Fußball verbindet

Das letzte Spiel dieser Art – in Nattern endet eine Sporttradition

20 August 2026, 11:00 Sport

Mit einem Ergebnis von 5:4 für Naterki Polska endete das 35. historische Fußballspiel in diesem Dorf. Historisch, weil es leider das letzte Spiel der beiden „Nationalmannschaften“ dieses einzigartigen Dorfes war.

Nattern in der Gemeinde Dietrichswalde im Kreis Allenstein ist das einzige Dorf in Polen, das zwei nationale Fußballmannschaften hat – eine polnische und eine deutsche. Die polnische besteht aus den heutigen Einwohnern, die deutsche aus ehemaligen Bewohnern, die nach Deutschland ausgewandert sind, wobei dies auch nicht immer und nicht vollständig der Fall ist. Diese Mannschaften treffen sich jedes Jahr Anfang August auf dem Sportplatz in Nattern, um ein Freundschaftsspiel auszutragen. Alle zwei Jahre fährt die polnische Mannschaft zum Rückspiel in die deutsche Stadt Rietberg in Nordrhein-Westfalen. Die Spiele in beiden Orten wurden stets zu großen Ereignissen, die von Festen begleitet wurden. Sie zogen viele Menschen an, und mit den Fußballern reisten Vertreter der Behörden und sogar Abgeordnete mit. Diese Spiele führten zur Partnerschaft der Gemeinden Dietrichswalde und Rietberg.

Heinrich und Elżbieta Schulz. Sie waren die treibenden Kräfte hinter den Spielen.
Foto: L. Kryszałowicz

Warum Rietberg?

Weil dorthin in den 1970er und 1980er Jahren die meisten Einwohner von Nattern ausgewandert sind, unter anderem die Familie Schulz, die sich von Anfang an um die Organisation der Anreisen zu den Spielen kümmerte. Dies ist keine leichte Aufgabe, denn in beiden Mannschaften spielen Amateure, die einer Arbeit nachgehen und Urlaub nehmen müssen. Außerdem leben nicht alle ehemaligen Natterner in Rietberg.

Nattern Deutschland – letzte Absprachen vor dem Spiel.
Foto: L. Kryszałowicz

Der Familie Schulz gelang es im Laufe all dieser Jahre immer, eine Mannschaft zusammenzustellen, wenn auch nicht immer in voller Besetzung. Dann wurde die Mannschaft durch heutige Einwohner ergänzt. Sie spielten dabei mit nicht geringerem Einsatz als damals, als sie in den Trikots von Naterki Polska spielten: „In diesem Jahr gelang es uns, 21 Spieler zusammenzubringen, darunter 16 aus Rietberg selbst. Unser Mannschaftskapitän Michał Majewski kam sogar aus Bayern. Und im Kader des Teams sind fünf unserer Enkel“, freut sich Elżbieta Schulz. Ihr Mann Heinrich führte die deutsche Mannschaft auf das Spielfeld. Im letzten Jahr spielte er noch selbst. Das 35. und zugleich letzte Spiel Naterki Polska gegen Nattern Deutschland war sehr ausgeglichen und endete mit 5:4 (2:2) für Naterki Polska. In der Halbzeitpause spielten die Kinder Fußball. Nach dem Spiel fand wie üblich das gemeinsame Feiern des Ergebnisses und eine Party auf dem Spielfeld statt.

Manfred Gemz. Er kam auf den Sportplatz, um zu sehen, was dort so los ist – und so fing alles an.
Foto: L. Kryszałowicz

Sehr schade

Die internationalen Spiele in Nattern wurden von Manfred Gemz (67) und Stanisław Buśko (64) ins Leben gerufen. Es sind Kollegen aus einer Fußballmannschaft – LZS Diament Naterki. Manfred kam Anfang der 1990er Jahre aus Bochum in sein Dorf in den Urlaub und beschloss, sich das Spielfeld anzusehen, auf dem er früher Fußball gespielt hatte. Dort traf er Stanisław. Während einer Ruhepause nach einem Spiel auf dem Rasen kamen sie auf die Idee der Spiele zwischen ehemaligen und heutigen Einwohnern. Seitdem fanden 35 solcher Spiele statt.

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Warum war das am 1. August 2026 ausgetragene Spiel das letzte? „Aus organisatorischen Gründen. Ein Teil derer, die gespielt haben, ist nicht mehr am Leben. Ein Teil kann nicht mehr spielen. Die Jüngeren, die in Deutschland geboren sind, sind nicht mehr so sehr an den Spielen interessiert wie ihre Eltern, die von hier ausgewandert sind. Es wird also für die Schulzes immer schwieriger, eine Mannschaft für die Auswärtsfahrt zusammenzustellen. Wir haben uns daher gemeinsam entschieden, dass dies das letzte Spiel sein wird. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir unsere Kontakte beenden. Wir beabsichtigen, gemeinsam eine Form der Zusammenarbeit zu finden, die diese Kontakte aufrechterhält und weiterentwickelt“, erklärt Joanna Jaguszewska, Vorsitzende des Vereins „Diament“ in Nattern und Organisatorin der Spiele auf polnischer Seite. Nattern – das einzige Dorf in Polen mit zwei nationalen Mannschaften – hörte am 1. August 2026 auf, etwas Besonderes zu sein. Sehr schade.

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