Der Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen (VdG) hat einen Wettbewerb für eigene Musikstücke ausgeschrieben. Gewonnen hat Andrea Rischka mit ihrem Lied „Das ist unsere Zeit“. Als Hauptpreis warten eine professionelle Studioaufnahme, ein Musikvideo und ein Auftritt beim Kulturfestival der Deutschen Minderheit 2027 in Breslau.
„Wir wollten die Künstler aus den Reihen der deutschen Minderheit ein bisschen aus der Komfortzone locken. Es sind sehr talentierte Menschen, und wir glauben, sie sollten nicht nur bekannte Lieder spielen, sondern auch eigene Stücke schreiben und persönliche Geschichten erzählen.“, erklärt Anna Nawrot, Kulturreferentin beim VdG und Koordinatorin des Wettbewerbs.
Die Teilnahmebedingungen waren klar: Das Lied musste selbst komponiert sein, mindestens 70 Prozent des Textes mussten auf Deutsch sein. Künstliche Intelligenz durfte nicht verwendet werden. Eine Audioaufnahme und ein kurzes Video gehörten ebenfalls zur Bewerbung.
Persönliche Geschichten in eigenen Liedern
Für die dem DFK Ottmuth angehörende Julia Chrobok von der Band Keen Flow war der Wettbewerb eine Gelegenheit, musikalisch neue Wege zu gehen: „Wir machen viele Covers, aber wir schreiben auch eigene Lieder. Der Wettbewerb hat uns auch motiviert ein weiteres zu schreiben“, erzählt sie.

Die Teilnehmer des Musikwettbewerbs bei der Verleihung der Teilnehmerurkunden.
Foto: Mika Ballhausen
Mit „Ich und Du“ wollte die Band das deutsch-polnische Zusammenleben thematisieren. „Das Lied zeigt, wie wichtig Zusammenarbeit ist. Wir lassen die gemeinsame Geschichte zur Lehrmeisterin werde“, sagt die Wettbewerbsteilnehmerin. Die Zusammenarbeit sei wichtig, „damit sich die Geschichte nicht wiederholt“. Über die Arbeit am Lied sagt sie: „Definitiv keine KI, da sind wir Künstler wohl alle einer Meinung“.
Auch der Künstler Markus hat seine persönlichen Erfahrungen musikalisch verarbeitet. Sein Lied trägt den Titel „Der Abend zieht über Schlesien“. Die Inspiration fand er in seiner Verbundenheit mit der Region: „Es war eigentlich die Landschaft, die mich begeistert hat.“ Inzwischen pendelt er seit sechs Jahren zwischen Deutschland und Polen. Die Instrumente spielte er selbst ein und sang den Titel ebenfalls selbst ein.
Alexandra Bastian, die unter dem Künstlernamen Avivience auftritt, widmete sich in ihrer Ballade „Unsere Ahnen wären stolz auf uns“ der Dankbarkeit gegenüber den Vorfahren. Es geht um das Erbe, das sie hinterlassen haben, und darum, es im Herzen zu bewahren und an die Kinder weiterzugeben. Obwohl sie nicht gewann, steht für sie fest: „Das wird auf jeden Fall produziert.“
Eine knappe Entscheidung
Die Jury hatte keine leichte Aufgabe. Die Einsendungen unterschieden sich sowohl musikalisch als auch hinsichtlich der Darbietung. „Jeder Beitrag hatte seinen eigenen Charakter und etwas Besonderes zu bieten“, heißt es in der Bilanz der Organisatoren.
Auch Jurymitglied Martina Bernacka erinnert sich an die schwierige Auswahl: „Ja, es warennur wenige Punkte, weil jeder wirklich super war. Andrea Rischkas Lied war besonders emotional gewesen.“

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Musikwettbewerbs mit Vertreterinnen und Vertretern des VdG und der Jury.
Foto: Mika Ballhausen
Die Gewinnerin selbst zeigte sich überrascht: „Ich bin total überrascht“, sagt sie. Ihr Lied handelt vom Zusammenleben, von Kompromissen und der Suche nach Harmonie. Das könne auch die Situation der deutschen Minderheit in Polen beschreiben: „Das ist nicht immer leicht, aber irgendwie finden wir alle zueinander, und das ist das Schöne daran.“
Auf die Sigerin Andrea Rischka warten nun die professionelle Studioaufnahme und die Produktion eines Musikvideos: „Ich sammel schon jetzt erste Ideen, wie wir das umsetzen könnten“ freut sie sich. Alle Teilnehmer bekamen Sachpreise.
Die Durchführung des Wettbewerbs wurde durch die finanzielle Unterstützung der Selbstverwaltung der Woiwodschaft Oppeln sowie der Stiftung für die Entwicklung Schlesiens ermöglicht.