Mit Maria Gołąbek – Deutschlehrerin, Beraterin im Regionalen Lehrerfortbildungszentrum „WOM“ in Rybnik sowie Mitautorin des neuen Kerncurriculum für den Unterricht der Minderheitensprache – spricht Anna Durecka über die Realität des Unterrichts, die Motivation der Schüler und die Rolle der Lehrkraft.
Neues Wochenblatt.pl: Wie sieht heute der Deutschunterricht in der Woiwodschaft Schlesien aus?
Maria Gołąbek: Wenn wir den Deutschunterricht insgesamt betrachten, ohne noch zwischen Fremdsprache und Minderheitensprache zu unterscheiden, ist die Situation in den Grundschulen gar nicht schlecht. Deutsch erscheint nach wie vor sehr häufig als zweite Fremdsprache, und viele Schulen bieten es an. Natürlich ist deutlich zu sehen, dass Sprachen wie Spanisch oder Italienisch zunehmend stärker konkurrieren, aber Deutsch behauptet sich weiterhin recht gut.
Sehr viel hängt jedoch von der Unterrichtsweise ab. Wenn sich der Unterricht auf Lehrbuch und Übungen beschränkt, ist Begeisterung schwer zu erwarten. Wenn hingegen Kommunikation, Bewegung und Projekte hinzukommen, zeigt sich sofort eine ganz andere Einstellung der Schüler. Und hier ist die Rolle der Lehrkraft entscheidend – gerade heute muss man die Schüler zunächst davon überzeugen, dass Deutsch einfach „okay“ ist. Denn oft bekommen sie von zu Hause oder aus den Medien gegenteilige Signale.
Und wie sieht es in den weiterführenden Schulen aus?
Vor allem tritt hier die Wahl in den Vordergrund. Die Schüler haben mehrere Sprachen zur Auswahl und orientieren sie sich an ganz anderen Kriterien als wir Erwachsene. Für sie soll eine Sprache attraktiv sein, gut klingen, „cool“ sein. In diesem Moment verliert Deutsch oft gegen Spanisch oder Italienisch.
Hinzu kommt, dass die Schüler bereits mehrere Jahre Deutschunterricht in der Grundschule hinter sich haben – manchmal mit mehr, manchmal mit weniger Erfolg – und nicht immer Lust haben, dies fortzusetzen. Aus unserer Perspektive wissen wir, dass Deutsch große berufliche Chancen bietet, aber für einen Vierzehn- oder Fünfzehnjährigen ist das noch eine sehr ferne Zukunft. Jugendliche wählen das, was ihnen hier und jetzt gefällt.
Ist Englisch also keine Konkurrenz?
Nein. Englisch ist selbstverständlich – die erste, verpflichtende Fremdsprache. Niemand stellt sie infrage. Die Konkurrenz beginnt erst bei der Wahl der zweiten Fremdsprache. Und hier muss Deutsch tatsächlich mit anderen Sprachen konkurrieren.
Wie steht es vor diesem Hintergrund um Deutsch als Minderheitensprache?
Hier ist die Situation komplexer und hängt in hohem Maße von lokalen Faktoren ab. Eine Schlüsselrolle spielen vor allem die Schulleitung und die Lehrkraft selbst – ob sie im Unterricht der Minderheitensprache einen Wert sehen und diesen den Eltern überzeugend vermitteln können.
Dort, wo die Sprache gut „beworben“ wird und ihre Bedeutung für die Entwicklung des Schülers sowie für die Identitätsbildung betont wird, lernen sie oft ganze Klassen. Es kommt jedoch auch vor, dass Schulleitungen nicht vollständig überzeugt sind und nicht aktiv über diese Möglichkeit informieren – dann ist das Interesse deutlich geringer oder der Unterricht findet gar nicht statt.
Schüler erinnern sich nach Jahren nicht genau daran, was sie gelernt haben, aber sehr wohl daran, wie sie sich im Unterricht gefühlt haben. Wenn die Lehrkraft authentisch ist und zeigt, dass ihr das, was sie tut, wichtig ist, dass sie daran glaubt und sich dafür interessiert, dann gehen die Schüler ganz anders damit um.
In der Woiwodschaft Schlesien lernen derzeit über 23.000 Schüler in etwa 115 Grundschulen Deutsch als Minderheitensprache. Das zeigt die Dimension, spiegelt aber nicht alle Herausforderungen wider.
Zu den wichtigsten zählen die Ereignisse der letzten Jahre – insbesondere die Kürzung der Unterrichtsstunden. In dieser Zeit entschieden sich einige Eltern, ihre Kinder vom Unterricht abzumelden, und die Schüler verloren die Kontinuität im Kontakt mit der Sprache. Eine Stunde pro Woche reichte oft nicht aus, um das Niveau und das Engagement aufrechtzuerhalten – es kam vor, dass Schüler wegen schulischer Ereignisse mehrere Wochen lang überhaupt keinen Kontakt mit der Sprache hatten.
Ein noch gravierenderer Effekt war der Verlust eines Teils des Lehrpersonals. Viele Lehrkräfte – oft sehr engagierte – verließen den Beruf und suchten in anderen Bereichen nach mehr Stabilität. Und größtenteils kehrten sie nicht zurück. Diese Erfahrung hat im Umfeld ein Gefühl der Unsicherheit hinterlassen, das bis heute spürbar ist: Lehrkräfte wissen, dass sich die Situation je nach politischen Entscheidungen ändern kann, und fragen sich, ob ihre Arbeit langfristig sicher ist.
