In dankbarer Erinnerung

In memoriam

31 Oktober 2026, 11:30 Kultur

Die Erinnerung an einen Menschen lebt über den Tod hinaus. Sie zeigt sich in Worten und Bildern, in Orten und Werken, aber auch in dem, was Menschen gemeinsam geschaffen und bewegt haben. Vieles davon wirkt weiter – in den Gemeinschaften vor Ort, in den Organisationen der deutschen Minderheit und in den Begegnungen zwischen Menschen. Zu Allerheiligen gedenken wir jener, die nicht mehr unter uns sind, deren Wirken jedoch Spuren hinterlassen hat, die bleiben.

Rita Süssmuth

Die CDU-Politikerin war Präsidentin des Deutschen Bundestages und die erste Bundesministerin für Frauenfragen. Sie gehörte zu den bedeutendsten Vertreterinnen der Versöhnungsgeneration und setzte sich über viele Jahre für den deutsch-polnischen Dialog ein. 2025 wurde sie für ihre Verdienste um die Versöhnung zwischen beiden Ländern mit dem Sonderpreis des Deutsch-Polnischen Preises ausgezeichnet. Sie stand außerdem an der Spitze des Deutschen Polen-Instituts, engagierte sich in der Stiftung Genshagen und unterstützte die Idee eines Denkmals im Zentrum Berlins, das an die polnischen Opfer des Zweiten Weltkriegs erinnern soll. In der deutschen Politik setzte sie sich unter anderem für Frauenrechte, die Unterstützung von Menschen mit AIDS und die Anerkennung Deutschlands als Einwanderungsland ein.

Foto: Wikipedia

Henryk Steinhoff

Ein engagierter Bürger und Liebhaber der Geschichte von Krappitz sowie langjähriger Aktivist der deutschen Minderheit. 1997 gründete er die Ortsgruppe der Wohltätigkeitsgesellschaft der Deutschen in Schlesien in Krappitz. Seit 2002 gehörte er außerdem dem Vorstand der Gesellschaft an und war viele Jahre sein Vorsitzender. Über viele Jahre war er auch Vorsitzender der Ortsgruppe der Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Deutschen im Oppelner Schlesien (SKGD) in Krappitz. Einen besonderen Platz in seinem Lebenswerk nimmt die polnische Übersetzung des monumentalen Werkes von Dr. Johannes Chrząszcz über die Geschichte der Stadt Krappitz in Oberschlesien ein. Mehrere Jahre arbeitete er an der Übersetzung und ergänzte sie um Anmerkungen, Fotografien, Abbildungen und zusätzliche Ausarbeitungen. Dank seiner Beharrlichkeit wurde eine wichtige Quelle zur Geschichte von Krappitz für nachfolgende Generationen von Einwohnern und Regionalforschern zugänglich.

Foto: Lucas Netter

Helena Kokot

Eine Forscherin der Geschichte von Groß Döbern, Sammlerin historischer Fotografien und Dokumente sowie eine Frau, die über viele Jahre mit außergewöhnlicher Sorgfalt Wissen über die Einwohner und ihre Familiengeschichten zusammentrug. 1994 veröffentlichte das Schlesische Institut in Oppeln ihr Buch „Odra w życiu mieszkańców Dobrzenia“ („Die Oder im Leben der Einwohner von Groß Döbern“), das die Bedeutung des Flusses für die örtliche Gemeinschaft dokumentiert. Ein Jahr später bereitete sie eine überarbeitete Ausgabe der 1935 erschienenen „Chronik der Pfarrei Groß Döbern“ von Pfarrer Roch Szajca vor. Durch ihre langjährigen Nachforschungen bewahrte sie zahlreiche Geschichten und wertvolle Informationen vor dem Vergessen. Sie erstellte außerdem eine Liste der aus Groß Döbern stammenden Opfer des Ersten und Zweiten Weltkriegs, die auf Gedenktafeln verewigt wurden. Diese wurden Ende 2025 nach der Ergänzung fehlender Namen erneut enthüllt. Für ihre Verdienste um die Region wurde sie mit einer Auszeichnung des Marschalls der Woiwodschaft Oppeln geehrt. Für viele Einwohner war sie nicht nur eine Forscherin der Vergangenheit, sondern auch eine Wegbegleiterin bei der Suche nach den eigenen familiären Wurzeln.

Foto: Leonard Kokot

Doris Stempowska

Eine Zeitzeugin der Geschichte von Fürstenstein und Waldenburg sowie langjährige Aktivistin der deutschen Minderheit. Sie wurde auf dem Gelände des Schlosses Fürstenstein in einer Familie aufgezogen, die seit Generationen mit den Hochbergs verbunden war. Sie erlebte die Veränderungen am Schloss während des Krieges und das Nachkriegsleben im nun polnischen Waldenburg. Als Zwölfjährige besuchte sie eine polnische Schule, ohne die Sprache zu beherrschen. Sie lernte jedoch schnell Polnisch und blieb ihr ganzes Leben lang mit ihrem Geburtsort verbunden. 1988 trat sie der Deutschen Sozial-Kulturellen Gesellschaft in Waldenburg bei, 2014 übernahm sie deren Vorsitz. Sie organisierte regelmäßige Treffen, bei denen die Mitglieder Deutsch sprechen und Lieder aus ihrer Kindheit singen konnten. Außerdem initiierte sie das Chortreffen „Beati Cantores“, das Chöre der deutschen Minderheit aus Nieder- und Oberschlesien sowie aus Deutschland zusammenbrachte. Für ihr Engagement für Kultur, Erinnerung und den deutsch-polnischen Dialog erhielt sie unter anderem das Bronzene Verdienstkreuz der Republik Polen, das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland sowie 2023 den Titel „Verdienstvolle Bürgerin der Stadt Waldenburg“.

