Marlene Dietrichs Lieder zum 35-jährigen Jubiläum des deutsch-polnischen Vertrags

29 April 2026, 12:00 Kultur 18

Im Hotel Hugo in Kandrzin-Cosel fand das Konzert „Zwischen den Worten. Eine Geschichte über das Lied, das Grenzen überwand“ statt. Zu einem Abend mit Liedern von Marlene Dietrich hatte der deutsche Konsul in Oppeln, Peter Herr, eingeladen. Das Konzert wurde anlässlich des 35. Jahrestages des deutsch-polnischen Vertrags „Über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit“ veranstaltet.

Bevor die Klänge des Hits „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ erklangen, den Marlene Dietrich im Film „Der blaue Engel“ sang, begrüßte Konsul Peter Herr die Anwesenden und erinnerte an die Botschaft des Konzerts zum 35. Jahrestag des deutsch-polnischen Vertrags.

„Die Lieder von Marlene Dietrich sind ausdrucksstark und verbinden Menschen“, sagte der Konsul. „Sie erzählen von Liebe, Frieden und Identität. Sie bauen eine emotionale Brücke zwischen Deutschen und Polen. Im Kontext des Vertragsjubiläums wirken diese Lieder wie sanfte Diplomatie. Sie schaffen gegenseitiges Verständnis durch Kultur. Gerade die Kultur ermöglicht es uns heute, gemeinsame polnische und deutsche Werte sowie die deutsch-polnische Freundschaft zu bekennen.“

Rafal Bartek, Vorstandsvorsitzender VdG.
Foto: Krzysztof Ogiolda

35 Jahre deutsch-polnischer Vertrag – er erforderte großen Mut

Der Marschall der Woiwodschaft Oppeln, Szymon Ogłaza, erinnerte daran, dass der 1991 von Helmut Kohl und Jan Krzysztof Bielecki unterzeichnete Vertrag zu einem Zeitpunkt geschlossen wurde, als die Tragödie des Zweiten Weltkriegs erst etwas mehr als 45 Jahre zurücklag. Diese Jahre wurden in Polen von Politikern zynisch genutzt, um Spannungen zwischen Deutschen und Polen aufzubauen und aufrechtzuerhalten sowie eine Atmosphäre der Bedrohung durch Deutschland zu schaffen, um das Verbleiben Polens auf der schlechteren Seite des Eisernen Vorhangs zu rechtfertigen.

„Der Vertrag erforderte von beiden Regierungen großen Mut. Die Rolle, die Deutschland beim Beitritt Polens zur Europäischen Union spielte, ist kaum hoch genug einzuschätzen. Von Deutschland haben wir auch in hohem Maße die kommunale Selbstverwaltung und die Arbeit an der Basis gelernt. In der Woiwodschaft Oppeln in besonderer Weise“, sagte Szymon Ogłaza.

„Man muss auch ein Jubiläum erwähnen, das ebenfalls im Jahr 2026 begangen wird. Es ist das 20-jährige Bestehen der Regierungskoalition in der Woiwodschaft Oppeln. Es waren gute 20 Jahre für unsere Region. Ohne den Vertrag und ohne die Schaffung rechtlicher und akzeptabler Rahmenbedingungen für die Existenz der deutschen Minderheit hätten wir für diese Koalition keinen verlässlichen Partner gehabt“, stellte er fest.

Der Vorsitzende des Woiwodschaftssejmiks und der deutschen Minderheit, Rafał Bartek, bezog sich auf den Titel des Vertrags: „Vor 35 Jahren den deutsch-polnischen Vertrag ‚Über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit‘ zu unterzeichnen, war wirklich nicht einfach“, sagte er.

Peter Herr, Deutscher Konsul in Oppeln.
Foto: Krzysztof Ogiolda

Die Einwohner des Oppelner Schlesiens als Wegbereiter

Andrzej Buła, Abgeordneter des Europäischen Parlaments, betonte, dass das Oppelner Land und seine Bewohner als zentrale Akteure des deutsch-polnischen Vertrags gelten könnten. „Gute Nachbarschaft begann bei uns nach 1945“, sagte er. „Als Menschen aus dem Osten und aus Zentralpolen kamen. Eine große Rolle beim Aufbau dieser Nachbarschaft spielten die Schlesier – sie nahmen die Ankommenden auf und liehen ihnen sogar Saatgut für die erste Aussaat. Obwohl alle in großer Angst lebten.“

„Die Lieder von Marlene Dietrich sind ausdrucksstark und verbinden Menschen“, sagte der Konsul. „Sie erzählen von Liebe, Frieden und Identität. Sie bauen eine emotionale Brücke zwischen Deutschen und Polen. Im Kontext des Vertragsjubiläums wirken diese Lieder wie sanfte Diplomatie.“

Der Europaabgeordnete betonte zudem die Rolle der Kirche bei der Überwindung dieser Ängste. Er erinnerte an den ersten Administrator der Diözese, Pfarrer Bolesław Kominek, der gemeinsame schlesisch-kresische Pfarreien gründete und später den historischen Brief der polnischen an die deutschen Bischöfe verfasste, sowie an Erzbischof Alfons Nossol, den Initiator der Versöhnungsmesse in Kreisau.

Als letzter sprach der stellvertretende Woiwode von Oppeln, Piotr Pośpiech: „35 Jahre Vertragswerte und Beispiele ihrer praktischen Umsetzung finden wir im Leben der Region, Polens und Deutschlands – und ich denke auch im Leben eines jeden von uns“, betonte er. „Diese 35 Jahre stehen für enorme Entwicklung und Zusammenarbeit.“

Das Publikum dankte den Künstlern mit stehenden Ovationen.
Foto: Krzysztof Ogiolda

35 Jahre deutsch-polnischer Vertrag – mit Liedern von Marlene Dietrich

Dann erklangen die Lieder von Marlene Dietrich – auf Deutsch und Polnisch. Zu hören waren jene Stücke, die die große Schauspielerin vor dem Krieg in Berliner Clubs sang, etwa „Ich bin die fesche Lola“. Auch „Lili Marleen“, das im Zweiten Weltkrieg von deutschen und alliierten Soldaten gehört wurde, durfte nicht fehlen. Ebenso erklang der Nachkriegs- und Antikriegssong „Wo sind die Jungen aus jenen Jahren“ (in Polen in den 1960er Jahren durch Sława Przybylska bekannt gemacht).

Schließlich erklangen vom Podium im Hotel Hugo auch Lieder von Czesław Niemen, die Marlene Dietrich mochte und interpretierte, darunter „Erinnerst du dich noch an mich“ und „Ein Traum von Warschau“. Gesungen wurden sie von Anna Wicher, Hanna Rataj und Izabela Migocz, die gemeinsam mit Klaudia Regina Baron das zweisprachige Konzert moderierte. Die Band „Take Style“ spielte bravourös auf. Das Publikum dankte den Künstlern mit stehenden Ovationen.

Krzysztof Ogiolda

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