In unserer Reihe „Deutsche Minderheiten in Europa“ blicken wir über Grenzen hinaus und beleuchten, was die deutschen Minderheiten in ganz Europa bewegt.
Aussiedlerliteratur feiert goldene Zeit
Die Literatur großer Namen der deutschen Minderheiten gewinnt immer mehr an Beliebtheit. Dies zeigen sogar bedeutende Buchmessen. Während ältere Generationen nach ihrer Ankunft in Deutschland meist mit dem Alltag beschäftigt waren, erobern jüngere Autoren der sogenannten Millennial-Generation nun den Buchmarkt. Ihre Werke erscheinen in bekannten Großverlagen und werden für wichtige Preise nominiert. Kürzlich stand etwa die in Kasachstan geborene Elli Unruh mit ihrem Erstlingswerk auf der Shortlist der Leipziger Buchmesse. Früher fand diese Art von Literatur fast nur in kleinen Nischen statt. Die Texte wurden oft in privaten Schreibkreisen verfasst. Das hat sich gründlich geändert: Neben der bekannten Nobelpreisträgerin Herta Müller feiern Autorinnen wie Iris Wolff große Erfolge mit Geschichten über das Leben in Siebenbürgen. Auch jüngere Stimmen wie Nadine Schneider und Alisha Gamisch verbinden in ihren Romanen die Vergangenheit ihrer Großeltern im Ausland mit dem heutigen Leben in Deutschland. Die Themen reichen dabei von Flucht und Zwangsarbeit bis hin zu humorvollen Alltagserzählungen. Diese Literatur ist heute ein fester und wichtiger Teil der deutschen Kulturlandschaft.
Quelle: swr.de

Iris Wolff
Foto: Wikipedia
Ukrainedeutsche kooperieren mit Wikipedia
Die deutsche Minderheit in der Ukraine arbeitete mit einer großen Online-Plattform zusammen. Im Rahmen der Initiative Wikimedia CEE Spring 2026 will sie Artikel über Deutschland auf Ukrainisch zugänglicher machen. Der Rat der Deutschen unterstützt diese Online-Aktion als offizieller Partner von Wikimedia Ukraine. Ziel ist es, das Wissen über die Bundesrepublik im Netz spürbar auszubauen und qualitativ hochwertige Berichte in der Wikipedia zu veröffentlichen. Mitmachen kann jeder, der bestehende Texte verbessert oder neue Beiträge schreibt. Allerdings gibt es feste Regeln: Die Themen müssen aus einer vorgegebenen Liste stammen oder vorher mit dem Team abgesprochen werden. In diesem Jahr stehen ganz bestimmte Schwerpunkte im Fokus. Dazu gehören moderne Berliner Projekte wie der Unity Hub oder das Café Kiew sowie die kommende Kultursaison zwischen beiden Ländern. Auch die Geschichte der deutschen Minderheit und bekannte deutsche Firmen wie Playmobil, Schleich oder SAP sollen genauer beleuchtet werden. Wer die besten Texte beisteuert oder besonders fleißig ist, kann sich sogar über Sonderpreise vom Rat der Deutschen freuen.
Quelle: deutsche.in.ua.

