Versteckt zwischen Bäumen und einem unscheinbaren Weg liegt an der Bagienna-Straße eine kleine Marienkapelle, die im Mai zu einem bedeutenden Treffpunkt der örtlichen Gemeinschaft und der deutschen Minderheit wird. Was von außen schlicht wirkt, entfaltet hier jedes Jahr eine besondere Wirkung: ein Ort, an dem Glaube, Sprache und Erinnerung zusammenkommen.
Tradition mit tiefer Verwurzelung
Auch in diesem Jahr versammelten sich zahlreiche Gläubige zur traditionellen Maiandacht. Rund 225 Teilnehmer – Radfahrer, Familien mit Kindern sowie ältere und jüngere Besucher – kamen zusammen. Viele brachten Klappstühle, Decken und Zeit mit. Die große Beteiligung zeigte erneut, dass diese Tradition fest im lokalen Leben verankert ist.
Getragen wird die Veranstaltung vom Ortsverband der deutschen Minderheit in Gogolin – DFK Gogolin, der seit Jahren die Pflege dieses Ortes und die Organisation der Maiandachten übernimmt. Die zweisprachige Gestaltung ist dabei ein bewusstes Zeichen der Verbundenheit mit der regionalen Geschichte und der deutschen Kulturtradition.
„Dieser Ort ist in meinem Herzen. Es ist ein Teil meines Lebens und meiner Familie“, sagt Christine Polański, deren Familie sich seit Generationen um die Kapelle kümmert. Ihre Worte spiegeln wider, wie eng persönliche Biografie und dieser Ort miteinander verbunden sind.

Marienkapelle.
Foto: Dominika Bassek
Ein Ort der deutschen Sprache und Erinnerung
Die diesjährige Maiandacht wurde erneut zweisprachig von Pfarrer Dr. habil. Joachim Piecuch geleitet. In seiner Predigt rief er dazu auf, „die Augen zu öffnen – für den Mitmenschen und für das, was um uns geschieht“. Gleichzeitig erinnerte er daran, dass dieser Ort für viele Menschen über Jahrzehnte hinweg ein Raum war, in dem sie ihren Glauben in der eigenen Sprache leben konnten.
„Vor 1990 war das keine Selbstverständlichkeit. Hier traf man sich, sang gemeinsam und konnte sich zu Hause fühlen. Über viele Jahre hinweg war die Kapelle ein Ort, an dem Menschen ihren Glauben in deutscher Sprache leben konnten – besonders in Zeiten, in denen dies innerhalb der Kirche nicht selbstverständlich war.“
„Dieser Ort ist in meinem Herzen. Es ist ein Teil meines Lebens und meiner Familie.“
Christiane Polanski
An der Feier nahmen neben Pfarrer Piecuch auch ks. Stanisław Kołodziej, ks. Tomasz Rehlis sowie Bischof Wojciech Pracki aus der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen teil. Ihre Anwesenheit unterstrich den überkonfessionellen und verbindenden Charakter dieser traditionellen Maiandacht.

Auch in diesem Jahr versammelten sich zahlreiche Gläubige zur traditionellen Maiandacht.
Foto: Dominika Bassek
Gemeinschaft über Generationen hinweg
Die Organisation liegt seit vielen Jahren in den Händen von Krystian Polański, Vorsitzendem des DFK Gogolin. Er beschreibt die Pflege der Kapelle als langfristige gemeinschaftliche Aufgabe und betont den großen ehrenamtlichen Einsatz: „Das ist eine Lebensaufgabe. Alles, was hier passiert, entsteht durch gemeinschaftliche Arbeit und die Unterstützung von Spendern.“
In diesem Jahr gab es zudem besondere Akzente: Wasser aus der Quelle wurde an die Besucher verteilt, dazu Erinnerungskarten, Magnete und zweisprachige Informationsmaterialien. „Die Menschen sollen etwas mitnehmen, das sie an die Geschichte dieses Ortes erinnert“, so Krystian Polański.
Musikalisch begleitet wurde die Feier von der Blaskapelle Ozi Brass, die nach dem Gottesdienst für einen festlichen Abschluss sorgte. Anschließend blieb Zeit für Gespräche bei Kaffee und Kuchen – ein wichtiger Bestandteil des Treffens, der die Gemeinschaft stärkt.

Musikalisch begleitet wurde die Feier von der Blaskapelle Ozi Brass.
Foto: Dominika Bassek
Für viele Besucher ist die Maiandacht längst ein fester Termin im Jahreskalender. „Ich kann mir den Mai ohne diese Kapelle nicht vorstellen“, sagt eine Teilnehmerin. „Hier findet man Ruhe und fühlt sich verbunden.“
Die Kapelle in Gogolin ist damit weit mehr als ein religiöses Symbol. Sie ist ein Ort, an dem Erinnerung von Generation zu Generation weitergegeben wird. Gleichzeitig zeigt sie, dass gelebte Tradition auch heute noch Menschen zusammenbringen kann. Für die deutsche Minderheit in der Region bleibt sie ein wichtiger Teil gelebter Erinnerungskultur – ein Raum, in dem Sprache und Tradition nicht nur bewahrt, sondern jedes Jahr neu erlebt werden.
Dominika Bassek