Deutsche Minderheiten in Europa

3 April 2026, 12:30 Kultur 18

In unserer Reihe „Deutsche Minderheiten in Europa“ blicken wir über Grenzen hinaus und beleuchten, was die deutschen Minderheiten in ganz Europa bewegt.

Wichtiges Treffen in schwierigen Bedingungen

In schwierigen Zeiten brauchen nationale Minderheiten am meisten Unterstützung. Diesem Bedürfnis ist man in der Ukraine nachgegangen und hat eine Prüfung der Situation durch die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa eingeleitet. Auch die deutsche Minderheit war Gegenstand eines Treffens zu diesem Thema. Beim Gesandten der OSZE handelte es sich um Christophe Kamp, der vor allem aus erster Hand sich ein Bild über die Lage der Minderheiten machen wollte. Unter der Leitung von Ashot Avanesyan, dem Vorsitzenden des Rates der Nationalen Gemeinschaften der Ukraine, versammelte sich ein breites Spektrum an Ethnien – von Roma, Belarusen und Armeniern bis hin zu Tschechen, Griechen und Vertretern der arabischen Gemeinschaft. Im Fokus standen der Schutz von Sprachrechten, der Kampf gegen Diskriminierung sowie die rechtliche Absicherung der Minderheiten während der russischen Aggression. Die deutsche Minderheit betonte dabei ihre Rolle als Brückenbauer nach Europa und brachte ihre Expertise in die Gesetzgebung ein. Kommissar Kamp sicherte zu, die geschilderten Sorgen und Initiativen direkt in die künftige Arbeit der OSZE einfließen zu lassen, um die europäischen Standards im Minderheitenschutz auch unter Kriegsbedingungen zu wahren.

Quelle: deutsche.in.ua.

Vertreter nationaler Minderheiten aus der Ukraine mit dem Gesandten der OSZE.
Foto: deutsche.in.ua.

Jugendliche nehmen Erinnerungen auf

Wie man Erinnerungen auf eine jugendliche, moderne Art aufnimmt zeigt gerade, die deutsche Minderheit aus Ungarn. Dort nahm man die Geschichten von Zeitzeugen in Form eines Podcast auf. Unter dem inspirierenden Titel „Podcast trifft Erinnerungskultur“ wandelten junge Menschen historische Erzählungen in ein zeitgemäßes Audioformat um. Das Projekt bot Schülern und Studierenden, insbesondere aus den Reihen der deutschen Gemeinschaft, die Chance, Geschichte nicht nur aus Lehrbüchern zu lernen, sondern sie aktiv mitzugestalten. In einer mehrteiligen Workshopreihe tauchten die Teilnehmer tief in die Welt der Audioproduktion ein. Von der theoretischen Basis bis hin zur praktischen Umsetzung am Mikrofon lernten sie, wie man packende Interviews führt. Die Referentin Helen Hahmann begleitete die Nachwuchs-Podcaster dabei, die Berichte von Zeitzeugen und deren Angehörigen so aufzubereiten, dass ein lebendiges Bild der Vergangenheit entsteht. Diese Initiative, die vom Lenau Haus ins Leben gerufen wurde, entstand durch die enge Zusammenarbeit der ifa-Kulturmanagerin Carmen Rohrßen mit dem Germanistikinstitut der Universität Pécs. Beteiligt waren unter anderem Lernende des Valeria-Koch-Bildungszentrums sowie des Mihály Babits Gymnasiums.

Quelle: Lenau Haus.

Volksgruppenbuch bei Leipziger Messe der Hit

Ein Buch über die deutsche Minderheit in Kasachstan gewinnt im Moment zunehmend an Beliebtheit. Bei der unlängst stattgefunden Leipziger Buchmesse hat der Roman „Fische im Trüben“ eine Nominierung für den Messepreis erhalten. Das Erstlingswerk von Elli Unruh, die selbst in Kasachstan geboren wurde und heute am Deutschen Literaturarchiv in Marbach tätig ist, gilt als die große Überraschung der Literatursaison. Mit feinsinniger Poesie beleuchtet sie das Schicksal der Mennoniten in den 1970er- und 80er-Jahren, einer Gemeinschaft, für die das Deutsche zur letzten Bastion ihrer Identität wurde. Historisch verwurzelt in der Täuferbewegung der Reformationszeit, folgten viele Mennoniten einst dem Ruf Katharinas der Großen ins Russische Reich. Doch die zugesicherte Autonomie und Religionsfreiheit endeten jäh mit der Revolution 1917. Unter dem stalinistischen Regime folgten Enteignungen und nach dem deutschen Überfall 1941 die brutale Deportation nach Sibirien und Nordkasachstan. Unruh schildert eindringlich, wie die Überlebenden trotz Verboten und dem Stempel als „Volksfeinde“ in der zentralasiatischen Steppe versuchten, ihre Kultur zu bewahren. Ihr Roman gibt dieser oft vergessenen Geschichte der Russlanddeutschen eine kraftvolle, literarische Stimme.

