Antrittsbesuch beim VdG

Konsulin Marlen Sulzer will Zusammenarbeit mit deutscher Minderheit stärken

27 August 2026, 13:30 Nachrichten , Politik

Seit Ende Juli leitet Marlen Sulzer das deutsche Konsulat in Oppeln. Bei ihrem Antrittsbesuch beim Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen (VdG) am Mittwoch, dem 26. August, ging es vor allem um die künftige Zusammenarbeit mit der deutschen Minderheit. Geplant sind unter anderem regelmäßige Austauschformate, die Wiederbelebung früherer Veranstaltungen und neue Impulse in den Bereichen Kultur und Wirtschaft.

Am Hauptsitz des VdG an der ul. Juliusza Słowackiego in Oppeln traf die Konsulin den VdG-Vorsitzenden Rafał Bartek, die Geschäftsführerin Joanna Hassa und die stellvertretende Geschäftsführerin Anna Scześniok. An dem Treffen nahm auch Leonard Malcharczyk, Kulturreferent am deutschen Konsulat in Oppeln, teil.

Zusammenarbeit auf eine neue Grundlage stellen

Für die deutsche Minderheit ist der direkte Kontakt zum deutschen Konsulat in Oppeln von besonderer Bedeutung. Als Dachverband vertritt der VdG die regionalen und lokalen Organisationen der deutschen Minderheit in Polen. VdG-Vorsitzender Rafał Bartek betonte deshalb die Bedeutung einer deutschen Vertretung in der Region mit der größten deutschen Minderheit in Polen. Das Konsulat solle dabei nicht nur als Anlaufstelle für Pass- und Ausweisangelegenheiten wahrgenommen werden, sondern auch als politische Vertretung der Bundesregierung vor Ort. Gerade die persönliche Präsenz der Konsulin in der Region spiele dabei eine wichtige Rolle, sagte Bartek.

Marlen Sulzer und Leonard Malcharczyk vom deutschen Konsulat. Foto: Manuela Leibig

Auch für Marlen Sulzer steht der direkte Austausch im Mittelpunkt. Beim ersten Treffen ging es zunächst darum, sich persönlich kennenzulernen und über die künftige Zusammenarbeit zu sprechen. Beide Seiten wollen nach Angaben von Bartek regelmäßig miteinander in Kontakt bleiben.

Konsulin Marlen Sulzer bekräftigte gegenüber dem Neuen Wochenblatt.pl, dass sie die Zusammenarbeit mit dem VdG auf eine neue Grundlage stellen möchte: „Wir wollen die Zusammenarbeit mit dem VdG wieder auf ganz feste neue Füße stellen.“ Dafür sollen bestehende Austauschformate fortgesetzt, frühere Formate wiederbelebt und neue Möglichkeiten für einen regelmäßigen Austausch entwickelt werden.

Neujahrskonzert und Wirtschaftsstammtisch

Auch im kulturellen Bereich wurde darüber gesprochen, welche früheren Veranstaltungen sich bewährt haben und wieder aufgegriffen werden könnten. Konkret nannte Marlen Sulzer ein Neujahrskonzert: „Wir haben gesagt, was sich früher bewährt hat, was gern angenommen wurde, das wollen wir auch wiederbeleben. Hier ist im kulturellen Bereich zum Beispiel ein Neujahrskonzert zu nennen.“

Auch im Bereich der Wirtschaftsförderung soll ein früheres Format wiederbelebt werden. Bei einem Wirtschaftsstammtisch sollen regionale Unternehmen miteinander ins Gespräch kommen. Geplant sind unter anderem Impulsvorträge mit einem Schwerpunkt auf Themen aus und über die deutsche Wirtschaft. Nach Angaben der Konsulin soll der Wirtschaftsstammtisch noch in diesem Jahr wieder stattfinden. Perspektivisch könne auch eine Beteiligung von Wirtschaftsvertretern aus Deutschland möglich sein.

Beim Antrittsbesuch traf sich Konsulin Marlen Sulzer mit Rafał Bartek, Joanna Hassa und Anna Scześniok vom VdG.
Foto: M. Leibig

Darüber hinaus deutete Marlen Sulzer weitere gemeinsame Projekte mit den deutschen Partnerstädten Oppelns an. Konkret nannte sie Ingolstadt, Potsdam und Mülheim an der Ruhr. Einzelheiten wollte sie noch nicht nennen, da sich die Vorhaben derzeit noch in der Planungsphase befinden. „Aber es werden schöne Überraschungen sein, denke ich“, sagte die Konsulin.

