FZDM-Konferenz in Hindenburg

„Wir werden uns mit der Last der Geschichte auseinandersetzen“

31 August 2026, 13:30 Bildung , Nachrichten

Mit Dr. Michał Matheja, dem Vorsitzenden des Forschungszentrums der deutschen Minderheit, sprach Krzysztof Świerc

Am 23. und 24. September findet im Hotel Diament in Hindenburg eine internationale wissenschaftliche Konferenz mit dem Titel „Minderheiten hinter dem Eisernen Vorhang. Ballast oder Quelle der Identität?“ statt. Wer ist der Organisator und was ist ihr Thema?

Organisator der Konferenz ist das Forschungszentrum der deutschen Minderheit (CBMN) in Zusammenarbeit mit dem Sorbischen Institut in Bautzen. Die Konferenz ist den nationalen Minderheiten in Mittel- und Osteuropa während der Zeit des kommunistischen Totalitarismus und der Frage der unterschiedlichen Politik der einzelnen Staaten in diesem Bereich gewidmet. Theoretisch gab es zwar ein einheitliches System, aber die verschiedenen Länder gingen sehr unterschiedlich mit der Minderheitenfrage um, und darüber wollen wir in Hindenburg sprechen.

Wann entstand die Idee zu dieser Konferenz?

Die Idee entstand aus dem Anlass, dass das CBMN in diesem Jahr sein 10-jähriges Bestehen feiert, und bei dieser Gelegenheit blicken wir auf unsere Anfänge zurück. Ich möchte daran erinnern, dass das HDPZ 2013 in Anlehnung an die Bestimmungen des Protokolls des deutsch-polnischen Runden Tisches eine wissenschaftliche Konferenz über die deutsche Minderheit in der Volksrepublik Polen organisierte. Nach Jahren möchten wir zu diesem Thema zurückkehren, jedoch mit einer breiteren Perspektive auf diese Problematik – unter Einbeziehung einer größeren Anzahl von Ländern des ehemaligen kommunistischen Blocks, aber auch verschiedener Minderheiten, denn selbst innerhalb eines einzigen Landes war die Politik gegenüber verschiedenen ethnischen Gruppen unterschiedlich.

Dr Michał Matheja, Forschungszentrum der Deutschen Minderheit. Foto: Stefani Koprek-Golomb

Das Hauptziel der Konferenz in Hindenburg ist daher der Austausch von Ansichten und das Teilen des Wissens, das die Referenten im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Forschungen erworben haben. Wir haben hervorragende Experten und Wissenschaftler aus Polen, Deutschland, der Schweiz, Tschechien und Ungarn eingeladen. Wie jede Konferenz dieser Art wird sie eine ausgezeichnete Gelegenheit für Diskussionen, den Vergleich von Forschungsergebnissen und Forschungsmethoden bieten. Wir möchten aber auch, dass unsere Konferenz eine Wissen vermittelnde Konferenz ist – offen für alle, die sich für diese Problematik interessieren, nicht nur für Akademiker, die sich wissenschaftlich mit diesen Themen befassen. Aus organisatorischen Gründen bitten wir Interessierte um vorherige Anmeldung bis spätestens 9. September, da die Anzahl der Plätze begrenzt ist.

Quelle: CBMN

Welche Themen werden im Mittelpunkt der Debatte stehen?

Es ist schwierig, die Hauptpunkte der Konferenz zu nennen, alle sind wichtig. Wir beginnen mit einem Vortrag von Dr. habil. Stephan Rindlisbacher von der Universität Basel über die Differenzierung der Minderheitenpolitik in den Jahren 1945–1989. Dies wird eine Art Vogelperspektive auf die Karte Mittel- und Osteuropas sein, ein Versuch des Vergleichs, wie die einzelnen Staaten an die Minderheitenfragen herangingen. Danach werden wir uns ausgewählten Sonderfällen widmen. In den folgenden thematischen Sitzungen werden wir die Politik gegenüber verschiedenen Minderheiten in der Volksrepublik Polen, den deutschen Minderheiten und den polnischen Minderheiten in verschiedenen Ländern des kommunistischen Blocks betrachten.

Warum lohnt es sich, und warum sollten manche am 23. und 24. September bei der Konferenz in Hindenburg dabei sein?

Weil sie sich an all jene richtet, die sich für die Geschichte der besprochenen Zeit interessieren, insbesondere im Minderheitenkontext. Es ist auch eine ausgezeichnete Gelegenheit, sich daran zu erinnern, wie es damals bei uns aussah. Viel weniger wissen wir hingegen über die Situation in anderen Ländern. Warum zum Beispiel haben die Deutschen in Rumänien und zu einem großen Teil auch in Ungarn die Kontinuität der Sprachweitergabe bewahrt, was in Polen leider nicht erreicht werden konnte? Es ist also eine ausgezeichnete Gelegenheit und Möglichkeit, in dieser Hinsicht gewisse Vergleiche anzustellen.

„Das Hauptziel der Hindenburger Konferenz ist der Austausch von Ansichten und das Teilen des Wissens, das die Referenten im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Forschungen erworben haben.“

Die Konferenz trägt den Titel „Minderheiten hinter dem Eisernen Vorhang. Ballast oder Quelle der Identität?“ Ich verstehe, dass es Gelegenheit geben wird, zu überlegen, wie sich die staatlichen Maßnahmen gegenüber den Minderheiten in den Jahren 1945–1990 auf sie ausgewirkt haben.

Ja. Einerseits kann man Beispiele anführen, dass eine Politik, die auf den Erhalt der Minderheitenidentität ausgerichtet war, dazu führte, dass irgendwann die Mehrheit der Mitglieder einer bestimmten Gruppe aus diesem Land ausreiste – wie im Fall der Deutschen in Rumänien. Gemessen an den Bedingungen eines kommunistischen Staates gab es dort, könnte man sagen, vorbildliche Verhältnisse. Es endete jedoch damit, dass die Geschichte der deutschen Minderheit in Rumänien an vielen Orten bereits abgeschlossen ist. Aus unserer Perspektive könnte man hingegen sagen, dass, solange der Staat die Minderheit diskriminierte – paradoxerweise – diese Minderheit relativ stark zusammenhielt. Trotz fehlender allgemeiner Sprachweitergabe blieb das Identitätsgefühl gewissermaßen auf der Grundlage eines Gefühls des Unrechts bestehen. Als jedoch die Freiheit kam, stellte sich nach einiger Zeit heraus, dass dies nicht ausreichte. Langfristig betrachtet sind die negativen Auswirkungen der Diskriminierungspolitik gegenüber verschiedenen Minderheitengruppen bis heute spürbar, und mit diesem Ballast setzen wir uns täglich auseinander.

Im Programm der Konferenz ist auch eine Studienfahrt vorgesehen. Bitte erzählen Sie etwas mehr darüber.

Am zweiten Tag der Konferenz – dem 24. September – möchten wir unseren Gästen zeigen, was bei uns in Schlesien im Bereich der Vermittlung der Geschichte von Minderheitengruppen geschieht. Deshalb werden wir das Dokumentationszentrum der Deportation von Oberschlesien in die UdSSR 1945 in Radzionkau sowie das Haus der Erinnerung an die Juden Oberschlesiens in Gleiwitz besuchen. Da die Anzahl der Plätze begrenzt ist, entscheidet über die Teilnahme an diesem Teil der Konferenz die Reihenfolge der Anmeldungen, und die Liste wird endgültig am 9. September geschlossen.

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