Quelle: swr.de

Elli Unruh.
Foto: Amrei-Marie/Wikimedia Commons.

Wettbewerb für Minderheitenkünstler

Die Deutsche Gesellschaft bietet dieses Jahr literarisch begabten Angehörigen der deutschen Minderheiten eine Möglichkeit sich bei einem Wettbewerb zu beweisen. Unter dem Motto „Wortbrücken“ sucht der Verein zusammen mit der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen nach persönlichen Essays, die sich mit den Themen Identität, Herkunft und dem Leben zwischen verschiedenen Kulturen auseinandersetzen. Angesprochen sind junge Menschen im Alter von 15 bis 35 Jahren – darunter Spätaussiedler, Nachfahren von Vertriebenen sowie Mitglieder deutscher Gemeinschaften im Ausland. Ziel ist es, die oft unterrepräsentierten Perspektiven dieser „Brückenbauer“ sichtbar zu machen. Das Essay-Format bietet dabei den nötigen Freiraum, um eigene Erfahrungen und Gedanken kreativ zu verarbeiten. Wer teilnehmen möchte, kann seinen deutschsprachigen Text (1.500 bis 3.500 Wörter) bis zum 1. Juni 2026 einreichen. Eine Fachjury kürt die besten Arbeiten, die anschließend online veröffentlicht werden. Neben Preisgeldern für die ersten drei Plätze lobt die Stiftung Verbundenheit spezielle Sonderpreise für herausragende Beiträge aus den Minderheiten aus. Die feierliche Ehrung der Gewinner findet im September in Berlin statt.

Quelle: stiftung-verbundenheit.de.

Bild der Sudetendeutschen im neuen Buch verewigt

Das Bild eines schwierigen Schicksals wurde in einem unlängst veröffentlichten Buch im Kontext der Sudetendeutschen präsentiert. Dem Historiker Thomas Oellermann ging es dabei vor allem darum, präzise in der Darstellung zu sein. Mit seinem Gedenkbuch „Es ging um alles“ rückt er eine oft übersehene Gruppe ins Rampenlicht: die sudetendeutschen Sozialdemokraten, die sich mutig dem Nationalsozialismus entgegenstellten. Während die Mehrheit der Region Hitler zujubelte, zahlten diese Menschen einen hohen Preis – sie wurden verfolgt, in die Emigration getrieben oder ermordet. Und jene, die den Krieg überstanden, ereilte oft dennoch die Vertreibung aus der Tschechoslowakei. Da kein zentrales Parteiarchiv existiert, glich die Erstellung des Werkes einer mühsamen Detektivarbeit. Oellermann trug über Jahre hinweg 1.200 Biografien aus Zeitungsartikeln und privaten Quellen zusammen, um den vergessenen Akteuren ein Gesicht zu geben. Die Spanne reicht von kurzen Notizen über einfache Arbeiterinnen bis hin zu ausführlichen Lebenswegen politischer Schwergewichte wie Siegfried Taub. Herausgegeben in der Schriftenreihe der Seliger-Gemeinde, bietet das eine einzigartige Dokumentation über Zivilcourage und den harten Überlebenskampf einer demokratischen Minderheit in dunklen Zeiten.

Quelle: deutsch.radio.cz.

Handbuch für Seniorenarbeit

Gute Beispiele zu teilen ist ein beliebter Schlüssel zum Erfolg. Das wissen auch die Russlanddeutschen und geben eine Sammlung von Methoden zur Seniorenarbeit heraus. Für die geplante zweite Auflage dieses Leitfadens sind Experten und Praktiker aufgerufen, ihre bewährten Konzepte einzureichen. Bis zum 5. April können innovative Ideen für die Arbeit in Begegnungsstätten übermittelt werden. Gesucht werden moderne Ansätze, die das „aktive Altern“ fördern. Dazu zählen etwa Gedächtnistraining mit ethnokulturellem Fokus, Sprachzirkel oder IT-Kurse für die Generation 60plus. Auch die körperliche Vitalität steht im Mittelpunkt: Beiträge zu Nordic-Walking-Gruppen oder gesundheitsorientierten Workshops sind ausdrücklich erwünscht. Ein besonderes Augenmerk liegt zudem auf der sozialen Teilhabe. Projekte, die Einsamkeit bekämpfen oder den Dialog zwischen Jung und Alt durch Mentoring stärken, sollen anderen Einrichtungen als Inspiration dienen. Darüber hinaus sucht die Redaktion nach inklusiven Formaten für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen sowie nach psychologischen Hilfsangeboten zur Krisenbewältigung.

Quelle: rusdeutsch.ru.

Niederschlesien: Schloss in Eckersdorf stürzt ein
Poprzedni artykuł

Niederschlesien: Schloss in Eckersdorf stürzt ein

Wo Steine von Tragödie erzählen
Następny artykuł

Wo Steine von Tragödie erzählen