mündlich überlieferten Legende über die Auffindung eines Kreuzes auf den umliegenden Feldern verbunden.

Foto: Anna Durecka

Der Überlieferung nach soll ein Bauer beim Arbeiten im Feld ein Kreuz gefunden und es in die Pfarrkirche gebracht haben. Das Kreuz jedoch sei mehrfach an seinen Fundort zurückgekehrt, was die Bewohner als Zeichen deuteten, dass genau dort ein Ort des Kultes entstehen solle. Dieses Ereignis wurde zur symbolischen Begründung für den Bau der Kapelle und später der Kirche mitten im offenen Feld.

Neugotik zwischen Getreide und Entwicklung des Wallfahrtsortes

Im 19. Jahrhundert wurde eine neue Kirche im neugotischen Stil errichtet, auf einem Grundriss eines griechischen Kreuzes mit einem Westturm. Das Innere ist mit Kreuzrippengewölben versehen, und der Bau bewahrt seine historische räumliche Struktur. Mit der Zeit entwickelte sich die Kirche zu einem lokalen Wallfahrtsort, zu dem Pilger aus der Umgebung strömten.

Foto: Anna Durecka

In lokalen Überlieferungen erscheint auch die Figur eines Eremiten, der die Kirche betreut und von einer eigenen Imkerei gelebt haben soll. Erwähnt werden zudem alte Lindenbäume, die die Kirche umgaben und einen natürlichen Raum der Stille und des Gebets schufen.

Kriegszeit und Nachkriegsveränderungen

Nach Berichten von Einwohnern soll die Kirche während des Zweiten Weltkriegs dramatische Ereignisse überstanden haben. Es wird unter anderem von abgeworfenen Bomben berichtet, die das Gotteshaus nicht trafen, sowie von der schwierigen Zeit unmittelbar nach dem Krieg. Nach 1945 veränderten sich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der Region, doch der Ort behielt seine symbolische Bedeutung.

Foto: Anna Durecka

Nach Kriegsende und den Zwangsumsiedlungen trafen sich ehemalige Pilger, die mit der Kirche der Auffindung des Heiligen Kreuzes verbunden waren, an einem neuen Ort in Deutschland nahe der niederländischen Grenze – in Lingen. Bis heute versammeln sie sich dort jedes Jahr am Samstag nach dem 4. Mai und bewahren die Erinnerung an die alten Wallfahrten.

Lebendige Pilgertradition

Die Feldkirche bleibt ein Ort gelebter Religiosität. Vom 13. Mai bis zum 13. Oktober finden Fatima-Andachten mit Prozession und der Figur der Mutter Gottes von Fatima statt, zudem wird in dieser Zeit jeden Samstag um 19.00 Uhr die Sonntagsmesse gefeiert. Besonders feierlich begangen werden die Feste der Mutter Gottes von Tschenstochau (26.08.) sowie die Erhöhung des Heiligen Kreuzes (14.09.).

Foto: Anna Durecka

Im Kircheninneren befindet sich u. a. eine Kopie des Bildes der Mutter Gottes von Tschenstochau, die während einer Wallfahrt auf dem Jasna Góra geweiht wurde und die Verbindung des Ortes zur marianischen Tradition unterstreicht.

Ort der Erinnerung und Landschaft

Heute bleibt die Feldkirche bei Hennersdorf nicht nur ein sakraler Bau, sondern auch ein wichtiger Teil der lokalen Kulturlandschaft. Abgelegen, von Feldern umgeben und von Geschichte geprägt, verbindet sie Legende, Tradition und das kollektive Gedächtnis der Region.

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