Interview mit Piotr Dukat

Träume, Ziele und Pläne

21 Juni 2026, 12:00 Kultur

Mit Piotr Dukat, dem Vorsitzenden der Allensteiner Gesellschaft der Deutschen Minderheit, sprach Krzysztof Świerc.

Am 9. Mai wurden Sie zum neuen Vorstandsmitglied des VdG in Polen gewählt, wo Sie die Allensteiner Gesellschaft der Deutschen Minderheit vertreten. Es ist die einzige Änderung im Vorstand im Vergleich zur vorherigen Wahlperiode, aber sie wird von vielen als sehr bedeutend angesehen. Das wiederum bedeutet, dass die Erwartungen an Sie groß sind. In dieser Situation stellt sich auch die Frage, wie Sie mit dem Druck umgehen?

Dieser ist ein natürlicher Bestandteil von Ehrenamt – er tritt dort auf, wo Menschen Erwartungen an uns haben, aber ich betrachte ihn als Motivation. Außerdem bin ich seit Jahren in den Strukturen der Deutschen Minderheit aktiv und weiß, dass Stabilität, Zusammenarbeit und Konsequenz entscheidend sind. Ich möchte hinzufügen, dass ich seit Kurzem, nämlich seit dem 6. Mai d. J., meine zweite Amtszeit als Vorsitzender der Allensteiner Gesellschaft der Deutschen Minderheit (AGDM) begonnen habe und bereits am 9. Mai d. J. zum Vorstandsmitglied des VdG gewählt wurde. Ich habe diese Entscheidung bewusst getroffen, denn ich mag Herausforderungen – sie motivieren mich zum Handeln, anstatt mich zu verbrennen.

Worauf werden Sie sich in dieser Amtszeit des VdG-Vorstands hauptsächlich konzentrieren?

Vor allem auf die Stärkung der Kommunikation zwischen den Organisationen. Auf den Aufbau transparenter Kooperationsmechanismen und darauf, dass jedes Mitglied der Minderheit das Gefühl hat, dass seine Stimme gehört wird und die Richtung des Handelns des VdG real beeinflusst.

Wann haben Sie sich für die Arbeit für die deutsche Minderheit interessiert, warum und seit wann sind Sie in ihren Reihen aktiv?

In den frühen 1990er Jahren hörte ich von den sich bildenden Strukturen der deutschen Minderheit in der Gegend meines Heimatortes. Ich erinnere mich auch, dass, als diese Strukturen entstanden, ein Vertreter der Minderheit aus Rößel zu meinem Großvater kam. Der Großvater wollte sich jedoch nicht im Vereinsleben engagieren, aber ich erkannte und verstand damals zum ersten Mal, wie wichtig die Pflege von Sprache, Kultur, Tradition und der Aufbau von Gemeinschaft ist. Das war für mich ein natürlicher Raum zum Handeln, denn die Werte des Dialogs, der Verantwortung und der Zusammenarbeit waren mir immer wichtig. Letztendlich begann meine Arbeit für die deutsche Minderheit 1996, als ich zum Studium nach Allenstein kam.

Sie sind ein sehr engagierter Aktivist mit vielen Pflichten an vielen Fronten. Bitte nennen Sie einige davon und was macht Sie so erfolgreich?

Ich möchte damit beginnen, dass die Anfänge der letzten Amtszeit des Vorstands der AGDM recht kompliziert waren, da der vorherige Vorstand seine Tätigkeit vor Ablauf seiner Amtszeit beendet hatte. Das war keine komfortable Situation für eine Organisation, die einen Leiter brauchte, der diese Situation stabilisiert. Wie sich herausstellte, gelang es dem damaligen neuen Vorstand, aus dieser Krise herauszukommen, und dank dessen befindet sich die Organisation jetzt in einer guten Position. Im Verein bin ich auch Chefredakteur der in deutscher Sprache erscheinenden Vierteljahresschrift Allensteiner Nachrichten, daher ist mir die Thematik der Führung und Herausgabe einer Zeitschrift nicht fremd.

Piotr Dukat sieht seine ehrenamtliche Arbeit als Herausforderung und Motivation zugleich.
Foto: Grzegorz Januszewicz

Neben meiner Tätigkeit bei der AGDM engagiere ich mich auch in der Seelsorge für die deutsche Minderheit in Allenstein, die unter der Leitung von Kanonikus André Schmeier funktioniert. Seit einigen Jahren bin ich Mitglied der Ermländervertretung in Ermlandfamilie mit Sitz in Münster in Westfalen, und vor Kurzem wurde ich zudem in den Kreis der Mitglieder der Kreisgemeinschaft Allenstein-Land aufgenommen. Und nun beginne ich ein neues Kapitel meiner Tätigkeit als Vorstandsmitglied des VdG.

Von mir selbst würde ich nicht sagen, dass ich erfolgreich bin. Aber es ist schön zu hören, dass ich so wahrgenommen werde. Ich befolge den Grundsatz, dass Konsequenz im Handeln, die Fähigkeit, gute zwischenmenschliche Beziehungen aufzubauen, und Teamarbeit immer gute Ergebnisse bringen. Im Ehrenamt handelt niemand allein – gute Ergebnisse sind immer das Ergebnis von Zusammenarbeit.

Haben Sie einen Traum bezüglich der deutschen Minderheit in Polen und einen Plan zu dessen Verwirklichung?

