Von bewegenden Zeitzeugenberichten über kulturelle Begegnungen bis hin zu politischen Herausforderungen und journalistischer Nachwuchsförderung: Deutsche Minderheiten in Europa und Zentralasien bewahren ihr Erbe, stärken den Austausch und gestalten ihre Zukunft.
Im Dienste der Zeitzeugen
Die Bewahrung der Erinnerungen von Zeitzeugen ist eine der wichtigsten Aufgaben der deutschen Minderheiten. In Dänemark hat man sich nun auf die Vergangenheit von Frauen konzentriert. Die Historikerin Ilse Friis präsentierte in Lügumkloster die Ergebnisse einer eineinhalbjährigen Forschungsarbeit, für die sie 40 Frauen aus der deutschen Minderheit in Nordschleswig interviewt hatte. Das Publikum zeigte sich tief beeindruckt von den Berichten über den Alltag während und nach dem Zweiten Weltkrieg. In ihrer Jugend waren fast alle Befragten in einer NS-Mädchenorganisation aktiv, was sie damals vor allem als abwechslungsreiches Freizeitprogramm mit Sport und Musik wahrnahmen. So flochten sie riesige Binsenschuhe für Soldaten an der Ostfront. Das böse Erwachen kam nach Kriegsende, als rund 3000 Väter verhaftet und in Lager gesperrt wurden. Die Mütter und Kinder mussten die landwirtschaftlichen Betriebe plötzlich allein bewirtschaften. Auch die Berufswahl der Mädchen war damals stark eingeschränkt: Statt Wunschberufe wie den der Lehrerin zu ergreifen, wurden die meisten auf Bauernhöfe geschickt. Die Forscherin sucht nun nach weiteren Zeitzeuginnen, um die Sammlung zu erweitern.
Quelle: nordschleswiger.dk.
Ungarndeutsche im Haus der Heimat
Im Zeichen von Austausch und Kultur stand der Anfang Oktober erfolgte Besuch der Ungarndeutschen im Haus der Heimat in Nürnberg. Die Stiftung Verbundenheit mit den Deutschen im Ausland hatte Anfang Oktober zu einem Begegnungsabend eingeladen, um den Menschen in Bayern das Leben dieser Gemeinschaft näherzubringen. Früher trafen sich die Beteiligten nur im Internet, doch nun konnten die Gäste die Traditionen der Minderheit unmittelbar vor Ort erleben. Auf der Bühne ging es passend zur Sache: Eine Tanzgruppe aus Fünfkirchen zeigte traditionelle Tänze, während die Kapelle „Schnaps“ für die passende Musik sorgte. Zudem trugen mehrere junge Leute Geschichten in ihrer regionalen Mundart vor und brachten dem Publikum die ungarndeutsche Sprache auf charmante Weise näher.
Neben der Kunst gab es auch wichtige Informationen aus erster Hand. Ibolya Hock-Englender, Vorsitzende der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, berichtete über die aktuellen Aufgaben und die Zukunft der Gemeinschaft. Auch Vertreter der bayerischen Politik und von Vertriebenenverbänden kamen zu Wort und unterstrichen, wie wichtig solche Treffen für das gegenseitige Verständnis sind.
Quelle: stiftung-verbundenheit.de.

Ungarndeutsche Tanzgruppe.
Foto: Stiftung Verbundenheit.
Deutsch-tschechische Kulturtage verbinden
Ein Anlass für Austausch und Begegnung waren die Deutsch-Tschechischen Kulturtage, die unlängst in Mährisch Trübau stattfanden. Bei der 32. Auflage des beliebten Treffens kamen wieder viele Menschen zusammen, für die die Reise in den Schönhengstgau wie ein echtes Nachhausekommen ist. Schon am ersten Abend gab es beim Kennenlernen im gemütlichen Kreis Überraschungen, da sich selbst langjährige Bekannte noch einmal von einer ganz neuen Seite zeigten. Auch der Bürgermeister Pavel Charvát hieß die Gäste willkommen.
