Lesungen: II. Korintherbrief 9,6–15; 5. Buch Mose 8,7–18
Predigttext: Markusevangelium 8,1–10
Seine Jünger antworteten ihm: Woher nehmen wir Brot hier in der Einöde, dass wir sie sättigen? Markus 8,4
Vor genau zwei Wochen hatte ich die Gelegenheit, das Haus des Brotes in Radzionkau zu besichtigen. Es ist ein sehr gutes Erlebnis gewesen. Das Haus wurde von einer Privatperson, dem 2023 verstorbenen Piotr Mankiewicz, errichtet. Im Rahmen der Führung gibt es die Möglichkeit, sich zwei Interviews mit dem Gründer anzuschauen. Peter Mankiewicz erzählt, wie Teig aus Mehl und Wasser vorbereitet wird, aber auch, wie Brot einen besonderen Status in Kultur und Frömmigkeit verdient. Die Hörer bekommen auch Informationen über die Kriegszeit, als Hunger und Not herrschten.
Für mich war die Besichtigung ein besonderes Erlebnis, nicht nur deswegen, da ich in einem Alter bin, in dem ich einige Museumsexemplare aus meiner eigenen Kindheit erkenne. Während der Besichtigung konnte man gut die Intensität des Gründers und der Museumsführer erkennen – Respekt dem Brot gegenüber; die Betrachtung des Brotes als etwas Heiliges. Es wurde zum Beispiel erinnert, dass man Brot nicht wegwerfen soll, sondern trocknen und für andere Speisen verwenden kann. Es wurde auch daran erinnert, dass man Brot, wenn es herunterfällt, aufheben und küssen soll. Diese Haltung ist etwas, was ich sehr gut von zu Hause kenne und auch in meiner Familie weiterführe. Brot ist eine Art Heiligtum. Ohne Brot, das eine Grundspeise in unserer Kultur ist, kommen wir nicht weiter. Wir hören sehr oft von hungernden Regionen in Afrika, vom Hunger in der Kriegswirklichkeit in der Ukraine. Es macht aber keinen besonderen Eindruck auf uns, solange wir Hunger nicht selbst erleben, den Mangel an Brot.
„Brot ist eine Art Heiligtum. Ohne Brot, das eine Grundspeise in unserer Kultur ist, kommen wir nicht weiter.“
In meiner Erinnerung bleibt für immer die Erzählung meines Großvaters aus der Kriegszeit. Als Wehrmachtsoldat wurde er russischer Kriegsgefangener und befand sich in einem russischen Zugtransport. Die Fahrt dauerte tagelang in einem Viehwaggon. Großvater erzählte, wie er Brotkrümelchen vom mit Mist beschmutzten Boden sammelte. Jahrelang hielt er auch eine Scheibe Brot unter seinem Kopfkissen, denn er hatte Hunger und Mangel an Brot tiefst erlebt.
Heute leben wir in Zeiten des Überflusses und verlieren dabei die heilige Dimension des Brotes und anderer Speisen. Der Überfluss wird weggeworfen und verschwendet. Wir haben vergessen, wie es ist, mit leerem Magen zu funktionieren. Sattsein ist aber nicht auf Dauer gegeben. Deswegen ist es wichtig, die Gaben Gottes als eine sakrale Wirklichkeit zu betrachten und für sie dankbar zu sein. Gott gibt uns unsere Talente und Kompetenzen, damit wir Geld verdienen können. Dafür kaufen wir alles, was wir zum Leben brauchen. Das ist nicht selbstverständlich. Zum Glück befinden wir uns nicht in der biblischen Einöde und können uns dank Gott unser tägliches Brot besorgen. Dabei ist es wichtig, es mit denjenigen zu teilen, die sich durch Krieg und Not in ihrer Lebenseinöde befinden. Es ist auch wichtig, zu lernen, die eigenen Bedürfnisse zu messen, damit wir nicht unnötigen Überfluss produzieren und die doch sakralen Brotvorräte nicht verschwenden. Amen.