Was Interessantes kann man in Graudenz sehen? Das weiß am besten Andreas Gehrke, gebürtiger Graudenzer und Vorsitzender der Gesellschaft der Bevölkerung Deutscher Abstammung in dieser Stadt. Gerne gibt er dieses Wissen an andere weiter.
Am Samstag, dem 8. August, machte sich die Konitzer Gesellschaft der Bevölkerung Deutscher Abstammung mit 32 Personen auf den schon lange geplanten Ausflug nach Graudenz. Warum ausgerechnet dorthin?
„Weil diese Stadt eine interessante Geschichte und viele sehenswerte Orte mit deutscher Vergangenheit zu bieten hat“, erklärt Marzena Leszczyńska, die Vorsitzende der Konitzer Gesellschaft.
Sehenswürdigkeiten an der Weichsel
Was hat diese Stadt an der Weichsel den Touristen also zu bieten?
Das Speicherensemble aus dem 14. bis 18. Jahrhundert, das am Ufer der Weichsel steht und eine einzigartige Stadtsilhouette bildet, den Schlossberg und den Klimek-Turm – die Überreste der ehemaligen Deutschordensburg, das Wassertor – das einzige erhaltene mittelalterliche Stadttor, das Teil der Stadtmauer ist, die Altstadt und den Marktplatz, die hervorragend erhaltene preußische Zitadelle aus dem 18. Jahrhundert, das Benediktinerinnen-Klosterensemble sowie die St.-Nikolaus-Basilika – eine der ältesten Kirchen der Stadt, deren Geschichte bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht.

Graudenz begeisterte die Ausflugsteilnehmer mit seiner reichen Geschichte und seinen einzigartigen Sehenswürdigkeiten.
Fotos: Archiv der Konitzer Gesellschaft der Bevölkerung Deutscher Abstammung
Die Graudenzer Speicher sind eines der charakteristischsten Elemente der Stadtsilhouette. Ihre Anfänge reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück, und im Laufe der folgenden Jahrhunderte wurden sie mehrfach umgebaut und wiederaufgebaut.
Andreas und Józef
Durch all diese Besonderheiten Graudenz‘ führte und erzählte fachkundig Andreas Gehrke.
Mit einer Ausnahme. Als die Ausflugsgruppe den Schlossberg betrat, übernahm Józef Januszewski aus Konitz, ein Geschichtsliebhaber, die Führung.
Józef hatte für diesen Moment einen Vortrag über die Deutschordensburg in Graudenz vorbereitet, von der heute nur noch Reste erhalten sind, darunter der Klimek-Turm. Dabei handelt es sich nicht um das Original, sondern um eine Nachkriegsrekonstruktion. Der ursprüngliche Turm wurde 1945 von deutschen Truppen gesprengt. Bereits 1806 war der Abriss des Turms eingestellt worden, sodass er die folgenden Jahrzehnte überstand.
Andreas lenkte die Aufmerksamkeit der Menschen auf das Sichtbare, während Józef sie aufforderte, ihre Vorstellungskraft zu bemühen.
„Beide erwiesen sich als erfolgreich, denn unsere Leute kehrten sehr zufrieden nach Hause zurück“, versichert Marzena Leszczyńska, die Vorsitzende.
Geschichte, die man sich vorstellen kann
Der Ausflug war also nicht nur eine Gelegenheit, die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Graudenz‘ zu sehen, sondern auch die Geschichte der Stadt aus der Perspektive ihrer Bewohner und Liebhaber der lokalen Geschichte kennenzulernen.

Während des Ausflugs gab es zahlreiche Erzählungen über die Geschichte Graudenz‘ und seine deutsche Vergangenheit.
Fotos: Archiv der Konitzer Gesellschaft der Bevölkerung Deutscher Abstammung
Das Projekt wurde vom deutschen Bundesministerium des Innern und für Heimat über den Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen finanziert.