Danach stand alles im Zeichen der Kultur: Nach einer zweijährigen Schließung wegen umfassender Modernisierungsarbeiten besichtigten die Teilnehmer das örtliche Stadtmuseum. Neben der regionalen Geschichte bestaunten die Besucher dort ein echtes Unikat – einen altägyptischen Sarkophag mit Mumie. Später wurde es im Schloss musikalisch. Chöre und Tanzgruppen präsentierten traditionelle Volkstänze, aber auch feurigen Flamenco. Musik und Tanz überwanden dabei spielend Generationen und Grenzen.
Der Sonntag stand im Zeichen der Besinnung. Da die Franziskanerkirche in Mährisch Trübau geschlossen blieb, fand der Gottesdienst im nahe gelegenen Porstendorf statt. Den Abschluss bildete die Präsentation eines neuen Fotobuchs. Das Besondere: Die gezeigten Bilder wurden von Liedern begleitet, die mit einer KI-generierten Stimme eingesungen worden waren.
Quelle: landesecho.cz.
Rumäniendeutsche sprechen über Finanzen
Mit wichtigen Themen befasste sich die jüngste Vertreterversammlung des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien (DFDR). Auf der Tagesordnung stand unter anderem die Umschichtung des Haushalts. Die derzeitige Übergangsregierung in Bukarest darf keine entsprechenden Mittelumschichtungen vornehmen, wodurch sich für die Organisation finanzielle Probleme ergeben. Nach Beratungen über notwendige Kürzungen stimmten die Mitglieder einem Sparplan zu.
Die politische Lage im Land bereitet den Verantwortlichen ohnehin Kopfzerbrechen. Sorgen macht vor allem ein Gesetzesvorhaben, das eine Verkleinerung des Parlaments vorsieht. Dadurch könnten die Minderheiten ihre Sitze und damit auch den Zugang zu staatlichen Fördermitteln verlieren. Für reichlich Diskussionsstoff sorgte zudem ein Vorschlag zur politischen Zusammenlegung der Regionalforen Bukowina und Altreich. Die Leitung des DFDR lehnte diesen ab, da er einen politischen Rückschritt bedeuten und die eigene Tradition der Buchenlanddeutschen gefährden würde. Stattdessen sollen innerhalb von 30 Tagen Wahlen für den Vorsitz und den stellvertretenden Vorsitz des Regionalforums Bukowina stattfinden.
Ein erfreulicher Moment folgte zum Schluss: Beatrice Ungar, Chefredakteurin der „Hermannstädter Zeitung“, wurde mit der Goldenen Ehrennadel des DFDR ausgezeichnet.

Beatrice Ungar, Chefredakteurin der „Hermannstädter Zeitung“
Foto: https://www.observatorcultural.ro/articol/poeme-de-beatrice-ungar/
Quelle: adz.news.
Medienjugend bildet sich aus
Als Journalist zu arbeiten, ist der Traum vieler Jugendlicher. Die deutsche Minderheit in Kasachstan engagiert sich aktiv dafür, diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Im Deutschen Haus in Almaty kamen zwölf Schüler zweier Gymnasien mit erweitertem Deutschunterricht zusammen. Bei der Medienwerkstatt der Deutschen Allgemeinen Zeitung (DAZ) durften die Jugendlichen in die journalistische Praxis hineinschnuppern. Das Projekt wird vom Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) unterstützt und soll frühzeitig neue Talente für die Zeitung begeistern.
Die Nachwuchsreporter lernten, wie man Videos mit Handys und professionellen Kameras dreht und worauf es bei Interviews ankommt. Als thematischer Ausgangspunkt diente eine Reise des kasachischen Präsidenten nach Berlin, zu der die Schüler eigene Probeinterviews führten. Auch die Erstellung von Podcasts stand auf dem Programm.
Am zweiten Tag kamen zwei Vertreterinnen des ifa aus Deutschland zu Besuch. Sie erklärten den Schülern, die bereits sehr gut Deutsch sprechen, wie die Förderung der deutschen Minderheit funktioniert. Zudem gaben sie Tipps zu Stipendien. Zum Abschluss zeigten sich die Teilnehmer begeistert von den praktischen Einblicken in die Medienwelt.
Quelle: daz.asia.