Ja. Mein Traum ist eine starke, moderne und gut zusammenarbeitende Minderheit, die mit einer Stimme sprechen kann und gleichzeitig die Vielfalt ihrer Organisationen respektiert, auch wenn deren Struktur im Norden anders aussieht als im Süden – das baut auf und spaltet nicht. Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass die Art und Weise, wie wir von außen wahrgenommen werden, einen großen Einfluss auf unsere Zukunft hat, denn sie zeigt, ob es sich lohnt, uns als Partner zu behandeln und unsere Arbeit zu unterstützen.

Die Fähigkeit, gute zwischenmenschliche Beziehungen aufzubauen, und Teamarbeit bringen immer gute Ergebnisse.

Als Ziel setze ich mir die Schaffung einer Jugendorganisation innerhalb der AGDM, die uns in Zukunft als Minderheit repräsentieren wird. Ich denke, dass die Gründung eines Jugendpunktes bei unserer Organisation ein gutes Zeichen ist.

Und der Plan? Schritt für Schritt an der Professionalisierung der Strukturen, der Stärkung der Kommunikation und dem Aufbau von Vertrauen arbeiten. Das ist das Fundament jeder Gemeinschaft. Das beste Beispiel dafür ist der Sitz der AGDM – das Kopernikus-Haus, unter dessen Dach sich derzeit neben der AGDM auch Organisationen wie der Verband deutscher Gesellschaften in Ermland und Masuren oder das Verbindungsbüro der Landsmannschaft Ostpreußen befinden.

Trotz der Verantwortung, des Fleißes und des Engagements, die Sie auszeichnen, wird es immer Kritiker geben. Darauf muss man vorbereitet sein … Sind Sie es?

Natürlich. Kritik gehört zum öffentlichen Leben. Wichtig ist jedoch, konstruktive von emotionaler Kritik zu unterscheiden. Für erstere bin ich immer offen – sie hilft mir, mich weiterzuentwickeln. Auf letztere schaue ich mit Distanz, auch wenn sie manchmal die Flügel stutzt. Am wichtigsten ist es, den Werten treu zu bleiben, verantwortungsvoll zu handeln und sich dieser Verantwortung bewusst zu sein.

In Allenstein zu Hause, in Ermland verwurzelt: Piotr Dukat engagiert sich seit Jahrzehnten für die Pflege deutscher Sprache, Kultur und Tradition in seiner Heimatregion.
Foto: Grzegorz Januszewicz

Piotr Dukat nach der Arbeit:

Lebensprioritäten?

Familie, Verantwortung und Entwicklung. Ich versuche, dass jede Entscheidung mit diesen drei Werten in Einklang steht.

Was sind Ihre Hobbys?

Reisen und Geschichte. Von Beruf bin ich Historiker und durch diese Brille betrachte ich die Realität. Seit etwa 10 Jahren bin ich glücklicher Besitzer eines historischen Fahrzeugs, eines Mercedes Benz Modell W123, umgangssprachlich „die Tonne“ genannt. Ich interessiere mich für Oldtimer. Das ist die Erfüllung meines Kindheitstraums, als ich ein solches Spielzeugauto hatte. Es gibt eine Anekdote: „Worin unterscheidet sich ein kleiner Junge von einem erwachsenen Mann? … Im Preis und in der Größe des Spielzeugs.“ So ist es auch bei mir.

Was das Reisen betrifft, so bin ich der Meinung, dass jede Reise bildet und die Perspektive auf unser Leben erweitert. Ich fühle mich in Deutschland wohl. Für mich ist die Vielfalt der Regionen Deutschlands das, was mich immer wieder überrascht. Berlin, das Ruhrgebiet, Bayern, Franken, das hanseatische Bremen – ein Land und doch so viele Unterschiede.

Wie halten Sie sich fit? Fitnessstudio, Fahrrad, Tennis, Schwimmbad oder etwas ganz anderes?

Ich mag Aktivität, die den Kopf freimacht. Eine solche Sportart ist für mich das Skifahren. Ich gehe in diesem Sport völlig auf, wenn ich auf der Piste bin, tritt alles andere in den Hintergrund. Auch wenn es manchmal nach der Abfahrt im Hotel nötig ist, mich vor den Laptop zu setzen und etwas Wichtiges zu erledigen. Und im Alltag am liebsten das Fahrrad, das vor allem ein gutes städtisches Verkehrsmittel ist.

Lieblingsfilm, -schauspieler, -buch?

Ich mag Filme, die einem zum Nachdenken anregen. In der Literatur liegen mir historische Bücher und Biografien am nächsten – sie helfen, die Mechanismen zu verstehen, die die Welt regieren.

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Ihr größter Traum?

In einer Welt zu leben, in der die Menschen miteinander sprechen können – auch wenn sie unterschiedlicher Meinung sind. Das ist ein persönlicher Traum, aber auch ein sehr praktischer.

Was schätzen Sie an Menschen am meisten und was können Sie nicht leiden?

Ich schätze Ehrlichkeit, Verantwortungsbewusstsein und Konsequenz. Ich akzeptiere keine Manipulation und keinen Mangel an Loyalität – das zerstört jede Gemeinschaft.

Was schätzen Sie darüber hinaus besonders an Frauen und was akzeptieren Sie nicht?

Ich schätze Stärke, Intelligenz und Sensibilität. Auch wenn Frauen in vielen Dingen eine andere Sicht auf die Realität haben als Männer, ist dies eine Eigenschaft, die zu einer gegenseitigen Ergänzung im täglichen Miteinander führt. Was ich nicht akzeptiere, ist Respektlosigkeit – genauso wie bei Männern.

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