Samstagskurs in Ermland und Masuren

Die Kinder wollen es, aber was ist mit den Eltern?

23 Oktober 2026, 11:00 Bildung

An jeder Ausgabe der Samstagskurse – ob im Herbst oder im Frühjahr – nehmen in ganz Polen über 1000 Kinder teil. Die meisten davon in Schlesien. Und wie viele sind es in der Woiwodschaft Ermland-Masuren?

Lernen durch Spielen in Osterode

Die Samstagskurse bei der Deutschen Gesellschaft „Tannen“ in Osterode haben eine lange Tradition. An der Herbstausgabe nehmen 14 Kinder teil, von denen die meisten den Kurs bereits fortsetzen. Die Mehrheit stammt aus Familien von Vereinsmitgliedern. Es könnten durchaus mehr Kinder sein, doch die Gruppe kann nicht weiter vergrößert werden. Geleitet wird sie derzeit von Ewelina Panasiuk, einer Deutschlehrerin an der Grundschule in Rontzken.

„Die Kinder sind sehr lernwillig und aktiv. Das freut mich besonders – ebenso wie die Tatsache, dass auch einige Eltern am Unterricht teilnehmen.“ – Ilona Pielach

„Die Kinder treffen sich in den Räumlichkeiten der Gesellschaft. Dort stehen ihnen zwei Räume zur Verfügung – ein Unterrichtsraum und ein Spielzimmer – sowie ein Hof. Auf der anderen Straßenseite befindet sich außerdem ein gut ausgestatteter städtischer Spielplatz. Deshalb findet ein großer Teil des Unterrichts im Freien statt. Da die Samstagskurse anders gestaltet sind als der reguläre Sprachunterricht in der Schule, haben die Kinder nicht das Gefühl, zu lernen, sondern vielmehr, zu spielen. Das erleichtert ihnen die Aufnahme neuer Inhalte erheblich“, erklärt Ewelina Panasiuk.

Der Unterricht im Samstagskurs in Osterode findet sowohl im Deutschen Haus als auch im Freien statt.
Foto: LK

Das Grundkonzept ist jedoch immer dasselbe: Zunächst lernen die Kinder neue Wörter kennen, anschließend bilden sie daraus Sätze und schließlich entwickeln sie kleine Geschichten. Der Unterschied liegt darin, dass dabei andere Methoden zum Einsatz kommen als im regulären Schulunterricht.

„Zurzeit beschäftigen wir uns beispielsweise mit dem Wortschatz rund um den Herbst. Dazu haben die Kinder unter anderem einen Igel und Blätter aus Ton geformt. Beim nächsten Treffen werden sie diese gestalten und verzieren. Auf diese Weise schaffen wir Gelegenheiten, Pflanzen, Tiere, Wettererscheinungen, Farben und vieles mehr kennenzulernen“, erklärt die Lehrerin.

Die Kinder des Samstagskurses bei den „Tannen“ bereiten nach dem Unterricht außerdem ein künstlerisches Programm für die Feier zum 35-jährigen Bestehen der Gesellschaft vor.

Der Unterrichtsablauf ist derselbe, aber die Methoden unterscheiden sich von denen in der Schule.
Foto: LK

Allenstein: An Interessenten mangelt es nicht

Seit vielen Jahren werden Samstagskurse auch bei der Allensteiner Gesellschaft Deutscher Minderheit angeboten. An der Herbstausgabe nehmen 15 Kinder teil, darunter sechs Mitglieder der Gesellschaft. Mit der Suche nach Teilnehmern gab es in Allenstein noch nie Probleme. Auch hier finden die Kinder hervorragende Lernbedingungen vor. Seit einigen Jahren unterrichtet sie Paulina Wangin, eine Deutschlehrerin an einer der Allensteiner Sprachschulen.

Der Herbst ist die ideale Jahreszeit, um Farben, Wettererscheinungen und … Stimmungen kennenzulernen.
Foto: LK

„Die Kinder kommen mit ganz unterschiedlichen Deutschkenntnissen zu uns, manche können noch gar kein Deutsch. Deshalb muss ich den Unterricht an ihr jeweiliges Niveau anpassen. Sie sind jedoch sehr neugierig und lernfreudig und stellen häufig Fragen, beispielsweise zur deutschen Kultur oder zu Feiertagen. Sie bleiben den Kursen treu und versäumen sie nur selten. Eine Ausnahme bildet die Zeit rund um verlängerte Wochenenden. Die Arbeit mit ihnen macht viel Freude“, versichert die Deutschlehrerin.

Auch Kinder, die noch kein Deutsch sprechen, lassen sich nicht entmutigen und nehmen am Kurs teil.
Foto: LK

Sensburg: Auch die Eltern lernen mit

Seit einigen Jahren organisiert auch die Deutsche Gesellschaft „Bärentatze“ in Sensburg Samstagskurse für Kinder aus der Stadt und dem Kreis Sensburg. Die Gruppe besteht aus elf Kindern, die meisten sind zwischen neun und zwölf Jahre alt. Die Mehrheit von ihnen spricht noch kein Deutsch. Den Unterricht leitet Ilona Pielach, Deutschlehrerin an der Grundschule Nr. 1 in Sensburg, wo sie Deutsch als Minderheitensprache unterrichtet.

„Die Kinder sind sehr lernwillig und aktiv. Das freut mich besonders – ebenso wie die Tatsache, dass auch einige Eltern am Unterricht teilnehmen. Deshalb haben wir beschlossen, dass im Advent bei einer der Unterrichtsstunden alle Eltern mit dabei sein werden“, erzählt die Lehrerin.

Die Kinder sind lernbereit und machen mit Freude mit.
Foto: LK

Auch in Neidenburg

Seit Langem organisiert auch die Neidenburger Gesellschaft der Deutschen Minderheit Samstagskurse. Auch dort wird eine Gruppe von Kindern unterrichtet. Insgesamt finden die Kurse also in vier Gesellschaften statt. In der gesamten Woiwodschaft gibt es 14 deutsche Gesellschaften.

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