Vom 26. bis zum 31. Mai 2026 verwandelt sich das Dreiländereck an der Neiße wieder in ein Zentrum für Filmfans und Kulturliebhaber. Das 23. Neisse Film Festival (NFF) lädt dazu ein, aktuelles Filmschaffen aus drei Ländern zu entdecken – an über 20 Spielorten in Deutschland, Polen und Tschechien.
Was im Jahr 2004 als kleine Initiative begann, hat sich längst zu einer festen kulturellen Brücke in der Region entwickelt. Das Festival ist in seiner Form einzigartig: Es findet zeitgleich in drei Ländern statt und bringt Filmemacher sowie das Publikum über Sprachgrenzen hinweg zusammen. Für die diesjährige Ausgabe wurde ein neuer Rekord aufgestellt: Fast 1.200 Filme wurden eingereicht, aus denen das Team des Kunstbauerkino Großhennersdorf ein Programm kuratiert hat.

Flagge NFF.
Foto: Claudia Glatz/ NEISSE NYSA NISA FILM FESTIVAL
Ein Programm, das verbindet
Das Herzstück des Festivals sind die drei trinationalen Wettbewerbe für Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme. Hier treten Produktionen aus Deutschland, Polen und Tschechien gegeneinander an, um einen der begehrten „Neiße-Fische“ zu gewinnen.
Besonders spannend für das Publikum in Polen: Das Festival macht auch in diesem Jahr wieder Station in Städten wie Zgorzelec. Ein besonderes Highlight ist die Verleihung des diesjährigen Ehrenpreises an den renommierten polnischen Regisseur Jan Komasa („Corpus Christi“, „The Hater“). Am 29. Mai wird er im Kronenkino Zittau geehrt, wobei auch sein neuester Film „Good Boy – Wir wollen nur dein Bestes“ (u.a. mit Stephen Graham) gezeigt wird.

Kinosaal.
Foto: Till Arvid Börner/ NEISSE NYSA NISA FILM FESTIVAL
Fokus 2026: „Transformations“
In jedem Jahr widmet sich das NFF einer speziellen Fokus-Reihe, die gesellschaftlich relevante Themen beleuchtet. 2026 steht diese unter dem Titel „Transformations“ (inspiriert durch Andreas Voigts Film „Alles andere zeigt die Zeit“). Die Reihe wirft einen vielstimmigen Blick auf die Systemtransformationen im ehemaligen Ostblock seit den 1990er Jahren. Gezeigt werden Filme, die von Gewinnern und Verlierern, von Umbrüchen und dem Suchen nach Identität in einer sich rasant wandelnden Welt erzählen – Themen, die gerade in der deutsch-polnisch-tschechischen Grenzregion bis heute tief verwurzelt sind.
Mehr als nur Kino: Konzerte und Ausstellungen
Das Neisse Film Festival ist mehr als eine reine Aneinanderreihung von Filmvorführungen. Das Rahmenprogramm bietet zahlreiche Gelegenheiten für Begegnungen:
Musik: Am 30. Mai tritt der bulgarische Performance-Künstler Ivo Dimchev mit seiner Band auf – ein Erlebnis zwischen Pop, Theater und radikaler Emotionalität.
Ausstellung: Bereits am 22. Mai eröffnet in Großhennersdorf die Ausstellung „35 Jahre Deutsche Einheit – Junge Perspektiven“, die Fotografien von Jugendlichen aus der Lausitz und dem Rheinland zeigt.
Diskussion: Zur Eröffnung der Ausstellung wird unter anderem die Staatsministerin Elisabeth Kaiser erwartet, um über Strukturwandel und Identität zu debattieren.

Eröffnung Neisse Film Festival.
Foto: Karin E. Lason / NEISSE NYSA NISA FILM FESTIVAL
Eröffnung und Preisverleihung
Das Festival wird am 26. Mai feierlich im Gerhart-Hauptmann-Theater in Zittau eröffnet. Als Eröffnungsfilm wurde das Familiendrama „Etwas ganz Besonderes“ von Eva Trobisch ausgewählt, das zuvor auf der Berlinale Premiere feierte.
Die große Preisverleihung findet am 30. Mai im Městské divadlo (Stadttheater) im tschechischen Varnsdorf statt. Hier werden insgesamt 12 Preise im Gesamtwert von 27.500 Euro vergeben, darunter auch ein Spezialpreis für Filme, die den Dialog zwischen den Kulturen fördern.
Für alle, die in Polen leben oder die Grenzregion besuchen, bietet das Neisse Film Festival die ideale Gelegenheit, das Nachbarland von seiner cineastischen Seite kennenzulernen und Teil einer gelebten europäischen Gemeinschaft zu werden.
Alle Informationen zum Programm, den Spielorten in Polen, Deutschland und Tschechien sowie Tickets finden Sie unter: www.neissefilmfestival.net
Manuela Leibig