Foto: VdG

Bernhard Serwuschok

Ein engagierter Sozialhelfer und Wohltäter, der fast drei Jahrzehnte lang Hilfstransporte aus Deutschland nach Oberschlesien organisierte. Seine Unterstützung für die Einwohner der Region begann nach dem Hochwasser von 1997, als er Hilfsgüter an Krankenhäuser, Kinderheime und Pflegeeinrichtungen lieferte. Im Laufe der Jahre weitete er seine Tätigkeit auf ältere und kranke Menschen, Kinder sowie freiwillige Feuerwehren aus. Im Rahmen der Initiative „Schlesien Hilfe“ organisierte er Schätzungen zufolge mehr als 300 Transporte mit insgesamt über 800 Tonnen Hilfsgütern im Wert von fast 23 Millionen Złoty. Für die Hilfe setzte er seine eigene Freizeit und seinen Urlaub ein und führte seine Tätigkeit auch nach dem Eintritt in den Ruhestand fort. Er war Mitglied des Malteserordens in Deutschland und wurde mit dessen Goldener Verdienstmedaille ausgezeichnet. 2008 erhielt er den Titel des Ehrenbürgers der Gemeinde Groß Döbern. In Erinnerung bleibt er als ein außergewöhnlich herzlicher Mensch, der half, ohne dafür Dankbarkeit zu erwarten.

Foto: Freiwillige Feuerwehr Czarnowanz

Andrzej von Dramsky

Ein Aktivist der deutschen Minderheit und Mitgestalter sportlicher Initiativen, der sich besonders für Kinder und Jugendliche einsetzte. Er gründete die erste Miro Deutsche Fußballschule in der Woiwodschaft Schlesien, und zwar in Wieschowa. Er war Vorsitzender des dortigen DFK sowie Mitglied des Vorstands der Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Deutschen in der Woiwodschaft Schlesien (SKGD). Mit großem Engagement unterstützte er junge Fußballspieler und half ihnen, sowohl ihre sportlichen Fähigkeiten als auch ihre Deutschkenntnisse weiterzuentwickeln. Er gestaltete das gesellschaftliche und kulturelle Leben der örtlichen Gemeinschaft mit und setzte sich für die Pflege der Identität und den Aufbau zwischenmenschlicher Beziehungen ein. Er wird als ein Mensch in Erinnerung bleiben, der seiner Aufgabe, den jungen Menschen und seiner Heimat Schlesien mit großer Hingabe verbunden war.

Foto: Miro Deutsche Fußballschule

Józef Mandla

Vorsitzender der DFK-Ortsgruppe in Lendzin sowie Vorsitzender der Revisionskommission des Künstlerklubs „Kontrast“ in Lendzin. Er engagierte sich im gesellschaftlichen und kulturellen Leben seines Ortes. Mit seiner Arbeit trug er dazu bei, Traditionen zu pflegen und Initiativen zu unterstützen, die die Einwohner zusammenbrachten. Sein Engagement in der deutschen Minderheit verband er mit seinem Einsatz für die örtliche Gemeinschaft.

Foto: www.lendziny.pl

Heidi Freifrau von Rosenberg

Eine engagierte Helferin, die über Jahrzehnte hinweg die Bewohner bedürftiger Regionen des ehemaligen Ostpreußens, insbesondere in Masuren, unterstützte. Seit 1991 fuhr sie mehrmals im Jahr selbst Lastwagen mit Tausenden von Päckchen und tonnenweise Hilfsgütern zu den Sozialstationen der Johanniter in Masuren. Die langen Fahrten, die häufig unter schwierigen Straßen- und Wetterbedingungen stattfanden, erforderten große Ausdauer. Gemeinsam mit ihrem Ehemann, Adalbert Freiherr von Rosenberg, setzte sie sich für Menschen in Not ein. Wie sie selbst betonte, blieb diese Hilfe auch viele Jahre nach Beginn der Hilfsaktionen notwendig. Ihr Engagement zeigte, dass Solidarität nicht bei Worten endet, sondern Zeit, Mühe und persönlichen Einsatz erfordert.

Józef Kuck

Ein langjähriger Sozialaktivist und Vorstandsmitglied der Allensteiner Gesellschaft Deutscher Minderheit. Mit großem Engagement setzte er sich für die Angehörigen der deutschen Gemeinschaft in der Region ein und unterstützte deren Initiativen und laufende Arbeit. Er war auch mit dem örtlichen Kulturleben verbunden und engagierte sich unter anderem in Aufsichtsgremien der Gesangsgesellschaft „Canticorum“ in Allenstein. Seine Arbeit war Teil des langjährigen Einsatzes für den Erhalt des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens der deutschen Minderheit in Ermland und Masuren.

Jan Mencler

Ein langjähriger Aktivist der deutschen Minderheit und von 1998 bis 2006 Bürgermeister von Oberglogau. Er bekleidete dieses Amt als Vertreter der deutschen Minderheit und engagierte sich für die Entwicklung der Gemeinde sowie für den deutsch-polnischen Dialog und die Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern. Seit 2023 gehörte er dem Gemeindevorstand der Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Deutschen im Oppelner Schlesien – Stadt Oberglogau an, wo er seine Erfahrung und sein Wissen einbrachte. Über viele Jahre hinweg blieb er ein aktiver Teil des öffentlichen Lebens in der Region und unterstützte Initiativen zugunsten der örtlichen Gemeinschaft und der deutschen Minderheit.

Foto: Stadt- und Gemeindeamt Oberglogau

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