Auf den Spuren des berühmten Zoologen

Oberglogau und Schwesterwitz erinnern an Bernhard Grzimek

22 Oktober 2026, 17:00 Bildung , Geschichte

Der Gemeindevorstand der Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Deutschen im Oppelner Schlesien (SKGD) in Oberglogau hat gemeinsam mit der Gemeinde Oberglogau ein bedeutendes Kapitel ihrer regionalen Identität sichtbarer gemacht.

Im Rahmen des Programms DMi-Aktiv wurde dem weltberühmten Zoologen, Tierarzt, Dokumentarfilmer und langjährigen Direktor des Frankfurter Zoos, Bernhard Grzimek, an gleich zwei Orten ein bleibendes Denkmal gesetzt: mit einer Gedenktafel in seinem schlesischen Herkunftsort Schwesterwitz (Zwiastowice) und einem neu geschaffenen Lehrpfad am Stadtpark in Oberglogau.

Ein Sohn der Region mit Weltruf

Bernhard Grzimek, 1909 in Neisse geboren, ist vor allem als unermüdlicher Bewahrer der afrikanischen Tierwelt, Bestsellerautor und Oscar-Preisträger (Serengeti darf nicht sterben, 1960) weltbekannt. Doch seine Wurzeln und seine Kindheitsprägung reichen tief in das oberschlesische Oberglogauer Land, insbesondere nach Schwesterwitz, wo er als Kind lebte.

Sebastian Gerstenberg, Vorsitzender der Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Deutschen im Oppelner Schlesien (SKGD) in der Gemeinde Oberglogau, durchschneidet das Band bei der Eröffnung der Infotafel und des QR-Code-Lernpfads am Oberglogauer Stadtpark.
Foto: Manuela Leibig

Dass diese Verbindung über Jahrzehnte hinweg im öffentlichen Bewusstsein der Region verblasst war, liegt auch an der wechselvollen Geschichte der Grenzregion. Dank der engen Zusammenarbeit zwischen den lokalen Behörden und der deutschen Minderheit ist es gelungen, Grzimek dauerhaft in seiner Heimat zu ehren.

Initiiert durch Zusammenarbeit von Gemeinde und Minderheit

Der Bürgermeister von Oberglogau, Piotr Bujak, erklärt dazu: „Das ist teilweise meine Idee, aber die Initiative ist gerade infolge der Publikation von Herrn Professor Nowak entstanden. Wir haben uns mit dem Leiter der SKGD in der Gemeinde Oberglogau, Sebastian Gerstenberg, getroffen und eine gemeinsame Basis für das Handeln gefunden.“

Sebastian Gerstenberg, Vorsitzender der Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Deutschen im Oppelner Schlesien (SKGD) in der Gemeinde Oberglogau, betont den Wert für die Jugend und die dauerhafte Präsenz im öffentlichen Raum: „Das Allergrößte ist für mich, glaube ich, dass wir jetzt in der Gegend von Oberglogau deutsche Persönlichkeiten präsent haben, dass jeder jetzt die Information bekommen kann: Wenn er vorbeigeht, dann sieht er, dass so eine Person hier aus unserer Gemeinde kommt.“

Gleich zwei Gedenkorte: Schwesterwitz und Oberglogau

Das Projekt schlägt mit seinen zwei Standorten eine Brücke zwischen Familiengeschichte und moderner Bildungsarbeit:

  1. Die Gedenktafel in Schwesterwitz wurde direkt am Gebäude der Feuerwehr enthüllt – nahe dem Ort, an dem Grzimek einen Großteil seiner Jugend verbrachte und Inspiration für seine naturkundliche Laufbahn fand.
  2. Der Bildungsweg am Oberglogauer Stadtpark lädt im dortigen Obstgarten – einem kommunalen Projekt mit rund 100 Obstbäumen – Kinder und Jugendliche dazu ein, sich mithilfe eines Lehrpfads mit QR-Codes spielerisch mit dem Leben und Werk des Naturforschers sowie der regionalen Geschichte auseinanderzusetzen.

    Enthüllung im Stadtpark Oberglogau: Der neue Bildungsweg mit QR-Codes für Kinder und Jugendliche, im Hintergrund der neugeschaffene Obstgarten.
    Foto: Manuela Leibig

Alfred Namysło, Ortsvorsteher von Schwesterwitz und Zeitzeuge familiärer Verbindungen zu Grzimek, blickt voller Stolz auf diesen Meilenstein: „Es ist so ein großer Mensch mit so vielen Errungenschaften, sei es in Afrika, wo er die Naturparks geschaffen hat, oder als Initiator des Zoos ohne Gitter. Er hat sich einen Namen in der ganzen Welt gemacht. Es ist fast unvorstellbar, dass er aus Schwesterwitz kommt.“

Zudem erinnert er sich lebhaft an Grzimeks Besuch im Jahr 1987 in Schwesterwitz: „Ich war damals ein Jugendlicher, er besuchte unser Haus, wir gingen gemeinsam zur Kapelle. Dort versammelten sich auch Leute aus dem Dorf, und man sprach einfach gemeinsam über die Geschichte, über sein Wirken, darüber, was er zu jener Zeit tat und wie er hier seine Kindheit verlebt hatte“, sagt Alfred Namysło, gerührt von der Erinnerung an das Treffen bei der Kapelle, an das ein Foto in seinem Fotoalbum erinnert.

