Liegnitzer Geschichte bewahren
Ambrosius Bitschen gehört zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der mittelalterlichen Geschichte Liegnitz’. Um 1400 geboren, als Sohn des städtischen Schreibers, war er über viele Jahre Notar und wurde anschließend zweimal zum Bürgermeister der Stadt gewählt. Dennoch wurde er auf dem Marktplatz von Liegnitz enthauptet, und von dem Haus, in dem er wohnte, blieben nur noch Fassadenelemente erhalten. Genau diese will heute das Kupfermuseum in Liegnitz retten.
Ambrosius Bitschen war eine Säule der damaligen Verwaltung, ein gebildeter Mann – vermutlich studierte er in Padua, Bologna und Prag – sowie Autor wichtiger städtischer Bücher, dank derer Historiker heute ein Bild von Liegnitz im 15. Jahrhundert rekonstruieren können. Seine politische und wirtschaftliche Tätigkeit hatte großen Einfluss auf die Entwicklung der Stadt, machte ihn jedoch gleichzeitig zu einer kontroversen Figur.
Bitschen stand an der Spitze des Liegnitzer Patriziats in einer Zeit zunehmender sozialer Spannungen. Entscheidungen über die Annäherung an den König von Böhmen, neue Steuern und Privilegien für die Eliten führten zum Aufstand der Bürger. 1454 kam es zu einem gewaltsamen Aufstand – der Mob griff das Rathaus und Bitschen’s Haus an, und er selbst wurde als Verräter bezeichnet. Nach einem kurzen Prozess wurde er zum Tode verurteilt und am 24. Juli 1454 auf dem Marktplatz enthauptet. Sein tragisches Schicksal symbolisiert einen der stürmischsten Momente in der Geschichte der Stadt.
Zerstörung und Vergessen
Das Bitschen-Haus, an der Ecke des Liegnitzer Marktplatzes und der heutigen Rycerska-Straße gelegen, war über Jahrhunderte eines der bedeutendsten Gebäude der Stadt. Es überstand nicht nur die Wirren des Mittelalters, sondern auch die folgenden Epochen, wechselte Besitzer und Funktionen. Im 19. Jahrhundert war es als Maentlersches Haus bekannt. In diesem Gebäude hielt sich Napoleon Bonaparte während der Kampagne von 1813 zweimal auf.

Sitz des Kupfermuseums in Liegnitz.
Foto: Wikipedia
Obwohl das Haus Jahrhunderte überdauerte, wurde sein Schicksal erst in der Nachkriegszeit besiegelt. In den Jahren 1965–1968, während der Volksrepublik Polen, wurde das Gebäude abgerissen. Diese Entscheidung gilt bis heute als unverständlich und beraubte Liegnitz unwiederbringlich eines wertvollen Teils seines Erbes. An der Stelle des ehemaligen Hauses bleibt bis heute ein leerer Raum – ein sprechendes Zeugnis verlorener Geschichte.
Von dem einstigen Gebäude überdauerte nur das Renaissance-Portal, das in das Lapidarium des Kupfermuseums in Liegnitz gelangte. Dieses Fragment stellt heute das materielle Zeugnis der Existenz des Hauses und seiner früheren Pracht dar.
Spuren der Vergangenheit und Rettungsversuche
In den letzten Jahren wurden Maßnahmen ergriffen, um die Reste des Bitschen-Hauses zu bewahren. Das Kupfermuseum in Liegnitz erhielt im März dieses Jahres Fördermittel für die Konservierung der Renaissance-Fassadendekoration, die sich im Museumslapidarium befindet. Das Ensemble umfasst 56 Steinmetz-Elemente, die 2020 aus Sicherheitsgründen demontiert wurden.
In den letzten Jahren wurden Maßnahmen ergriffen, um die Reste des Bitschen-Hauses zu bewahren. Das Kupfermuseum in Liegnitz erhielt im März dieses Jahres Fördermittel für die Konservierung der Renaissance-Fassadendekoration.
Die Konservierungsarbeiten beinhalten unter anderem Reinigung, Entsalzung, Desinfektion sowie die Stabilisierung der Steinstruktur und Schutz vor Witterungseinflüssen. Ziel ist nicht nur der Schutz des Denkmals, sondern auch die Wiederherstellung seines ästhetischen Wertes und die erneute Zugänglichmachung des Lapidariums für Besucher.
Das Projekt, gefördert durch das polnische Ministerium für Kultur und Nationales Erbe, ist ein weiterer Schritt zur Rettung der materiellen Spuren der Stadtgeschichte. Auch wenn das Haus selbst nicht mehr wiederhergestellt werden kann, erinnern seine Fragmente weiterhin an Ambrosius Bitschen – einen Mann, der sich sowohl als herausragender Beamter als auch als tragische Gestalt seiner Zeit in die Geschichte Liegnitz’ eingeschrieben hat.