Mehr Informationen für die deutsche Minderheit

Ein weiterer Bereich der Zusammenarbeit betrifft die Information der deutschen Minderheit. Das deutsche Konsulat ist in der Region unter anderem Ansprechpartner für Fragen rund um deutsche Staatsangehörigkeit und Ausweisdokumente. Nach dem Gespräch soll auch geprüft werden, wie Informationen zu solchen Themen künftig besser und breiter vermittelt werden können.

VdG-Vorsitzender Bartek verwies dabei insbesondere auf die sogenannte Generationenschnitt-Regelung im deutschen Staatsangehörigkeitsrecht. Das Wissen über die Regelung sei innerhalb der deutschen Minderheit noch nicht ausreichend verbreitet. „Wir kriegen immer wieder mit, dass die Leute darauf nicht achten oder sich darüber keine Gedanken machen, weil sie der Meinung sind, dass sich das Kind selbst darum kümmern könne, wenn es erwachsen ist. Aber so funktioniert es nicht mehr“, sagte Bartek.

„Wir wollen die Zusammenarbeit mit dem VdG wieder auf ganz feste neue Füße stellen.“ – Konsulin Marlen Sulzer

Er betonte deshalb die Notwendigkeit, die Informationen über verschiedene Wege und Kanäle stärker zu verbreiten: „Es ist wichtig, und darüber haben wir uns auch unterhalten, dass man dieses Wissen möglichst über verschiedene Wege und Kanäle verbreitet.“

Auch Jugend im Blick

Im Anschluss an das Treffen mit dem VdG stand für Marlen Sulzer ein weiterer Antrittsbesuch beim Bund der Jugend der Deutschen Minderheit (BJDM) auf dem Programm. Dort traf sie Vertreterinnen und Vertreter der Jugend der deutschen Minderheit.

Mit Blick auf junge Menschen in der Region betonte Marlen Sulzer insbesondere die Chancen, die Europa und Mehrsprachigkeit bieten. Dabei verwies sie auch auf ihre Erfahrungen aus ihrer Zeit an der deutschen Botschaft in Großbritannien von 2018 bis 2024. Nach dem Brexit habe sich für viele junge Menschen die Möglichkeit grenzüberschreitend zu arbeiten und zu studieren verändert.

„Wir möchten den jungen Menschen hier in der Woiwodschaft vor allem vermitteln, dass sie mitten in Europa sind, dass sie mitten in Europa große Vorteile haben, indem sie mehrsprachig sind, indem sie grenzüberschreitend arbeiten und studieren können“, sagte Marlen Sulzer.

Der Besuch beim BJDM bildete damit den zweiten Teil des ersten Austauschs der neuen Konsulin mit Organisationen der deutschen Minderheit. Wie Marlen Sulzer ihre ersten Wochen als Leiterin des deutschen Konsulats in Oppeln erlebt, welche Schwerpunkte sie setzen möchte und warum Oppeln für sie ein Wunschposten ist, erzählt sie im Interview mit dem Neuen Wochenblatt.pl.

Generationenschnitt: Was deutsche Staatsangehörige im Ausland wissen sollten

Die sogenannte Generationenschnitt-Regelung gilt seit dem 1. Januar 2000. Sie betrifft im Ausland geborene Kinder deutscher Eltern, wenn der deutsche Elternteil nach dem 31. Dezember 1999 selbst im Ausland geboren wurde und zum Zeitpunkt der Geburt des Kindes seinen gewöhnlichen Aufenthalt im Ausland hat. Voraussetzung ist außerdem, dass das Kind im Ausland geboren wird und durch die Geburt eine ausländische Staatsangehörigkeit erwirbt. In diesem Fall erwirbt das Kind die deutsche Staatsangehörigkeit zunächst nicht automatisch durch Geburt. Eine Ausnahme gilt, wenn das Kind sonst staatenlos würde. Damit das Kind dennoch die deutsche Staatsangehörigkeit erwirbt, muss innerhalb eines Jahres nach der Geburt beim zuständigen Standesamt in Deutschland oder bei der zuständigen deutschen Auslandsvertretung ein Antrag auf Beurkundung der Geburt im deutschen Geburtenregister gestellt werden. Wird der Antrag fristgerecht gestellt, erwirbt das Kind die deutsche Staatsangehörigkeit rückwirkend zum Zeitpunkt der Geburt. Mehr Informationen gibt es auf der Internetseite des Konsulats

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