Kommentar von Krzysztof Świerc

Wenn Angst Politik macht

26 Oktober 2026, 11:30 Kommentar , Politik

Im Jahr 2027 finden in Polen Parlamentswahlen statt. Der Wahlkampf, der uns erwartet, kündigt sich als „blutig“ an. Rechte Gruppierungen wollen um jeden Preis das Rennen um das polnische Parlament gewinnen und die Macht zurückgewinnen. Deshalb haben sie bereits jetzt mit ihren Bemühungen begonnen. Sie sind dabei nicht wählerisch in ihren Mitteln, und ihr Hauptwerkzeug im Kampf ist erneut das Schüren von Angst vor den Deutschen.

Ein Teil der polnischen rechten Milieus verbreitet in den Medien ein immer hitzigeres antideutsches Narrativ und beruft sich dabei unter anderem auf die Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs. Mehr noch – auf einem der Treffen warnte der Vorsitzende von Recht und Gerechtigkeit, Jarosław Kaczyński, seine Landsleute vor, wie er es nannte, „zunehmenden Versuchen einer schleichenden Regermanisierung der Westgebiete“. Er betonte auch, dass seit vielen Jahren im öffentlichen Raum Initiativen auftauchten, die seiner Meinung nach eine Kontinuität der deutschen Geschichte dieser Gebiete suggerierten.

Möglicherweise hatte er sogar die kulturelle Tätigkeit der deutschen Minderheit in Polen im Sinn, und die Diskriminierung der Kinder, die Deutsch als Sprache der nationalen Minderheit lernen – die Reduzierung von drei auf eine Wochenstunde – war nicht zufällig, sondern ein gezieltes Vorgehen! Wir erinnern daran, dass die Verordnung zur Reduzierung der Stundenzahl von drei auf eine Wochenstunde am 4. Februar 2022 vom damaligen Minister für Bildung und Wissenschaft, Przemysław Czarnek (PiS), erlassen wurde. Von allen Minderheiten in Polen betraf diese Änderung nur die deutsche Minderheit. Genau genommen umfasste die Diskriminierung 55.000 Kinder!

Antideutsche Parolen mögen politischen Nutzen bringen, schaden jedoch den deutsch-polnischen Beziehungen.
Quelle: Pixabay

Solch widerliche Maßnahmen, die sich gegen Deutsche in Polen und insbesondere gegen Kinder richten, sollten für viele rechte Politiker eine Schande sein, doch sie empfinden es nicht so. In der Folge kehrt das Narrativ von der „deutschen Bedrohung“ wie ein sprichwörtlicher Bumerang in die polnische Politik zurück, und der Verweis auf Kriegstraumata ist nach wie vor ein Mittel zur Mobilisierung von Emotionen. Hinzu kommt, dass sich Politiker der Rechten nach dem Grundsatz richten: Wer mehr gegen die Deutschen hetzt und auf sie einprügelt, ist ein größerer Pole, ein größerer Patriot.

Es ist schwer, mit jemandem zu sprechen, der hysterisiert ist. Und diese Hysterisierung dient überhaupt nicht der Diskussion und den Verhandlungen mit den Deutschen. Sie bedient im Inneren Polens verschiedene Ängste.

Gleichzeitig denkt kaum einer von ihnen über die Tatsache nach, dass in guten deutsch-polnischen Beziehungen eine gewaltige positive Kraft steckt – sowohl wirtschaftlich als auch politisch. Eine Kraft, die ein sprichwörtlicher Motor für den gesamten Kontinent sein könnte. Doch die Rechten interessiert das nicht. Ihnen geht es vor allem um den eigenen Moment des Ruhms. Deshalb schüren sie Angst vor den Deutschen, vor Regermanisierung und vor Revisionismus, faseln und suggerieren der polnischen Gesellschaft, die Deutschen täten nichts anderes, als zu überlegen, wie sie Polen zerstören könnten. Das ist sehr traurig und verlogen, aber so wird die antideutsche Hysterie aufgebaut, die nicht dem Aufbau deutsch-polnischer Beziehungen dient.

„In solchen Beziehungen ist und sollte auch Platz für schwierige Themen sein. Nur ist es schwer, mit jemandem zu sprechen, der hysterisiert ist. Und diese Hysterisierung dient überhaupt nicht der Diskussion und den Verhandlungen mit den Deutschen. Sie bedient im Inneren Polens verschiedene Ängste. Sie ist instrumentell nützlich. Wir haben einen klar benannten Feind. Und das ist nicht nur der Feind, der dort in Deutschland ist, sondern auch jeder in Polen, den wir der Begünstigung, des Verrats, der übermäßigen Freundlichkeit oder direkt des Deutschseins beschuldigen können. Das reicht aus, um jemanden zu delegitimieren“, resümiert Prof. Cezary Obracht-Prondzyński.

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