In unserer Reihe „Deutsche Minderheiten in Europa“ blicken wir über Grenzen hinaus und beleuchten, was die deutschen Minderheiten in ganz Europa bewegt.
Dänemarks Deutsche mit neuem Chef
Der Bund Deutscher Nordschleswiger hat einen neuen Vorsitzenden: Stephan Kleinschmidt, der sich schon zu Anfang seiner Amtszeit ehrgeizige Ziele setzt. Nach seiner erfolgreichen Wahl bedankte sich der neue Chef für das große Vertrauen der Mitglieder. Er möchte den starken Zusammenhalt der Gemeinschaft nutzen, um die Zukunft aktiv zu gestalten. Besonders wichtig ist Kleinschmidt dabei das Thema Vielfalt innerhalb der eigenen Reihen. Er fordert, dass die Minderheit auch intern toleranter und offener wird. So wie man von der Mehrheitsgesellschaft Respekt verlangt, müsse man diesen Maßstab auch bei sich selbst anlegen. Es gebe in der Gruppe Menschen, die sich bisher nicht richtig wahrgenommen fühlen, wie etwa die LGBTQ+-Gemeinschaft oder Personen abseits der klassischen Vereine.Diese Unterschiede sieht der neue Vorsitzende nicht als Problem, sondern als großen Vorteil für alle. Es gehe in den nächsten Jahren darum, niemanden auszugrenzen und auch die Menschen einzubinden, deren Alltag bisher weniger im Rampenlicht stand. Wer Grenzen abbaut und einlädt, sich zu beteiligen, festigt die Gemeinschaft nachhaltig. Die echte Stärke der Minderheit fange schließlich im Inneren an. Quelle: nordschleswiger.dk
Fußmarsch für das Gedenken
Tschechische Jugendliche zeigten eine wichtige Geste der Erinnerung. Mit einem Marsch erinnerten sie an die Tragödie von Postelberg. Rund 200 junge Leute liefen eine Strecke von 16 Kilometern bis nach Saaz. Damit setzten sie am fünften Schüler-Gedenkmarsch ein Zeichen gegen das Vergessen. Die Aktion soll an die schrecklichen Ereignisse von 1945 erinnern, als nach dem Zweiten Weltkrieg zahlreiche deutsche Zivilisten gewaltsam ihr Leben verloren. Unterwegs trafen die Jugendlichen zwei Zeitzeugen, die damals noch Kinder waren, und sprachen mit ihnen über die Vergangenheit.

Ein Kreuz erinnert an die Tragödie von Postelberg.
Foto: Zdenek.paclik/Wikimedia Commons
Da viele historische Orte heute nicht mehr existieren, weisen neu aufgestellte Steine mit QR-Codes auf die Geschichte hin. Auch der Prager Erzbischof Stanislav Přibyl und der deutsche Botschafter Peter Reuss begleiteten die Aktion. Der Erzbischof betonte, dass es bei dem Marsch um Versöhnung und Vergebung gehe, nicht um Schuldzuweisungen. Ins Leben gerufen wurde das Ganze von einem Prager Lehrer, der Schülern dieses oft verschwiegene Thema näherbringen will. Viele Jugendliche gaben zu, vorher kaum etwas darüber gewusst zu haben. Für das nächste Jahr hoffen die Veranstalter auch auf Teilnehmer aus Deutschland. Quelle: landesecho.cz
Gut besuchter Heimattag
Eines der wichtigsten Feste der deutschen Minderheit in Rumänien war erneut ein Erfolg. Es handelt sich um den Heimattag der Siebenbürger Sachsen in Dinkelsbühl. Rund 20.000 Menschen feierten bei gutem Pfingstwetter in der historischen Altstadt. Ein Höhepunkt war der riesige Umzug mit über 3.200 Teilnehmern in traditionellen Trachten. Neben Tanz und Musik gab es auch Besonderheiten wie ein Quiz und einen zehn Meter langen Baumstriezel für einen guten Zweck. Historisch bedeutend war die Aufnahme des Schweizer Verbandes in den weltweiten Dachverband. In den Reden wurde betont, wie wichtig es ist, Sprache und Kultur an die Jugend weiterzugeben. Dazu forderte Regionalbischof Schneider ein neues Lehrbuch für den Dialekt. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt lobte das Engagement der vielen jungen Teilnehmer vor Ort. Auch die Politik war Thema: Vertreter der Verbände forderten Korrekturen bei gekürzten Renten für Aussiedler. Rumänien wiederum sendet ein positives Signal und zahlt Entschädigungen an frühere politische Opfer nun ohne Abzüge aus. Ein rumänischer Regierungsvertreter bat zudem an einer Gedenkstätte offiziell um Entschuldigung für vergangenes Leid. Quelle: adz.news
Volkstrachten im Mittelpunkt
Traditionelle Volkstrachten standen im Zentrum eines Geschichtsprojektes, das unlängst in der Slowakei stattfand. Unter dem Namen „Einander näher sein“ zeigte die Aktion in Priwitz, wie sehr die Kultur verschiedene Regionen über Staatsgrenzen hinweg verbindet. Das Projekt drehte sich um alte Bräuche, Musik und Bauwerke aus dem slowakischen Neutratal und dem tschechischen Slovácko. Das Herzstück war eine große Kleiderausstellung. Besucher konnten Festtagskleidung für Männer, Frauen und Kinder aus beiden Ländern direkt miteinander vergleichen. Dabei fielen viele Gemeinsamkeiten, aber auch feine Unterschiede ins Auge. Ein besonderer Fokus lag auf den Trachten aus dem Hauerland, darunter Stücke aus Krickerhau und Deutsch-Proben. Damit schlug das Projekt auch eine Brücke zur deutschen Minderheit. Die ausgestellten Figuren erinnerten an das über 800 Jahre lange Zusammenleben der slowakischen und deutschen Gemeinschaft in dieser Gegend. Neben den Gewändern zeigte eine Fotoausstellung, wie alte historische Häuser in der Region liebevoll restauriert wurden. Eröffnet wurde das Projekt bereits im März mit traditioneller Zymbalmusik. Quelle: karpatenblatt.sk
Stiftung Verbundenheit mit neuen Projekten
Nach der beendeten Jahrestagung kann die Stiftung Verbundenheit, die sich für die deutschen Minderheiten weltweit einsetzt, mit Optimismus nach vorne blicken. Bei dem Treffen im Bundestag wurde deutlich, wie viel Rückhalt die Organisation aus der Politik bekommt. Ein wichtiges Projekt ist eine neue Resolution im Parlament, die das Erbe deutschsprachiger Israelis, den sogenannten Jeckes, besser würdigen und für junge Leute bewahren soll. Unterstützung dafür gibt es bereits von Grünen, Union und SPD. Auch die FDP lobte die Auslandsdeutschen als wichtige Partner für die Wirtschaft und als Brückenbauer in der Welt. Zudem plant die Stiftung eine engere Zusammenarbeit mit dem Weltverband Deutscher Auslandsschulen, um gemeinsam in Berlin präsenter zu sein. Politiker von Union und SPD betonten, dass die Pflege der deutschen Sprache und Kultur im Ausland ein moderner Baustein für die Außenpolitik sei. Kritik gab es hingegen beim Wahlrecht für Auslandsdeutsche. Weil viele bei der Bundestagswahl 2025 ihre Unterlagen zu spät oder gar nicht bekamen, hat die Stiftung Einspruch eingelegt. Da dieser abgelehnt wurde, zieht man nun vor das Bundesverfassungsgericht. Quelle: stiftung-verbundenheit.de