Ein zusätzliches Problem besteht darin, dass die Einschränkungen ausschließlich Deutsch als Minderheitensprache betrafen, was bei Lehrkräften und im Umfeld ein Gefühl der Ungerechtigkeit hervorruft. In der Folge arbeiten viele – selbst wenn sie weiterhin im Schuldienst sind – mit einer gewissen „Sicherheitsreserve“, indem sie zusätzliche Qualifikationen erwerben oder alternative berufliche Wege in Betracht ziehen.
Können neue Vorschriften, die den Unterricht in den Klassen VII–VIII ermöglichen, etwas verändern?
Die Änderungen gehen in die richtige Richtung, doch ihre Wirksamkeit hängt wiederum von der schulischen Praxis ab. Entscheidend ist, ob Lehrkräfte und Schulleitungen die Eltern von der Fortsetzung überzeugen können.
Das ist nicht einfach, da Schüler in höheren Klassen bereits einen sehr vollen Stundenplan haben und jede zusätzliche Stunde oft als Belastung wahrgenommen wird. Deshalb ist der Unterricht der Minderheitensprache heute nicht nur eine Frage des Lehrplans oder der Stundenzahl, sondern vor allem die Fähigkeit, ihren Wert sichtbar zu machen – in bildungspolitischer, beruflicher und kultureller Hinsicht. Ohne das wird es schwer sein, das Interesse der Schüler zu halten oder gar zu steigern.
Wie sollte ein effektiver Sprachunterricht aussehen?
Sicherlich nicht als 45 Minuten Arbeit mit Lehrbuch und Übungen. Dieses Modell funktioniert heute einfach nicht mehr. Schüler brauchen etwas völlig anderes – vor allem Kommunikation, Aktivität und das Gefühl, dass die Sprache einen realen Nutzen hat.
Deshalb ist es so wichtig, Bewegungselemente, Projektarbeit und verschiedene Formen der Aktivität einzuführen, die sie nicht nur intellektuell, sondern auch emotional einbeziehen. Im neuen Kerncurriculum, an dem ich mitgearbeitet habe, haben wir stark auf erfahrungsbasiertes Lernen gesetzt. Es geht darum, dass die Sprache nicht nur ein „Schulfach“ ist, sondern ein lebendiges Werkzeug – dass die Schüler sie praktisch anwenden können.

Maria Gołąbek, Deutschlehrerin, Beraterin im Regionalen Lehrerfortbildungszentrum „WOM“ in Rybnik und Mitautorin des neuen Kerncurriculum für den Unterricht der Minderheitensprache.
Foto: privat
Das können digitale Projekte sein, generationenübergreifende Interviews, Aktivitäten im Zusammenhang mit lokaler Kultur, Besuche von Institutionen – alles, was die Sprache mit der Lebenswelt der Schüler verbindet.
Sehr wichtig war uns auch, der Lehrkraft große Autonomie zu geben – denn sie kennt ihre Gruppe am besten und weiß, was in einem konkreten Fall funktioniert. Natürlich verschwindet die Grammatik nicht völlig, aber sie steht nicht mehr im Mittelpunkt. Entscheidend wird die Kommunikation, die Alltagssprache, die natürliche Anwendung.
Die Lehrkraft spielt eine Schlüsselrolle.
Ich sage immer: Die Schüler erinnern sich nach Jahren nicht genau daran, was sie gelernt haben, aber sehr wohl daran, wie sie sich im Unterricht gefühlt haben. Wenn die Lehrkraft authentisch ist, wenn sie zeigt, dass ihr das, was sie tut, wichtig ist, dass sie selbst daran glaubt und sich dafür interessiert, dann gehen die Schüler ganz anders damit um.
Wenn hingegen jemand nur „den Stoff durchzieht“, sich ausschließlich auf das Lehrbuch stützt und selbst nicht ganz überzeugt ist, merken die Schüler das sofort. Gerade im Fall der Minderheitensprache ist das von großer Bedeutung – denn hier geht es auch um Identität, Kultur, also um mehr als nur Wortschatz und Grammatik.
Schüler sollten die Minderheitensprache nicht als „Sprache der Vergangenheit“ wahrnehmen, losgelöst von heutiger Identität und aktuellen Kommunikationsformen. Es ist äußerst wichtig zu betonen, dass Sprache und Kultur der Minderheit lebendige und dynamische Phänomene sind – das fördert eine stärkere Identifikation der Schüler mit dem Fach.
Deshalb sollte die Lehrkraft heute nicht mehr jemand sein, der vorne steht und Wissen vermittelt, während die Schüler still sitzen und mitschreiben. Sie sollte vielmehr ein Begleiter sein – jemand, der die Schüler führt, inspiriert, ihnen eine Richtung zeigt und Raum zum Handeln gibt. Und genau in diese Richtung wollten wir bei der Erstellung des neuen Lehrplans gehen: mehr Freiheit, mehr Verantwortung, aber auch mehr Möglichkeiten für kreative Arbeit.