Artikel der Ukrainedeutschen sollen Wikipedia bereichern.
Foto: Harleen Quinzellová/Wikimedia Commons.
Ehrung für rumäniendeutsche Redakteurin
Die rumäniendeutsche Redakteurin Christel Ungar-Ţopescu wurde vom Dachverband der deutschen Minderheit mit der Goldenen Ehrennadel ausgezeichnet. Das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien (DFDR) übergab ihr den Preis im Rahmen einer Feierstunde im Bischofspalais von Hermannstadt. Der Verbandsvorsitzende Dr. Paul Jürgen Porr lobte dabei ihren großen Einsatz, mit dem sie über Jahrzehnte hinweg das gegenseitige Verständnis der verschiedenen Volksgruppen gefördert hat. Ungar-Ţopescu arbeitet bereits seit 1990 beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen und leitet dort die bekannte deutschsprachige Sendung „Akzente“. In der Laudatio wurde vor allem ihre enorme Vielseitigkeit gewürdigt. Sie überzeugt nicht nur als Journalistin und Filmemacherin, die in Dokumentationen die Rolle von Frauen in der Minderheit thematisiert, sondern feiert auch als feinsinnige Dichterin und leidenschaftliche Jazzsängerin große Erfolge. Auch Vertreter der evangelischen Kirche dankten ihr für ihre ständige Begleitung des Gemeindelebens. Die Geehrte zeigte sich sichtlich gerührt und betonte, wie glücklich und stolz es sie mache, diese Anerkennung aus den eigenen Reihen zu erhalten. Der Preis gebe ihr viel Kraft für ihre zukünftige Arbeit.
Quelle: siebenbuerger.de

Christel Ungar-Ţopescu.
Foto: Uniunea Ziariștilor Profesioniști din România
Russlanddeutsche mit Festival zum Jubiläum
Die regionale Krasnojarsker Nationale-Kulturelle Autonomie der Deutschen in Russland hatte ein stattliches Jubiläum zu feiern. Aus diesem Grund wurde ein großes Festival organisiert. Am 3. Mai 2026 kamen im örtlichen Haus der Völkerfreundschaft fast 200 Menschen zusammen, um das 15-jährige Bestehen des Verbandes zu zelebrieren. Bei dem Fest drehte sich alles darum, die Bräuche und die Geschichte der russischen Deutschen lebendig zu halten und den Austausch zwischen verschiedenen Kulturen zu stärken. Die Besucher erlebten ein buntes Programm mit Musik, Gedichten von Goethe und Auftritten verschiedener Chöre. Großen Anklang fanden die Ausstellungen, bei denen Kunsthandwerk, traditionelle Trachten und gerettete Familienerbstücke aus der Zeit der Verbannung nach Sibirien gezeigt wurden. Wer wollte, konnte in Workshops Osterhasen basteln oder kulinarische Spezialitäten wie Krebli und Riewelkuchen probieren. Auch andere Kulturvereine, wie etwa polnische und lettische Gruppen, gratulierten mit Tänzen und Liedern auf der Bühne. Zum Abschluss wurde ein Video des Events auf russischen Online-Plattformen geteilt.
Quelle: rusdeutsch.ru
Weniger Kasachstandeutsche
Wie bei anderen Volksgruppen auch, geht die Zahl der Kasachstandeutschen nach neuesten Angaben zurück. Dieses Phänomen trägt aber einen kulturellen und gesellschaftlichen Hintergrund mit sich. Laut der nationalen Statistikbehörde leben aktuell noch etwa 222.890 Deutsche in dem zentralasiatischen Land. Damit zählt die Gemeinschaft zwar immer noch zu den zehn größten ethnischen Gruppen des Staates, doch der Abwärtstrend hält an. Vor wenigen Jahren, im Jahr 2021, lag die Anzahl noch bei rund 226.000 Menschen. Kleine Abweichungen in den Daten erklären Experten mit verschiedenen Zählweisen bei den Befragungen. Früher war die Situation eine andere: Zu Zeiten der Sowjetunion knackte die deutsche Bevölkerung in Kasachstan fast die Millionengrenze. Als das Land schließlich unabhängig wurde, zog es in den 1990er-Jahren viele Familien über Aussiedlungsprogramme nach Deutschland. Heute wohnen die verbliebenen Gruppen vor allem im Norden, Osten und im Zentrum des Landes, wie etwa rund um Karaganda. Auch in den Metropolen Astana und Almaty gibt es nach wie vor lebendige Vereine, die die deutsche Kultur und Traditionen erfolgreich pflegen.
Quelle: daz.asia
Łukasz Biły