„Das Allergrößte ist für mich, glaube ich, dass wir jetzt in der Gegend von Oberglogau deutsche Persönlichkeiten präsent haben, dass jeder jetzt die Information bekommen kann: Wenn er vorbeigeht, dann sieht er, dass so eine Person hier aus unserer Gemeinde kommt.“ – Sebastian Gerstenberg

Namysło fügt hinzu: „Der Bruder meines Vaters wohnte in Frankfurt, er hat sich mit Grzimek oft getroffen. Bernhard Grzimek wollte immer wissen, was in Schwesterwitz los ist, wer ausgewandert ist, er hat immer nach dem Dorf und seinen Bewohnern gefragt“, sagt der Ortsvorsteher von Schwesterwitz. Aufgrund der engen Beziehungen zwischen Grzimek und der Familie von Alfred Namysło bekam dessen Vater ein Buch von Grzimek geschenkt: „Das Buch ist in gotischer Schrift verfasst und handelt von seinen Forschungen in Afrika und davon, wie sein Sohn gestorben ist.“

Wissenschaftliche Fundierung und grenzübergreifende Bedeutung

Begleitet wurde das Projekt von dem Botaniker Prof. Dr. hab. Arkadiusz Nowak, Vorsitzenden des Polnischen Botanischen Vereins, der ein zweisprachiges Buch über Grzimek verfasst hat. Professor Nowak hebt die universelle Bedeutung des Naturforschers hervor: „Kaum zu glauben, dass man den Oscar-Träger – des ersten deutschen Oscar-Films Serengeti darf nicht sterben, eines der ersten naturkundlichen Oscar-Filme –, den Schöpfer gewaltiger Werke wie des siebzehnbändigen Werkes Grzimeks Tierleben vergessen könnte … Es ist jedoch etwas passiert, was für Grenzpersönlichkeiten oder Regionen typisch ist, in denen sich die Grenze infolge der Kriegsereignisse verschoben hat, sodass wir solche Persönlichkeiten ein Stück weit verlieren.“

Umso erfreuter zeigt er sich über die Renaissance dieses Erbes: „Hier hat er diese Leidenschaft aufgesogen aus diesen Wiesen, aus diesen Flusstälern, an dem Straduna-Fluss, im Hotzenplotz-Tal, den schönen Auenwäldern und Hartholzauen. Daher ist unser Buch in zwei Sprachen herausgegeben worden, es gibt es auch auf Englisch, damit gerade andere Nationalitäten leicht erfahren können, wie diese Leidenschaft in diesem Menschen gewachsen ist.“

Die Gedenktafel in Schwesterwitz (Zwiastowice) erinnert an Bernhard Grzimek, den weltbekannten Zoologen, der hier einen Teil seiner Kindheit verbrachte.
Foto: Manuela Leibig

Auch Róża Zgorzelska, Vorsitzende des DFK Friedersdorf, blickt glücklich auf die Verwirklichung des lang gehegten Traums: „Für mich ist das eine ganz große Freude, denn ich habe schon, als ich Gemeindevorsitzende der deutschen Minderheit in Oberglogau war, die ersten Schritte unternommen, um eine Erinnerungstafel an dem Haus anzubringen, das der Familie Grzimek gehörte. Aber damals war die Zeit wohl noch nicht so reif, wie es sich gehört.“

„Wir als deutsche Minderheit haben schon mit dem Bürgermeister über weitere Persönlichkeiten gesprochen, die eine Tafel im Park verdient hätten. Vielleicht klappt es ja, dass wir nächstes Jahr gemeinsam an jemanden in dieser Form erinnern können, dass der Edukationspfad immer größer wird“, sagt Sebastian Gerstenberg.

Mit diesem umfassenden Projekttag, der neben den Enthüllungen auch einen Vortrag von Professor Nowak zu Grzimeks Person und Werk sowie eine Filmvorführung im Oberglogauer Kulturzentrum umfasste, ist es der deutschen Minderheit und ihren Partnern gelungen, einen bedeutenden Oberschlesier dauerhaft im Bewusstsein Oberschlesiens zu verankern.

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